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Simone Thomalla : Schnucki, es passt

Mit vielem, was damals plötzlich galt, war sie nicht einverstanden: dass Männer das Geld verdienen, Frauen zu Hause bleiben und Kinderkrippen schlecht sein sollen. „Ich wollte immer unabhängig sein, ein eigenes Einkommen haben und trotzdem Kinder erziehen, das ist mir Gott sei Dank gelungen.“

Emotionale Wuchtbrumme

Doch nach der Wende ist nicht klar, ob sie je wieder in ihrem Beruf arbeiten wird. Zwei Jahre lang blieben Angebote aus. Thomalla war zwar anfangs noch im Babyjahr, aber finanziell herrschte bald Ebbe, sie nahm Untermieter auf, wurschtelte sich durch. Dann bekam sie eine Rolle im Fernseh-Sechsteiler „Die Durchreise“. Die Geschichte einer jüdischen Modefirma in Berlin ist ihr Einstieg ins gesamtdeutsche Fernsehgeschäft. Es folgen populäre Serien wie „Unser Lehrer Doktor Specht“ und „Ein Bayer auf Rügen“.

Sie spielt, was ihr angeboten wird, oft Liebeskomödien mit Titeln wie „Mama macht’s möglich“, „Ein Vater zum Verlieben“ oder „Entführ’ mich, Liebling“. Sie neige nicht zum Kämpfen, sondern lasse die Dinge auf sich zukommen, erklärt sie. Und dann kam 2008 wie ein Blitz aus heiterem Himmel das Angebot, „Tatort“-Kommissarin zu werden. Als Co-Ermittler bekam sie Wuttke an die Seite; das Casting hat sie bis heute nicht vergessen: „Ihr seid ein Ex-Paar, bringt doch mal bisschen Spannung rein!“, forderte der Caster. „Wees doch gar nicht, warum wir überhaupt auseinander sind“, blaffte Wuttke zurück.

Seitdem ermittelt das Duo dreimal im Jahr in Leipzig, ihrer Heimatstadt; sie als emotionale Wuchtbrumme, er als kühler Analytiker. Leipzig sei Zufall gewesen, sagt Thomalla. Die Einschaltquoten sind von Anfang an sehr gut, die Kritiken eher selten. Immerhin kann sie sich nun ihre Rollen aussuchen, und dennoch frage sie sich immer wieder, wie lange das wohl so bleibe. Zu oft sehe sie am Set prekäre Schauspiel-Existenzen, Kollegen, die nur einen Drehtag, eine Szene haben und dann unsicher und aufgeregt seien, alles zeigen wollten. „Das geht mir jedes Mal sehr nahe, ich kenne all diese Ängste.“

Paparazzi und Gerüchte

Bedient sie deshalb den Boulevard, um im Gespräch zu bleiben? Freimütig gab und gibt sie Interviews mit ihren nicht minder extrovertierten Partnern: Mit Schalke-Manager Rudi Assauer, mit dem sie neun Jahre zusammenlebte, tauschte sie öffentlich Kosenamen aus, und mit Silvio Heinevetter gab sie in „Bild“ und „Bunte“ Auskunft über Liebe, Sex und Eifersucht. Seitdem weiß man auch, dass ihr Vater die Liaison mit den Worten „Schnucki, es passt“ abgesegnet hat.

Sie habe ja gar nicht den Drang, ihr gesamtes Privatleben herumzuposaunen, sagt Thomalla. Und zu Hause lasse sie die Presse auch nicht rein. „Aber du musst schon bereit sein, ein wenig über dich zu erzählen. Deinen Zuschauer, deinen Fan interessiert doch, wie es dir geht, und da versuche ich, einen guten Mittelweg zu finden.“ Das aber gelingt nicht immer. Thomalla kennt die Kehrseite: Paparazzi vor der Haustür, gedruckte Gerüchte über Trennung, Schwangerschaft und Heirat. „Das zu verkraften ist sehr schwer, damit kann ich mich immer noch nicht arrangieren“, sagt sie. Einfach mal nichts zu sagen aber gehe nun auch nicht mehr, es werde ja trotzdem geschrieben.

Deshalb wisse sie eben auch nicht, ob sie heute noch einmal ihren Weg so gehen würde. „Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe meinen Beruf wirklich, und ich kann mir auch nichts anderes vorstellen.“ Aber sie könne die Schauspielerei heute niemandem mehr guten Gewissens empfehlen, das Geschäft sei härter denn je. „Arbeitet man viel, ist man prominent, aber auch angreifbar, hat man wenig zu tun, kann kaum ein Kollege von diesem Beruf allein leben.“

Dann brummt ihr Handy, ihr Trainer ist dran und bestätigt den Termin, Kickboxen morgen früh. Um neun natürlich.

Fußball, Handball, Fernsehen

Simone Thomalla wurde 1965 in Leipzig geboren und wuchs in Potsdam auf. Ihr Vater war Filmarchitekt, ihre Mutter arbeitete als Fotomodell. Thomalla besuchte in Berlin die Schauspielschule. Seit Anfang der Neunziger spielt sie vor allem in Fernseh-Unterhaltungsfilmen und -serien. 2008 übernahm sie die Rolle als Ermittlerin Eva Saalfeld im „Tatort“ aus Leipzig. Seit 2011 spielt sie die Dorfhelferin Katja Baumann in der ZDF-Reihe über das Dorf „Frühling“. Aus Thomallas Ehe mit dem Schauspieler André Vetters ging Tochter Sophia hervor, die ebenfalls Schauspielerin ist.

Neun Jahre lang lebte Simone Thomalla mit dem damaligen Fußball-Manager Rudi Assauer zusammen, inzwischen ist sie mit Handball-Torwart Silvio Heinevetter liiert. Das Paar lebt in Berlin. „Frühlingsgefühle“, die neueste Episode aus der „Frühlings“-Reihe, läuft am Sonntag, 24. Februar, um 20:15 Uhr im ZDF.

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