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Die neue „Runter vom Gas“-Aktion sorgt für mächtig Kritik. Bild: dpa

Scheuer verteidigt Kampagne : „Das gab es noch nie“

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Die Kritik an der freizügigen Fahrradhelm-Kampagne des Verkehsministeriums reißt nicht ab. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ist nicht überzeugt. Doch Minister Scheuer findet die Aufregung positiv.

          Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat die Fahrradhelm-Kampagne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mit leicht bekleideten Models heftig kritisiert. „Viele Menschen ärgern sich über so eine Kampagne, viele Menschen fühlen sich überhaupt nicht ernst genommen“, sagte ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork am Montag in Berlin vor Beratungen einer Arbeitsgruppe für mehr Klimaschutz im Verkehr. Es gebe viele Themen, um die sich Scheuer kümmern müsse, zum Beispiel mehr Verkehrssicherheit und das Vermeiden und Verhindern von Unfällen. „Da hätte Herr Scheuer viel zu tun, aber stattdessen kümmert er sich um alberne Kampagnen“, sagte Stork.

          Scheuer sieht die Aufregung über die Kampagne positiv. Er freue sich, dass sie von Werbeprofis gut aufgenommen und als mutig bezeichnet werde, sagte der CSU-Politiker am Rande einer gemeinsamen Sitzung der Spitzen von CDU und CSU zum Europawahlprogramm der Union in Berlin. „Da ist das Ziel nämlich schon erreicht, wenn über eine Kampagne diskutiert wird.“ Es tue ihm leid, wenn sich jemand von der Kampagne verletzt fühle. Auf Twitter schrieb Scheuer: „Das gab es noch nie: In ganz Europa wird jetzt über Fahrradhelme diskutiert. Klar ist: Nur acht Prozent der jungen Radfahrer tragen Helm. Klar ist auch: Helme schützen vor schweren Kopfverletzungen und retten Leben.“

          Nimmt die Kampagne „sex sells“ ironisch aufs Korn?

          Das Verkehrsministerium will mit der Kampagne, die auch Videos umfasst, vor allem junge Menschen zum Tragen eines Helms animieren. Sie trägt den Titel: „Looks like shit. But saves my life.“ – auf deutsch: „Sieht scheiße aus. Aber rettet mein Leben.“ Dabei ist unter anderem „Germany’s Next Topmodel“-Kandidatin Alicija. In den sozialen Netzwerken gab es neben Verständnis viele ironische Kommentare, manche User bewerteten die Aktion als „peinlich“ oder „sexistisch“.

          Zu dieser Diskussion äußerte sich nun auch Lars Rademacher, Vorsitzender des Deutschen Rates für Public Relations: „Die Darstellungen sind nur dann als sexistisch zu bewerten, wenn man auch Unterwäschemodels von H&M an Citylight Postern für sexistisch hält. Ich meine, das Gegenteil ist sogar der Fall. Denn – und das gefällt mir am besten – die Kampagne nimmt auf wunderbar subtile Weise, die viel zu oft wiederholte Binsenweisheit „Sex sells“ ironisch aufs Korn und führt sie als Nonsens vor.“ Die Kampagne sei deshalb so spannend, da sie mit der Diskrepanz von ästhetischen Körperdarstellungen und Ernsthaftigkeit spiele. Durch die Brechung der Erwartungen avanciert diese laut Rademacher zur “gelungenen Informationskampagne“.

          Radfahrer und ihre Verbände fordern seit langem etwa mehr Tempo-30-Zonen, Abbiegeassistenten für Lastwagen und besser geschützte Radwege für mehr Verkehrssicherheit.

          Die Plakataktion soll am Dienstag starten. Die Kampagne wird vom Verkehrsministerium und vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) unterstützt und kostet den Angaben zufolge 400.000 Euro. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte, man wolle mit der Kampagne „aufrütteln und polarisieren“.

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