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Magier von „Siegfried und Roy“ : Siegfried Fischbacher ist tot

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Sie begeisterten Millionen: Die Shows von „Siegfried und Roy“ erfreuten sich jahrelang großer Beliebtheit. Während Roy als Dompteur und Akrobat auftrat, übernahm Siegfried die Rolle des Zauberers und Tüftlers. Fischbacher sagte dazu einst: „Im Showbusiness musst du nicht gut, du musst anders sein. Roy machte den Unterschied.“ Bild: dpa

Jahrzehntelang war Siegfried Fischbacher mit seinem Partner Roy Horn erfolgreich als Magierpaar „Siegfried und Roy“ in der Welt unterwegs. Am Mittwoch ist der Rosenheimer im Alter von 81 Jahren seinem Krebsleiden erlegen.

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          Einen seiner letzten Auftritte hatte Siegfried Fischbacher vor knapp fünf Monaten. Mit Fönfrisur, royalblauem Jackett und Showpose eröffnete der gebürtige Rosenheimer, der Blonde von „Siegfried & Roy“, damals die nach dem Magierduo benannte Straße am Sunset Strip in Las Vegas. Im Hotel Mirage, zu dem der Siegfried & Roy Drive nun führt, hatte das Illusionistenpaar aus Deutschland seine größten Erfolge gefeiert – und galt mit seinen weißen Tigern fast 13 Jahre lang als Hauptattraktion der Spielerstadt.

          „Las Vegas hat Roy und mir immer sehr viel bedeutet. Wenn er heute hier sein könnte, wäre er genauso gerührt wie ich, unsere Namen hier wiederzufinden“, erinnerte Fischbacher bei der Straßenbenennung Ende August an Roy Horn. Der Entertainer und Dompteur, der als Uwe Ludwig Horn 1944 in Nordenham bei Bremen geboren wurde, war drei Monate zuvor nach einer Infektion mit dem Coronavirus in seiner amerikanischen Wahlheimat verstorben.

          Ein Publikumsmagnet

          Der gut fünf Jahre ältere Fischbacher und Horn hatten sich Ende der Sechziger in Las Vegas niedergelassen. Nach Jahren auf Kreuzfahrtschiffen, Horn als Page, Fischbacher als Entertainer, wollten sie sich in der Wüstenstadt beweisen. Fischbacher, der im Rosenheimer Stadtteil Kastenau aufwuchs, hatte sich schon als Kind an Zaubertricks geübt. Wie immer wieder berichtet wurde, soll er mit den Showeinlagen versucht haben, die Aufmerksamkeit seines aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Vaters zu bekommen. Nach einer Ausbildung als Weber zog Fischbacher Mitte der fünfziger Jahre nach Italien, um in Hotels Touristen zu unterhalten. Auf einem der Kreuzfahrtschiffe, auf denen er später gastierte, lernte er im Jahr 1960 Horn kennen.

          Die Illusionen mit Raubkatzen und Flamingos, mit denen „Siegfried & Roy“ schon in Bremen, Paris und auch schon 1966 in Monte Carlo bei einer Benefizveranstaltung der damaligen Fürstin Gracia Patricia für das Rote Kreuz aufgetreten waren, begeisterten bald auch das amerikanische Publikum. Den Engagements in Hotels wie New Frontier und Stardust folgte im Jahr 1989 ein Vertrag mit dem Hotelier Steve Wynn, der das Mirage Ende der Achtziger für 630 Millionen Dollar bauen ließ. Bei dem Versuch, die für käuflichen Sex und Glücksspiel bekannte Wüstenstadt familienfreundlicher zu machen, setzte der umtriebige Geschäftsmann auf Unterhaltung für mehrere Generationen. „Siegfried & Roy“ mit ihren weißen Tigern und Löwen schienen ideal, um Wynns Mirage, zu dem ein eigens für die beiden Magier errichtetes Theater gehörte, zu einem Publikumsmagneten zu machen.

          Von 1990 an zogen die beiden täglich einige tausend Besucher vor die Bühne des Hoteltheaters. Optische Täuschungen, Showeinlagen und die Harmonie zwischen Raubkatzen und Mensch verkauften etwa zehn Millionen Tickets. Die Gesellschaft Amerikanischer Zauberkünstler nahm die Illusionisten in ihre „Hall of Fame“ auf, der Magische Zirkel von Deutschland ehrte sie im Jahr 2004 mit dem Titel „Magier des Jahrhunderts“. Insgesamt absolvierte das Illusionistenpaar fast 44.000 Auftritte.

          Am Abend von Horns 59. Geburtstag, dem 3. Oktober 2003, war die so erfolgreiche Show plötzlich zu Ende. Unter bis heute ungeklärten Umständen griff der Tiger Montecore den Illusionisten an. Vor den Augen der Zuschauer rammte das Tier Horn die Zähne in den Hals, bevor es seinen leblosen Körper von der Bühne schleifte. Horn überlebte, blieb aber halbseitig gelähmt. Bis zu seinem Tod im vergangenen Mai soll Fischbachers Partner unter ständigen Schmerzen gelitten haben. Obwohl die Bühnenkarriere von „Siegfried & Roy“ damit beendet war, blieben sie in Las Vegas. Ihr Anwesen „Little Bavaria“ zog immer wieder Fans an, die hofften, den Magiern vielleicht zufällig zu begegnen. Nach Horns Tod vor acht Monaten soll Fischbacher das Anwesen aber nur noch selten verlassen haben.

          Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass der Zauberkünstler an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war. Wie die „Bild“- Zeitung meldete, soll Fischbacher schon im Dezember bei einer zwölf Stunden langen Operation ein Tumor entfernt worden sein. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde er in seinem Anwesen „Little Bavaria“ von zwei Hospizschwestern gepflegt. Im Alter von 81 Jahren ist Siegfried Fischbacher dort am Mittwoch gestorben.

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