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Selbstbetreuung : Mit Mama allein zu Haus

Einfühlsam oder egoistisch? Mutter Frida ist den ganzen Tag mit ihren Kindern zusammen. Bild: privat

Es gibt immer mehr Mütter, die ihre Kinder nicht in den Kindergarten geben, weil sie damit ein besseres Gefühl haben. Schadet das den Kindern? Hausbesuch bei einer Selbstbetreuerin.

          Eigentlich wollte Frida es machen wie die meisten Eltern. Als ihre Tochter drei Jahre alt wurde, sollte sie in einen Kindergarten gehen, jeden Tag im Morgenkreis sitzen, basteln und singen, Freundinnen finden und mit ihrer Gruppe an St. Martin mit der Laterne durch die Stadt laufen. Aber dann kam es anders.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Frida ist 33 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Sie sitzt am Esstisch und trinkt Kaffee mit Sojamilch. In ihrem Mama-Blog „2kindchaos“ nennt sie ihre Kinder „Peanut“ und „Little Pea“, auch „Frida“ ist ein Künstlername. In dem Blog beschreibt sie, wie sie täglich versuche, in dem Familienchaos ihren Humor zu behalten. Es sind mal lustige, mal besinnliche Posts. An einem Tag erzählt sie, wie erschöpft sie ist, dann gibt sie Tipps, was man mit Kindern alles machen kann. Ihr Markenzeichen? Tattoos und „immer ein paar Katzenhaare oder Spuckflecken auf der Kleidung“. Eine ganz normale Mutter also, aber eine, die sich rechtfertigen muss.

          Peanut, die eigentlich anders heißt und dreieinhalb Jahre alt ist, sei von Anfang an ein anhängliches Kind gewesen, erzählt Frida. Es sei schon immer schwierig für sie gewesen, sich von Mama zu trennen. Im Kindergarten versprach man Frida, auf eine individuelle Eingewöhnung zu achten. Doch „war da sehr schnell sehr viel Druck da“. Schon am zweiten Tag drängte man sie, zu gehen und die Tochter allein zu lassen, obwohl sie spürte, dass die Zeit noch nicht reif war. Ihre Tochter schrie, als sie fortging. Und sie schrie so lange weiter, bis die Erzieherinnen Frida anriefen: Sie müsse schnell zurückkommen. So ging es täglich weiter: Frida ging, Peanut schrie – und hörte nicht mehr auf.

          Eingewöhnung braucht Zeit

          Schließlich brach Frida die Eingewöhnung ab und schaute sich nach einem anderen Kindergarten um. Dort klappte es zunächst gut, man ließ sich Zeit mit der Eingewöhnung. Peanut hatte eine Eins-zu-eins-Betreuung und verbrachte viel Zeit auf dem Schoß der Erzieherin. Zwei Wochen ging es gut, dann, so erzählt Frida, war das Kind auf sich gestellt und hatte keine Erzieherin mehr als feste Bezugsperson.

          Frida glaubt, dass ihr Kind damals schlicht überfordert war, denn es war außer sich, wenn sie es abholte, blieb den ganzen Nachmittag unleidlich, wachte bis zu zwanzigmal in der Nacht auf, bekam Panikattacken und wollte nicht mehr in den Kindergarten. Frida beruhigte ihre Tochter und bestand im Kindergarten darauf, zunächst wieder dableiben zu können, bis ihre Tochter Vertrauen gefasst habe. Doch dann, sagt sie mit einem leichten Seufzer, fingen die Probleme an.

          Die Wochen im Kindergarten wurden zur Qual

          Frida nippt an ihrem Kaffee. Mit den Kindern und ihrem Freund wohnt sie in einer kleinen Wohnung in der Nähe von Frankfurt. Wenn sie über ihre Erfahrungen mit dem Kindergarten redet, bleibt sie sachlich. Sie habe keinen missionarischen Auftrag, beteuert sie, sie wolle nur erklären, warum sie sich letztlich dafür entschieden habe, ihre Tochter ohne Kindergarten aufwachsen zu lassen. „Ich wollte wirklich, dass sie ein ,normales‘ Kind ist, das im Kindergarten bleibt, ich wollte es beweisen.“

          Die Wochen im Kindergarten aber wurden zur Qual. Peanut fühlte sich zwar wohl, solange ihre Mutter da war, und spielte auch schon mal allein vor sich hin. Die Erzieherinnen aber zeigten Frida deutlich, was sie von ihr hielten. Sie belächelten sie, warfen ihr vor, eine Helikopter-Mutter oder „Curling Mom“ zu sein, die ihrem Kind alle Hindernisse aus dem Weg räumen wolle. Sie merkte, wie hinter ihrem Rücken getuschelt und sie schließlich wie ein Phantom behandelt wurde, das jeden Morgen im Kindergarten saß und von den Erzieherinnen ignoriert wurde. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich vor der Wahl stand: Soll ich mit meinen sämtlichen Grundsätzen brechen oder einen Schlussstrich ziehen?“ Sie entschied sich dafür, ihr Kind aus der Einrichtung zu nehmen.

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