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Wasserpfeifen-Trend : Im Qualm von Blaubeer-Minze

  • -Aktualisiert am

Von wegen Männercafé: Larissa (links) und Ana Maria in der Shisha-Bar „Shishantash“ in Frankfurt Bild: Junker, Patrick

Der Wasserpfeifen-Boom in Deutschland ist ungebrochen. Neue Shisha-Bars wollen weniger orientalisch sein – sondern urban, modern und kosmopolitisch.

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          Im Vorbeilaufen schnappt man den streng-süßlichen Geruch auf, der nach draußen dringt. In den halbdunklen Cafés mit blauem bis violettem Neonlicht stehen Kunststoffbänke oder schwarz-braune Ledersessel. Wenn es warm wird, sind Fenster und Türen geöffnet, und einige Gäste sitzen draußen. Die Männer tragen viel Schwarz, Kappen und Bomberjacken von Alpha Industries. Die Frauen, stark geschminkt, erinnern in Jeggings, dazu Sneakers oder High Heels, an Kylie Jenner. Es läuft Hip-Hop oder R-’n’-B-Musik.

          Oft bleibt es beim Vorbeigehen. Nur selten traut sich hinein, wer keinen Migrationshintergrund hat, auch wenn er die Shisha aus dem Ägypten- oder Türkei-Urlaub kennt. Meist sind die Gäste junge Deutsche mit ausländischen Wurzeln oder Migranten. Die Wasserpfeifen-Bars sind seit Jahren ihr Terrain. „Lass mal Shisha“ – so heißt im migrantisch-deutschen Slang die Frage oder besser die Aufforderung an die Freunde per Whatsapp, eine Wasserpfeife rauchen zu gehen.

          Doch die Shisha-Gastronomie wird vielfältiger, und viele Bars sind längst nicht mehr nur Männercafés. Ihr Publikum wird kosmopolitischer. Studentengruppen treffen sich nach den Seminaren. Auch Rechtsanwälte und Bankberater entspannen bei einer Wasserpfeife.

          Über die Türkei kam die Shisha nach Deutschland

          Einst fand die Shisha ihren Weg aus Indien im 16. Jahrhundert in das Osmanische Reich. Von dort aus gelangte sie in die arabische Welt, wo sie ihren festen Platz in der Alltagskultur hat. Das Wort „Shisha“ stammt aus dem Persischen – „shishe“ bedeutet übersetzt „Flasche“ und bezeichnet neben „Nargile“ in der Türkei und den arabischen Ländern die Wasserpfeife. Über die Türkei kam die Shisha nach Deutschland. Die Vielfalt der Aromen reicht heute von Apfel über Schokolade bis hin zu Fanta. Es gibt keine Statistik über Shisha-Bars in Deutschland, aber allein in Berlin sollen es mehr als 110 sein. Tendenz steigend.

          „Es gibt ja dieses typische Bild von Shisha-Bars, in denen nur Türken oder Araber sitzen. Aber das ist schon lange nicht mehr so“, sagt Mutlu Karaoglan, Betreiber des „Shishantash“, einer modernen Shisha-Bar in Frankfurt. Zu seinen Gästen zählt er Vorstandsmitglieder deutscher Banken, Dirigenten und überhaupt Menschen jeglicher Herkunft. Der Schauspieler Moritz Bleibtreu hat hier im vergangenen Herbst für einen Kinofilm gedreht.

          Karaoglan, gelernter Einzelhandelskaufmann, eröffnete seine Bar 2007, nachdem er im Istanbul-Urlaub in einem Café mit Blick auf den Bosporus bei einer Wasserpfeife entspannt hatte. „Die Deutschen wollen Shisha rauchen wie wir“, sagt er. „Aber sie trauen sich nicht hinein.“ Ein mono-ethnisches Publikum schrecke sie ab. „Ich kann es verstehen. Deshalb muss man eine gesunde Mischung herstellen.“

          „Es herrschen viele Vorurteile gegenüber Shisha-Bars“

          Der 28 Jahre alte Ertun Kartal sieht das anders. Erst kürzlich hat er sein zweites Café eröffnet, eine Mischung aus Restaurant, Shisha-Bar und Beach-Club in Hanau. Seine „Suare Lounge“ in Offenbach ist seit 2015 ein beliebter Treffpunkt zwischen türkischen Männercafés und griechischen Restaurants. Sein Publikum beschreibt Kartal als „Multikulti“: „Du wirst aber ganz selten einen Deutschen über 50 eine Shisha rauchen sehen. Ist nicht ihr Milieu. Ich gehe auch nicht ins Hofbräuhaus.

          Die Musikrichtung passt nicht, die Klientel passt nicht, die Shisha passt nicht. Aber wir wollen im Sommer hier in Hanau mit dem Beach-Club auch die Spaziergänger ansprechen, die mit ihren Hunden Gassi gehen und für ein Bier bei uns vorbeischauen können.“ Während der Umbauarbeiten bekam er öfter Besuch von Polizisten. Anwohner hätten sich besorgt darüber gezeigt, was dort vor sich gehe: ausländische junge Männer, viele Autos, vielleicht Drogen? Kartal lacht darüber.

          „Es herrschen viele Vorurteile gegenüber Shisha-Bars“, sagt auch Mutlu Karaoglan. „Viele glauben, dass die meisten Inhaber Geldwäsche betreiben oder es zu Schlägereien kommt.“ Aber er möchte keine Kriminellen in seiner Bar. „Das ist imageschädigend. Und wenn solche Leute kommen, hat man auch die Polizei da.“

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