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Sibel Kekilli im Gespräch : „Ich zweifle immer an mir“

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Die Szenen mit erotischem Inhalt – auch mit Ihnen – sind zumindest für das prüde amerikanische Fernsehpublikum harter Stoff.

Aber in „Sex and the City“ oder bei den „Sopranos“ gab es doch auch viele erotische Szenen. Warum regt sich niemand über die Gewalt und das viele Blut in „Game of Thrones“ auf? Abgesehen davon ist Shae nur einmal kurz topless zu sehen.

In der englischsprachigen Originalfassung haben Sie einen interessanten exotischen Akzent, ein bisschen Italienisch dabei, aber alles sehr gut zu verstehen. War es schwierig, sich dieses Englisch anzutrainieren? Sie haben ja am Set einen Sprachcoach gehabt.

Da machen Sie mir ein großes Kompliment. Manche Kollegen haben ja einen ganz starken schottischen Akzent, schwer zu verstehen. Aber am Set gibt es einen ganz tollen Coach, Sally. Sie übt dann per Skype mit mir vorher ein paar Wörter. Das hat schon sehr viel geholfen.

Vorher sprachen Sie Schulenglisch? Oder hatten Sie schon Erfahrung mit englischsprachigen Rollen?

Nein, höchstens ein paar Mini-Auftritte mit ein paar englischen Sätzen, etwa bei einem Dreh in Finnland. Aber ich höre schon den Unterschied zu damals und dass es viel besser wird. Ich habe immer nur Schulenglisch gehabt. Learning by doing.

Haben es deutschsprachige Schauspieler nach dem Erfolg von Christoph Waltz in den beiden Tarantino-Filmen und Ihrer Rolle in „Game of Thrones“ jetzt leichter, für internationale Großproduktionen gebucht zu werden?

Das finde ich sehr nett, dass Sie mich mit Christoph Waltz vergleichen. Ich finde ihn ganz toll. (Lacht.) Aber ernsthaft: Ich bin da sehr realistisch. Die Serie ist international und in Amerika sehr hoch eingestiegen, so dass man sich fragt: Was kann danach noch kommen? Da bin ich offen. Wenn danach ein schöner Independent-Film kommt, würde ich das gerne machen. Aber ich glaube, weder für mich noch für andere Schauspieler ist es einfach, überhaupt in Amerika interessante Rollen zu kriegen. Ich glaube nicht, dass Amerika auf eine deutsche Schauspielerin wartet.

Würden Sie denn gerne in einem Film George Clooney küssen?

(Zögert.) Es wäre jetzt kokett, nein zu sagen. Aber deswegen allein würde ich die Rolle in einem Film mit ihm nicht annehmen. (Lacht.)

In „Game of Thrones“ gibt es ja ein paar Frauenfiguren, die genauso brutal und intrigant sind wie ihre männlichen Gegenparts. Sie dagegen sind als Shae eine durchweg sympathische Figur, die von den Zuschauern gemocht wird.

(Lacht.) Vielen Dank.

Werden Sie auch böse Dinge tun?

Das ist jetzt eine Spoilerfrage. Sagen wir mal so: Auch in der vierten Staffel werden böse Menschen zu guten und gute zu bösen werden. Es gibt kein Schwarz oder Weiß, sondern auch Grau. Und es gibt Momente, wo man versteht, wenn Menschen aus Verzweiflung schlimme Dinge tun. Und ich finde, auch bei Shae gibt es eine Entwicklung. Am Anfang hat sie nur ihren Job als Kurtisane getan, nun ist es ehrliche Liebe. Und ja – lassen Sie sich überraschen.

Als Geliebte von Tyrion Lannister haben Sie in „Game of Thrones“ ja die interessanteste und anrührendste Liebesgeschichte der Serie.

Danke. Sie und ich werden, glaube ich, beste Freunde. (Lacht.)

Mit Peter Dinklage, dem kleinwüchsigen Darsteller, der Lannister spielt, sind Sie inzwischen gut befreundet. Was ist das Besondere an ihm?

Ich glaube, dass er es auch als Mensch nicht leicht hatte im Leben. Er ist ein sehr scharf beobachtender Mensch. Er hat einen sehr intelligenten Humor. Sehr selbstironisch, sehr geerdet. Ein Mensch, der keine Vorurteile hat gegenüber anderen Menschen. Das gibt es selten. Das liebe ich an ihm. Irgendwie berührt er mich. Menschen, die einen berühren, sind etwas ganz Besonderes.

Die Fragen stellte Thomas Holl.

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