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Sexismus im Joballtag : „Ist diese Bluse nicht zu warm?“

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

Vor allem in der Gastronomie müssen Frauen häufig sexistische Äußerungen über sich ergehen lassen. Dabei spielt weder die Art der Veranstaltung noch die Herkunft der Männer eine Rolle. Ein Erfahrungsbericht.

          3 Min.

          Einmal Gastro, immer Gastro. Seit dem zweiten Semester verdiene ich mein Geld neben dem Studium hauptsächlich im Service. Vom Restaurant zum Oktoberfest, von der Hochzeit zum Festzelt und am nächsten Tag das Edel-Bankett: Ich arbeitete schon fast überall. In den vergangenen Jahren begegnete ich Männern, die ganz offen sexistisch waren und solchen, die es vielleicht gar nicht so meinten – sich aber trotzdem so verhielten.

          Bei meinem ersten Job in einer Studentenstadt kellnerte ich in einer Bar. Mit den Sprüchen von halbstarken Kommilitonen konnte ich immer gut umgehen, die meisten waren ernsthafte Flirtversuche. Doch je mehr Veranstaltungen ich erlebte, je mehr verschiedene Gäste ich bediente, desto weniger konnte ich die Sprüche einordnen. Warum nennt mich ein Mann, der mein Vater sein könnte, „süße Maus“ ? Warum sagt ein anderer im gleichen Alter zu meiner Kollegin und mir: „Ihr zwei könntet ja auch Playboy-Bunnies sein! Ich hab 'ne Hütte in den Alpen. Ihr könnt ja mal mitkommen zum Skifahren“ ?

          Von Maßkrug zu Maßkrug hemmungsloser

          Ein Phänomen der besonderen Art sind grölende, betrunkene Männergruppen. Auf einer Oktoberfestveranstaltung konnten meine Gäste wirklich jedes Klischee erfüllen: Eine Gruppe von 15 Leuten im VIP-Bereich, hauptsächlich Männer,  nur drei Frauen. Jedes Mal am Tisch angekommen, kam ein Spruch oder eine Bemerkung. Gleich zu Beginn rief einer der Männer begeistert: „Ey guckt mal, wir haben eine hübsche Kellnerin! Geil!“ Der andere pfiff mir zu. Die Sprüche wurden von Maßkrug zu Maßkrug hemmungsloser: „Ist diese Bluse nicht zu warm? Ich mein ja nur, ich an deiner Stelle hätte das schon aus“ oder „Guck mal der hier, wär' der nicht was für dich? Der beißt auch nicht!“ Der Mann, auf den gezeigt wurde, war ungefähr Mitte vierzig.

          Zwei meiner Gäste nannten mich nach einiger Zeit nur noch „die süße Bierfee“. Ich zeigte auf mein Namensschild: „Guck mal, lies das mal vor. Miriam – ich habe einen Namen und der ist Miriam, nicht Bierfee!“ Ich lachte dabei, es durfte ja nicht zu unfreundlich wirken. Mit solchen Bemerkungen versuche ich freundlich, aber mit Nachdruck, meine Grenzen deutlich zu machen.

          Im Laufe des Abends bildete sich ein Bierfleck auf meiner weißen Bluse, der sie an einer unglücklichen Stelle durchsichtig machte. Zurück bei meinen Gästen, versuchte ich, die Stelle mit meinen Armen zu verstecken. Ohne Erfolg: „Oho, da ist aber ein Missgeschick passiert. Na ja, nicht so schlimm – für uns zumindest!“ Grölendes Gelächter, auch die Frauen lachten mit und schlugen dabei ihren noch lauter lachenden Männern halbherzig-empört auf den Arm. „Langsam reicht es aber! Wenn ihr so weiter macht, kriegt ihr von mir kein Bier mehr“, entgegnete ich dem Mann halb lachend und mit dem Zeigefinger wedelnd. Es waren ja VIP-Gäste, weshalb ich Angst hatte, zu deutlich zu werden. Zwischen Betrunkenen und lauter Musik funktionierte das. Die Männer lachten und hielten sich danach zurück.

          Sexismus hat nichts mit Bildung zu tun

          Doch so kann man nicht auf jeder Veranstaltung reagieren. Wie verhält man sich auf einer Gala mit Fünf-Gänge-Menü und Pianomusik? Auch dort gibt es Männer, die sich nicht weniger sexistisch verhalten, als ein grölender Oktoberfestbesucher. Sexismus hat nichts mit Bildung zu tun. Ein Mann in Anzug auf einem schicken Bankett sagte einmal zu mir: „Wenn der Wein so gut schmeckt, wie Sie aussehen, dann ist er eine gute Wahl.“ Der einzige Unterschied zum Oktoberfest war, dass ich gesiezt wurde. Dass damit kein Respekt einherging, zeigte sich wenig später: „Sie sind doch viel zu süß für diesen Job, so ein kleines Persönchen. Wäre nicht ein Bürojob besser?“

          Nach meiner Erfahrung hat keiner dieser Männer ernsthaftes Interesse an mir – egal ob Festzelt oder Gala. Viele sind verheiratet und nicht selten mit ihren Frauen vor Ort. Die Männer lassen beispielsweise an der Theke einen Spruch ab, amüsieren sich selbst darüber und gehen wieder. In Männergruppen wird ein sexistischer Witz auf meine Kosten gemacht und sich wieder abgewandt. Fast keiner fragt nach meiner Handynummer oder wann ich Feierabend habe. Dahinter steckt also etwas anderes, vielleicht das Gefühl der Überlegenheit. Das eigene Ego, was gepusht werden soll. Bei Männergruppen spielt mit Sicherheit auch eine Rolle, sich vor anderen zu beweisen oder der Witzige sein zu wollen. Zu meinem Glück wurde ich noch nie angefasst. Von Kolleginnen weiß ich, dass nicht jede solches Glück hat.

          Sexismus findet man in der Dienstleistungsbranche überall – auch bei Veranstaltern. Mal wird von einem Veranstalter gewünscht, dass die Kellnerinnen roten Lippenstift tragen. Mal werde ich als Frau darauf hingewiesen, dass man die Konturen meines BHs unter der Bluse sieht, während neben mir deutlich die Brustwarzen meines Kollegen durchscheinen. Als ich noch recht neu in einer Firma arbeitete, wurde ich als unerfahrene Kellnerin dem VIP-Bereich zugeordnet, meistens ein sehr undankbarer und anstrengender Bereich. Als ich später einen Kollegen darauf ansprach, entgegnete der: „Was denkst du denn, warum. Du bist halt hübsch.“

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