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Oscar-Preisträgerin Gwyneth Paltrow unterstützte die „New York Times“ seit einem Treffen im Sommer 2017. Bild: dpa

Missbrauchsvorwürfe : Gwyneth Paltrow half, Weinstein vor Gericht zu bringen

  • -Aktualisiert am

Die „New York Times“ brachte den Skandal um Harvey Weinstein ins Rollen. Nun veröffentlichen die Journalistinnen hinter der Enthüllung ein Buch, das die Öffentlichkeit an den Recherchen teilhaben lässt.

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          Der Anfang von Harvey Weinsteins Ende ist längst ein Stück Hollywood-Folklore. Anfang Oktober 2017 erschütterte ein Enthüllungsartikel der „New York Times“ die Filmwelt, in dem die Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey den Produzenten beschuldigten, jahrzehntelang Nachwuchsschauspielerinnen, Models sowie Mitarbeiterinnen sexuell belästigt und vergewaltigt zu haben.

          Einige Tage später zog der „New Yorker“ nach. Der Reporter Ronan Farrow, Sohn der Schauspielerin Mia Farrow und des Filmemachers Woody Allen, hatte 13 Frauen getroffen, die Weinstein Missbrauch vorwarfen. In den folgenden Wochen wurde Hollywood von der MeToo-Bewegung eingeholt. Selbst die Staatsanwaltschaft in New York, die frühere Vorwürfe in der Schublade verschwinden ließ, rang sich zu einer Anklage gegen den Filmstudioboss durch.

          Das am Dienstag in den Vereinigten Staaten veröffentlichte Buch „She Said“ der Journalistinnen Kantor und Twohey lässt die Öffentlichkeit jetzt auch an ihren Recherchen teilhaben. Wer half bei der Aufdeckung von Weinsteins mutmaßlichem System aus Missbrauch und Vertuschung?

          Unter anderen war es Oscar-Preisträgerin Gwyneth Paltrow, die die „New York Times“ seit einem Treffen im Sommer 2017 unterstützte. Die Schauspielerin nutzte ihre Beziehungen in Hollywood, um Kantor und Twohey den Kontakt zu weiteren mutmaßlichen Opfern zu erleichtern. Paltrow ließ die Pulitzer-Preisträgerinnen zudem an eigenen Erfahrungen teilhaben. Nach der Besetzung für das Historiendrama „Emma“ soll Weinstein die damals Zweiundzwanzigjährige in einer Hotelsuite begrabscht haben.

          Harvey Weinstein erscheint im August in New York vor einem Gericht für eine Anhörung.

          Auch Bob Weinstein, Mitgründer der Filmgesellschaften Miramax und The Weinstein Company, gewährte Einblicke in die Einschüchterungsversuche seines Bruders. Sie endeten meist mit Vertraulichkeitsvereinbarungen, die betroffene Frauen zum Schweigen zwangen. Wie weit Weinstein für die Imagerettung ging, erlebten Kantor und Twohey am Tag vor der Veröffentlichung des ersten Artikels. In Begleitung mehrerer Juristen, unter ihnen die kalifornische Frauenrechtlerin Lisa Bloom und Linda Fairstein, die ehemalige Chefin der Abteilung für Sexualstraftaten der Staatsanwaltschaft in Manhattan, erschien Weinstein damals unangemeldet in der Redaktion.

          Die Drohgebärde blieb ohne Wirkung. Am 5. Oktober 2017 erfuhren die Leser der „New York Times“ wie geplant, dass der Studiochef angeblich immer wieder Schauspielerinnen wie Ashley Judd und Rose McGowan sexuell bedrängt hatte. „Uns wurde schnell klar, dass unsere ersten Artikel nur der Anfang waren. Durch das Buch konnten wir viele weitere Puzzleteile zusammenfügen“, sagte Twohey dem „Guardian“. Zu den Puzzleteilen gehörte auch die Anwältin Bloom. Laut „She Said“ entwarf die Kalifornierin in Weinsteins Auftrag eine PR-Strategie, um McGowan mundtot zu machen. Bloom stellte angeblich Dossiers zusammen, um die Schauspielerin und weitere Frauen unter Druck zu setzen. Für das „Organisieren einer positiven Reputation“ soll die selbsternannte Frauenrechtlerin Bloom ein Honorar von 895 Dollar je Stunde bekommen haben. McGowan forderte nach der Veröffentlichung des Buchs jetzt ein Berufsverbot für Bloom.

          Weinstein bereitet sich unterdessen auf sein Strafverfahren vor. Der eigentlich für den 9. September geplante Prozessbeginn war kurzfristig von dem Gericht in New York auf den 6. Januar verschoben worden. Falls der gestürzte Hollywood-Mogul wegen schwerer Vergewaltigung und Missbrauchs von zwei Frauen schuldig gesprochen wird, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

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