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„Kampf gegen Krebs“ : Ärger über Journalisten führt zu riesiger Spendenaktion

  • -Aktualisiert am

Auf dem Image Board pr0gramm.com sind fast nur noch Screenshots von Überweisungen für die Krebshilfe zu sehen. Bild: Screenshot pr0gramm.com

Der amerikanische Journalist Brian Krebs bringt eine Online-Community gegen sich auf. Die sagt Krebs den Kampf an. Wie aus einem Shitstorm eine große Spendenaktion wurde.

          Hunderte Spenden mit Botschaften wie „Krebs ist Scheiße“ haben am Dienstag die Internetseite der Deutschen Krebshilfe zum Absturz gebracht. Mit der Nachricht richten sich die Spender nicht nur gegen die Krankheit, sondern auch gegen den Mann, der die groß angelegte Spendenaktion zu verantworten hat: Journalist und Sicherheitsexperte Brian Krebs – dabei ging es in dem Bericht, der das alles anstieß, gar nicht um die Krankheit, sondern um IT-Sicherheit.

          Das kam so: Der Amerikaner Brian Krebs erzürnte mit einem Bericht über die deutsche Plattform pr0gramm.com hunderte Nutzer. Die Internetseite ist ein Image Board, auf dem man Bilder hochladen und kommentieren kann. Plattform-Gründer Dominic Szablewski soll laut Krebs an der Entwicklung der Software Coinhive beteiligt gewesen sein. Coinhive kann auf Webseiten eingebaut und dazu missbraucht werden, die Rechnerleistung der Besucher zu nutzen und dadurch eine Kryptowährung abzubauen – verdeckt und ohne Einwilligung der Nutzer. In seinem Bericht veröffentlichte Krebs Namen und Wohnort der Betreiber von „pr0gramm“.

          Die reagierten mit einem Statement, in dem sie sich von Krebs' Artikel distanzierten. Der Journalist habe die Mitarbeiter bedroht und Unwahrheiten veröffentlicht. Die meisten Informationen in dem Text seien reine Fiktion. Dennoch müssten die nächsten Tage zeigen, wie es mit der Plattform weitergehe. „Finanziell oder beruflich ist keiner, der an „pr0gramm“ beteiligt ist, davon soweit abhängig, dass wir große Probleme bei einer Abschaltung hätten.“ Die Fans der Plattform allerdings umso mehr. Verantwortlich für die drohende Abschaltung machen sie Krebs.

          Ihre Abneigung machten die Nutzer zunächst mit Bildern und Memes deutlich, in denen Krebs beleidigt und beschimpft wurde. Nutzer „BassT87“ kehrte die Kampagne schließlich um: Er postete den Screenshot eines Spendenbelegs über 25 Euro an die Krebshilfe. „Ich hab den Rummel um Herrn Krebs mal zum Anlass genommen, meinen Teil gegen Krebs beizutragen. Vielleicht macht der ein oder andere es ja (statt dem drölftausendsten Meme) ja nach...“

          „BassT87“ brachte den Stein ins Rollen. Hunderte machten es ihm nach und spendeten Beträge im zweistelligen Bereich. Die Webseite pr0gramm.com ist gepflastert mit Screenshots von Spendenbelegen. Unter dem Ansturm brach die Seite der Deutschen Krebshilfe schließlich zusammen. Bis Dienstagabend waren im Rahmen der Aktion 103.000 Euro eingegangen, wie die Krebshilfe in einem Statement mitteilte. Über 4100 Menschen hatten gespendet. Für die Nutzer ein deutliches Signal, ein Zeichen im „Kampf gegen Krebs“ gesetzt zu haben.

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