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Sean Spicer tanzt Salsa : Vom Weißen Haus auf die Tanzfläche

Neongrünes Rüschenhemd statt schwarzem Anzug: Sean Spencer vor seinem Auftritt bei „Dancing With The Stars“. Bild: AFP

Donald Trumps ehemaliger Pressesprecher Sean Spicer tanzt in einer amerikanischen Show um den Siegertitel. Doch die Teilnahme des Vaters „alternativer Fakten“ ist umstritten.

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          Vor einer bunt aufleuchtenden Treppe steht ein Mann zwischen palmenförmigen Neonleuchten und schlägt voller Elan auf Bongotrommeln, bevor er sich auf die vor ihm befindliche Tanzfläche begibt. Sein fluoreszierend gelbes Rüschenhemd leuchtet mit der Kulisse um die Wette, im Hintergrund läuft der Song „Spice up your life“ von den Spice Girls. Der Mann an den Bongos ist der breiten Masse weniger für seine schrillen Outfits als für seine in nüchtern schwarzen Anzügen gehaltenen Pressekonferenzen bekannt: Sean Spicer – der ehemalige Pressesprecher des Weißen Hauses – gab am 16. September sein Debüt bei der Tanzshow „Dancing with the Stars“, in der Prominente in Begleitung eines professionellen Tanzpartners gegeneinander antanzen.

          Am Ende der Showeinlage regnete es für Spicer jedoch nicht nur bunte Luftschlangen von der Studiodecke, sondern auch Kritik von der Jury. Die „seltsam unterhaltsame“ Performance Spicers konnte aufgrund seiner „einzementierten Hüften“ und seines fehlenden Rhythmusgefühls nur 12 von 30 möglichen Punkten erzielen, der ehemalige Basketballspieler und Juror Lamar Odom hatte für den Auftritt mit abschließendem Knierutscher von Spicer lediglich 11 Punkte übrig. Doch nicht nur von der Jury hagelte es Kritik.

          „Sean Spicer hat die amerikanische Bevölkerung belogen“

          Auch wenn die Teilnahme von politisch involvierten Personen in der amerikanischen Tanzshow kein Novum ist, ist die Showeinlage des ehemaligen Pressesprechers der Vereinigten Staaten umstritten: Der Auftritt Spicers würde die problematische Aspekte seiner lediglich sechsmonatigen und doch von großen Skandalen geprägten Amtszeit herunterspielen und normalisieren, heißt es in Vorwürfen an den verantwortlichen Fernsehsender ABC. Der Vorgänger von Anthony Scaramucci legte etwa nachweislich falsche Zahlen über das bei der Amtseinführung Trumps anwesende Publikum vor und sprach von Besucherrekorden, wohingegen sich auf der Fläche an der Westfront des Weißen Hauses weit weniger Menschen versammelten, als etwa bei der Amtseinführung Barack Obamas. Trumps politische Beraterin Kellyanne Conway verteidigte die Äußerungen Spicers als „alternative Fakten“ – ein Begriff, der um die Welt ging. Nachdem sich Spicer nun neben ehemaligen Reality-Show-Teilnehmern in einer Tanzshow einreihen darf, würde ihn Kritikern zufolge auf die selbe Ebene heben: die eines Stars.

          Auch das Democratic National Committee, die Organisation der Bundespartei der Demokraten, meldete sich nach Spicers Auftritt zu Wort: „Eine Erinnerung daran, dass Sean Spicer die amerikanische Bevölkerung wiederholt im Namen Trumps und seiner Regierung angelogen hat. Keine Shimmy-Tänze der Welt werden daran etwas ändern“, heißt es von den Demokraten auf Twitter. Versucht Spicer tatsächlich, sich zurück in die Herzen der Amerikaner zu tanzen und sein schadhaftes Image aufzupolieren?

          „Um ehrlich zu sein, verdiene ich einfach nur Geld und versuche das Leben zu genießen“, sagte er vor seinem farbenfrohen Tanzdebüt in einem Interview mit dem amerikanischen Magazin „New Yorker“. Laut „New Yorker“ verdiene der Vater der „alternativen Fakten“ unabhängig von neu erlangten Tanzkompetenzen und Zuschauerstimmen mindestens 125.000 Dollar mit seiner Showteilnahme. In einigen Vorschau-Videos zur Show sagte Spicer allerdings, seine Zeit im Weißen Haus sei eine Zeit voller Tumulte gewesen und habe zu einer einseitigen Sichtweise auf seine Person geführt. Nun könne er hingegen endlich sein Leben genießen. Spicer, der von Trump zusprechende Worte zu seinem Fernsehauftritt auf Twitter erhielt, sagte dennoch, es sei nun mal nicht schlecht, „den Führer der freien Welt auf seiner Seite zu haben.“ Immerhin behauptete er im Nachhinein nicht, der Auftritt habe der Tanzsendung zu einem Einschaltquotenrekord verholfen.

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