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Selbstbetreuung : Mit Mama allein zu Haus

Emotionale Diskussion

Wie emotional das Thema Fremdbetreuung diskutiert wird, konnte man schon an der Debatte über das Betreuungsgeld ablesen. Der gesellschaftliche Druck steigt mit dem Ausbau der Krippen, denn es gibt kaum noch einen Grund, sein Kind nicht so früh wie möglich in eine Betreuung zu geben, um wieder arbeiten zu können. 32,7 Prozent der Kinder bis zwei Jahre in Deutschland sind derzeit in einer Betreuung, 92,9 Prozent sind es laut Statistischem Bundesamt bei den Drei- bis Fünfjährigen. Schon statistisch gesehen - mehr noch gesellschaftlich -, gelten Eltern als Außenseiter, wenn die Kinder zu Hause bleiben. Werden es die Kinder später auch sein?

Glückliche Beisammensein: „Peanut“ unterwegs mit Schwesterchen „Little Pea“.

Das Argument der Kritiker ist oft, dass sich Kinder ohne den Besuch einer Kita nicht gut entwickeln könnten. Ihnen fehlten die anderen Kinder und die Anregungen aus der Gruppe. Ihre sozialen Kompetenzen würden verkümmern, sie würden nicht genug gefördert und später den Anschluss an die anderen Kinder verpassen. Studien besagen bislang aber nur, dass dies bei Kindern aus bildungsfernen Haushalten der Fall ist. Der amerikanische Psychologe Elliot M. Tucker-Drob etwa fand in einer Studie mit Zwillingskindern heraus, dass Kinder, die bis zur Einschulung zu Hause betreut wurden, genauso fit waren wie die Kita-Kinder – vorausgesetzt, sie kamen aus bildungsnahen Haushalten.

„Nicht alle Kinder sind gleich“

Auch Frida hat sich während ihres Studiums mit dem Attachment Parenting beschäftigt. Während eines Praktikums in einer Krippe hatte sie das Gefühl, dass die Kinder dort funktionieren müssten, dass alles nach einem festen Plan laufe und nicht immer die individuellen Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt werden könnten, oft auch wegen mangelnden Personals. Kinder, die wie ihre Tochter ein „high need“-Kind seien, fielen dabei leicht unter den Tisch. „Nicht alle Kinder sind eben gleich.“ Sei ein Kind gut eingewöhnt und habe eine Bindung zu einer Erzieherin aufgebaut, heule das Kind zwar kurz, wenn die Mutter sich verabschiede, beruhige sich aber schnell wieder. Dafür fehle in den Einrichtungen aber oft die Zeit. „Wenn das Kind nicht mitmacht, heißt es oft: Das bockt nur.“

In ihrem Blog ermuntert Frida andere Mütter, „auf ihr Bauchgefühl zu hören. Und das kann auch sagen, dass das Kind gut aufgehoben ist in der Fremdbetreuung, das möchte ich keinem absprechen. Aber ich möchte mich dagegen aussprechen, dafür verurteilt zu werden, nur weil ich mich nicht der sogenannten Obrigkeit gebeugt habe, sondern auf mein Bauchgefühl gehört habe.“

Damit Peanut auch andere Kinder außer ihrer kleinen Schwester trifft, geht ihre Mutter mit ihr ins Kinderturnen und zur Musikschule oder trifft nachmittags ihre Freundinnen mit anderen Kindern. Eines Tages möchte sie wieder arbeiten, schließlich sei sie ja nicht aus Überzeugung Hausfrau, sondern sehr emanzipiert. Wie es für Peanut mal in der Schule sein wird? „Darüber denke ich viel nach. Vielleicht entscheiden wir uns für eine Freie Schule, mit Lernen ohne Angst und Druck.“ Und was ist mit Little Pea, Peanuts kleiner Schwester? „Mal sehen, vielleicht versuche ich es doch noch mal mit dem Kindergarten.“

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