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Selbstbetreuung : Mit Mama allein zu Haus

Entspannter Alltag

Seitdem ist Peanut zu Hause und das, was man ein vergnügtes Kind nennt. Es ist ein entspannter Alltag: Morgens können die Kinder ausschlafen, sich in Ruhe anziehen und frühstücken, „dann gehen wir raus auf den Spielplatz oder einkaufen“, erzählt die Mutter. Manchmal sei der Alltag auch anstrengend, das will sie nicht verhehlen, wenn die Kinder beispielsweise Entwicklungsschübe hätten, sei es schon sehr viel für sie, dann springe ihr Freund ein, oder ihre Mutter helfe schon mal aus. Doch für Frida ist die Situation gut so: „Wenig Geld, aber glücklich.“ Wenn da nicht die anderen wären.

Auf das Bauchgefühl hören: Frida ermuntert andere Mütter, sich auch die Alternative zur Fremdbetreuung anzuschauen.

Die anderen, die es besser wissen, die kritisch nachfragen, wenn Frida vormittags auf dem Spielplatz mit ihren Töchtern ist: „Was? Dein Kind geht nicht in den Kindergarten?“ Die sich dann abwenden, „weil sie mich für eine durchgeknallte Öko-Mama halten“. Oft fühlt Frida sich als Außenseiterin, als Freak, der seine Kinder nicht normal behandelt. Frida hat das Gefühl, dass die anderen Mütter teils so heftig reagierten, weil sie ihr eigenes Lebenskonzept in Frage gestellt sähen. Dabei tue sie das gar nicht. Wenn eine Mutter mit dem Kindergarten zufrieden ist, findet Frida das wunderbar.

Tatsächlich gibt es immer mehr Mütter, die ihre Kinder zu Hause betreuen und sich im Internet auf Portalen wie „kindergartenfrei.org“ oder „intuitiveltern.de“ organisieren. Sie nennen sich Selbstbetreuerinnen und sehen sich als eine „neue Generation Mütter“, die nicht als Heimchen am Herd verunglimpft werden wollen, die es schlicht lieben, „für ihre Kinder da zu sein“. Ihr Credo: „Kinderbetreuung ist Familiensache!“ Und: „Wir möchten andere Familien ermutigen, die kostbare Kindheit ihrer Kinder mitzuerleben und sie mitzugestalten.“

„Kinder haben zu ihren Erziehern nur eine Geschäftsbeziehung“

Auf kindergarten.org stehen 23 Argumente, warum es besser sei, die Kinder zu Hause zu behalten. Unter anderem wird behauptet: „Kinder haben zu ihren Erziehern nur eine Geschäftsbeziehung, zu ihren Eltern jedoch eine Liebesbeziehung. Eine Geschäftsbeziehung kann nie ein natürliches Sozialverhalten vermitteln wie eine Liebesbeziehung.“ Um das zu untermauern, berichten Erzieherinnen wie Laura aus Berlin von ihrer Arbeit: „Der Alltag im Kindergarten ist Stress pur für Groß und Klein. Als Mutter ist es manchmal schon schwierig, seinem Kind bedürfnisorientiert in allem gerecht zu werden; als Erzieher mit sieben oder mehr Kindern ist es schier unmöglich.“

Viele von den Müttern, die sich in diesen Netzwerken zusammenschließen, haben sich mit Bindungstheorien wie dem Attachment Parenting beschäftigt, bei dem die Mutter möglichst viel Zeit in enger körperlicher Nähe mit dem Kind verbringt und bei der eine Erziehung angestrebt wird, in der eine möglichst starke Bindung zu den Kindern aufgebaut wird und die Bedürfnisse der Kinder im Fokus stehen. Viele, die dieser Theorie folgen, tragen ihre Kinder im Tragetuch und installieren ein Familienbett, in dem alle gemeinsam schlafen. Es wird auch von „intensiver Mutterschaft“ gesprochen.

Übermütter also, die ihre Kinder überbehüten? Auf Facebook findet man durchaus Fundamentalisten, die mit dem Attachment Parenting so weit gehen, dass sie ihre Kinder nicht in eine Schule schicken möchten, weil sie glauben, dass ihre Kinder ohne freies Lernen als Spielball der Institutionen zugrunde gehen würden. Manche überlegen gar, ob sie auswandern, um ihre Kinder zu Hause unterrichten zu können. Aber auch diejenigen, die ihre Kinder aus einer Kita genommen haben, weil es zu wenige Erzieher dort gibt oder ihr Kind sich einfach nicht wohl fühlt, berichten von der breiten Ablehnung, die sie wegen ihrer Entscheidung aus ihrem Umfeld erfahren.

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