https://www.faz.net/-gum-7ojtg

Sibel Kekilli im Gespräch : „Ich zweifle immer an mir“

  • Aktualisiert am

In dem Moment bin ich nie zufrieden. Ich bin sehr kritisch. Wenn ich mir heute „Gegen die Wand“ anschaue, sage ich mir: Nee, das hätte ich anders gemacht.

Sie gucken sich Ihre Filme nicht noch mal an?

Ich muss es leider einmal angucken, um zu wissen, wovon ich rede. Und vor allem, um zu sehen: Den Fehler hab ich gemacht und den auch. Ich schreibe es mir auf und analysiere, was kann ich beim nächsten Mal besser machen. Aber dann ist es mit der Selbstquälerei auch durch.

Sie waren sich nach diesem Riesenerfolg 2004 mit „Gegen die Wand“ ja lange Zeit nicht sicher, ob sie die Schauspielerei als Beruf ausüben wollen und können. Jetzt sind Sie sicher, das ist mein Ding, das kann und will ich machen bis 70 oder 80?

Das weiß ich leider nicht. Ich zweifle immer an mir.

Haben Sie Angst davor, dass Sie eine Durststrecke erleben und keine guten Rollenangebote mehr kommen, Sie nicht mehr gefragt sind?

Ich hatte auch in den vergangenen zehn Jahren Durststrecken. Zwischen „Gegen die Wand“ und „Die Fremde“. Deshalb habe ich auch auf der Bühne bei der Preisverleihung für „Die Fremde“ gesagt, ich möchte Arbeit. Ich hatte Angebote, aber die waren nicht das Richtige für mich. Natürlich schläft es sich besser, wenn man mal in guten und gutbezahlten Filmen mitspielen kann. Als Schauspielerin kann man aber trotzdem nie sicher sein. Und vor allem ist diese Branche eher männerfreundlich. Männer drehen einen Film nach dem anderen, Frauen nicht so sehr.

Apropos Sicherheit: Ein Markenzeichen von „Game of Thrones“ ist ja, dass Figuren, zu denen der Zuschauer Sympathien aufbaut, unvermittelt hingemetzelt werden. Haben Sie Angst um Ihr Leben?

Den Autor der Buchvorlage, George R. R. Martin, nervt es schon, dass ich ihm bei unseren Treffen immer sage: Bitte, bitte, überleg es dir gut, wenn du schreibst. Töte mich nicht! (Lacht.)

Und was sagt er?

Er lacht immer und sagt dann: Wenn du stirbst, kommst du als Zombie zurück.

Und wie findet Martin Ihre Darstellung der Shae?

Als wir uns das erste Mal getroffen haben, sagte er mir was ganz Tolles: „Sibel – your Shae is better than my Shae in the books.“

Haben Sie die Bücher inzwischen gelesen?

Nein. Weil ich wusste, dass sie die Figur der Shae ändern wollten, wollte ich mich nicht beeinflussen lassen.

Shae ist ja die exotische, geheimnisvolle Schönheit aus der Fremde, über deren Vergangenheit und Herkunft niemand etwas Genaues weiß. In einer Szene der dritten Staffel machen Sie dunkle Andeutungen. Wissen Sie eigentlich mehr über die Figur?

Ich find’s eigentlich gut, dass es so geheimnisvoll ist. Ich habe von den Regisseuren und Drehbuchautoren nichts gehört; ich habe mir so meine eigene Vita dazu gemacht.

Und wie sieht die aus?

Sag ich nicht. (Lacht.)

Aber wenn die Serie vorbei ist.

Ja, ja, wenn die Serie vorbei ist. Aber ich muss noch ein bisschen geheimnisvoll bleiben. Shae macht ja in der dritten Staffel schon Andeutungen, dass sie mit neun aufhören musste, Kind zu sein. Sie hatte kein einfaches Leben.

Vom „Tatort“ in die Welt von „Game of Thrones“ – wie ist für Sie der Wechsel in diese Mittelalter-Fantasy-Welt? Wie modern ist diese Serie?

„Game of Thrones“ ist deshalb so beliebt, weil man sich mit den Figuren und der Welt auch so identifizieren kann, trotz Mittelalter und Fantasy. Ich finde die Serie schon deshalb modern, weil die Frauenfiguren sehr weit vorne stehen. Auf derselben Stufe wie die Männer.

Aber Sie wünschen sich auch mehr nackte Männer in der Serie, habe ich gelesen.

Man hat mich auf einer Pressekonferenz in London gefragt: Würden Sie gerne mehr nackte Männer sehen? Ich habe dann als Witz gesagt, ich wünsche mir, Lord Varys zu sehen, den Eunuchen am Königshof. Keiner hat den Witz verstanden. (Lacht.) Aber die Serie basiert auf viel mehr als nackten Darstellern, sondern bildet alle Facetten des Lebens ab: Niedertracht, Eifersucht, Mut oder Loyalität.

Weitere Themen

Topmeldungen

Unterschiedliche Sicht: Prinz Harry (links) und Prinz William am 1. Juli bei der Enthüllung eines Denkmals zu Ehren ihrer Mutter, Prinzessin Diana, in London

Prinz Harrys Autobiographie : Die nächste Spitze

20 Millionen Dollar soll Prinz Harry für ein Buch angeboten bekommen haben. Die Ankündigung einer „intimen und tief gefühlten“ Autobiografie weckt Befürchtungen über neuen Zwist in der Königsfamilie.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.