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Selbstkritik wegen Rüpel-Touristen : Chinas umstrittene Pinkel-Pandas

  • -Aktualisiert am

Wer drängelt denn hier? Screenshot aus dem Panda-Video des chinesischen Staatsfernsehens CCTV Bild: DDB China/CCTV

Pandabären im Urlaub drängeln, schmeißen Müll in den Park und pinkeln in der Öffentlichkeit: Mit diesem bizarren Video wollte Chinas Staatsfernsehen die Landsleute zu guten Touristen erziehen. Doch nicht jeder verstand die ungewohnte Selbstironie.

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          Der Panda als chinesisches Nationalmaskottchen hat auch schon mal eine bessere Figur abgegeben: In einem Spot, der Ende September im chinesischen Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde, machen die schwarzweißen Bären als rüpelhafte Alptraum-Touristen Sydney unsicher. Sie schubsen, fläzen sich auf Parkbänken und erleichtern sich in aller Öffentlichkeit. Am Ende der Ratschlag an die Zuschauer: "Die ganze Welt schaut zu. Sei ein guter Tourist!"

          Mit dieser ungewöhnlichen Kampagne ging Staatssender CCTV Ende September, kurz vor der Hauptreisezeit zu Chinas "Goldener Woche", eine peinliche Problematik frontal an: Mehr und mehr Chinesen machen sich als Touristen auf zu Zielen wie Sydney oder nach Europa, doch einige fallen wegen schlechter Manieren im Ausland extrem negativ auf.

          In besserer Bildqualität, auf Chinesisch und ohne Pinkel-Szene steht das Video auch auf der chinesischen Videoseite Youku.

          Schlechter Eindruck im Ausland

          Für alle Beispiele, die das Video anprangert, finden sich in den Medien entsprechende Berichte aus dem letzten Jahr. Vor allem in Taiwan und Hongkong regen viele Bewohner sich auf über ungehobelte Touristenhorden aus der Volksrepublik, die in Massen, großspurig und vor allem laut auftreten. Berichte etwa über chinesische Eltern, die ihre Kinder in aller Öffentlichkeit und selbst in der Flugzeugkabine ihr großes Geschäft verrichten lassen, gelten dann als Beleg dafür, dass "die Chinesen" halt doch nicht so zivilisiert seien, wie sie sich gern darstellten.

          Kein Wunder, dass Chinas Regierung Handlungsbedarf erkannt hat. Sogar ein neues Tourismusgesetz wurde erlassen, nach dem Chinesen auf Auslandsreise „die Normen des zivilisierten touristischen Verhaltens“ zu befolgen haben. Weil das wohl doch etwas vage gehalten ist, folgen nun Kampagnen wie das Panda-Video.

          Reaktion in China gespalten

          Die Reaktionen im Netz fielen nach der Ausstrahlung sehr unterschiedlich aus, berichtet das Wall Street Journal: Einige waren erbost, dass CCTV wegen einer Minderheit der Touristen das Ansehen der Chinesen beschmutzt habe. Andere sorgten sich eher ums Image der Pandabären: Die könnten doch nichts dafür, wenn Touristen sich schlecht benehmen. Und wieder andere fanden, solche Kampagnen seien leider bitter nötig: "Die Chinesen konsumieren jetzt mehr, aber sie verlieren dabei ihren Charakter."

          Zumindest die Pinkel-Szene hat es mit der Selbstironie wohl übertrieben: In einer Version des Videos, die von der Agentur DDB offiziell ins Netz gestellt wurde, findet sich sich nicht mehr.

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