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Sibel Kekilli im Gespräch : „Ich zweifle immer an mir“

  • Aktualisiert am

Werden Sie in anderen Ländern jetzt auf der Straße erkannt und angesprochen? Bekommen Sie jetzt mehr Fanpost?

Ja, aber nur wenn die Serie gerade läuft. In Istanbul ist mir dazu was Komisches passiert. Auf der Straße, im Taksim-Viertel, hat mich eine junge Amerikanerin als Shae angesprochen. Ich habe automatisch reagiert. Aber wie kann man mich unter hunderttausend Menschen ohne Kostüm erkennen? Und ein junger Deutscher, höchstens 20, der mich aus „Gegen die Wand“ wahrscheinlich nicht kennt, fragte mich auf der Straße: „Du bist doch die Shae?“

„Irgendwie berührt er mich“: Kekilli mit Peter Dinklage, der ihren Geliebten in „Game of Thrones“ spielt.
„Irgendwie berührt er mich“: Kekilli mit Peter Dinklage, der ihren Geliebten in „Game of Thrones“ spielt. : Bild: Sky

In Deutschland sind Sie durch die Rolle der Kommissarin Brandt im „Tatort“ ziemlich bekannt. Lange haben Sie sich ja beklagt, dass Sie auf die Rolle der Deutsch-Türkin festgelegt seien – was sich durch den „Tatort“ doch geändert hat, oder?

Ja. Ich kriege jetzt mehr deutsche Rollen als deutsch-türkische angeboten.

Lehnen Sie automatisch Angebote ab, in denen Sie eine Deutsch-Türkin spielen sollen?

Nein, ich habe ja meine wichtigsten Rollen meinen Auftritten in „Gegen die Wand“ und „Die Fremde“ zu verdanken. Nach diesen beiden Filmen hat man versucht, mich in eine Schublade zu stecken. Das wollte ich nicht. Da braucht es einen langen Atem. Aber ich habe ganz gut durchgehalten, glaube ich.

Es ist ja auch eine finanzielle Frage, das durchzuhalten.

Ja, das ist schwierig. Aber für mich war das wichtiger als das Geld. Aber jetzt durch die Rolle von Sarah Brandt bin ich wirklich deutscher. Doch viele Journalisten stellen auch nach drei Jahren „Tatort“ immer noch gerne die Frage, wer denn die Idee hatte, dass ich „Sarah Brandt“ heiße. Sie wollen wissen, warum ich unbedingt eine Deutsche spielen will; eine Deutsch-Türkin als Kommissarin wäre doch viel interessanter. Da habe ich gesagt: Dann ist ja jeder deutschsprachige Schauspieler nicht interessant genug. Das fand ich schon ein bisschen merkwürdig. Wieso muss ich das erklären? Allein wegen meines Namens. Der amerikanische Produzent und Drehbuchschreiber David Bennioff sagt mir immer wieder: „You are so German.“

Was ist denn das besonders Deutsche an Ihnen?

Ich bin sehr diszipliniert. Und sehr pünktlich. Das ist soo deutsch.

Sie haben ja keine klassische Schauspielausbildung; Sie sind für „Gegen die Wand“ auf der Straße entdeckt worden. Worauf verlassen Sie sich beim Schauspielen, wenn Sie es nicht gelernt haben? Holen Sie das mit Schauspielunterricht nach?

Nein, ich hatte ja schon bei „Gegen die Wand“ einen Coach. Und ich war vorher drei Wochen an der Bochumer Schauspielschule und habe dabei gemerkt, das verwirrt mich nur, das bringt mir nichts. Ich bin eine Bauchschauspielerin. Das kann aber auch ein Nachteil sein. Es gibt technische Schauspieler, die das Schauspielern gelernt haben. Aber es gibt manche, die meinen, man kann sich das alles aneignen. Diese Trennung zwischen Technik und Emotion. Ich merke es, wenn einer technisch weint.

Und?

Dann berührt es mich nicht. Wenn ich aus dem Bauch heraus spiele, habe ich die Technik nicht so. Ich bin eigentlich auf Regisseure angewiesen, die mich führen. Sie müssen mir meinen Freiraum lassen, aber mich auch führen. Es gibt welche, die sich nicht auf mich einlassen wollen oder können. Dann kann es sein, dass ich auch mal eine schlechte Leistung bringe und hinfalle. Wenn man mich führt, aber auch lässt, kann ich aber auch über mich hinauswachsen. Aber wenn ich Regisseure habe, die mich nicht führen, denke ich: Jetzt könnte ich eine gute Schauspieltechnik brauchen. Aber ich will es mir nicht völlig aneignen, weil ich Angst habe, dass ich dieses Bauchspielen völlig vergesse. Aber vielleicht ist es auch völliger Quatsch, was ich hier erzähle. (Lacht.)

Sind sie komplett zufrieden, wenn Sie eine gute Leistung abliefern?

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