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Sean Connery zum 80. : Der Mann, der niemals nie sagte

  • -Aktualisiert am

Bild: Sean Connery - Eine Hommage in Fotografien

Er verdiente sein Geld als Milchmann, Sargpolierer und Aktmodell. Dann wurde er Schauspieler. Sean Connery war der beste Bond - und schaffte es trotzdem, die Rolle abzustreifen. Heute wird er achtzig Jahre alt.

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          Als Harrison Ford in der Sendung „Inside the Actor's Studio“ gefragt wurde, wie es denn gewesen sei, in „Indiana Jones“ den Sohn von Sean Connery zu spielen, da antwortete er: „Naja, Sean war ja selbst erst zwölf, als ich geboren wurde.“ Um dann nach einer Pause hinzuzufügen: „Andererseits . . . Sie kennen ja Sean.“

          Solche Scherze kann man natürlich nur auf Kosten eines Mannes machen, dessen Sex-Appeal geradezu sprichwörtlich ist. Nicht dass von frühen Vaterschaften etwas bekannt wäre, aber dass Connery aus Verhältnissen kommt, in denen man sich früh dem Leben und seinen Herausforderungen stellen musste, wurde nie bestritten. Der Vater war Fabrikarbeiter, die Mutter Putzfrau, und im Edinburgher Viertel Fountainbridge war es nicht ungewöhnlich, die Schule früh zu verlassen, um dann wie Connery als Milchmann Geld zu verdienen oder mit sechzehn zur Navy zu gehen. Dort wurde er wegen eines Magengeschwürs zwar nach drei Jahren wieder entlassen, behielt aber zwei Tätowierungen als ewige Erinnerungen: einmal „Mum and Dad“ und dann „Scotland forever“.

          In welchem Zustand er sich erstere hat stechen lassen, ist nicht bekannt; zur zweiten steht er allerdings bis heute. Er ist Mitglied der schottischen Nationalpartei, hat das Referendum für ein schottisches Parlament unterstützt und ist überzeugt, dass es noch zu seinen Lebzeiten zur schottischen Unabhängigkeit kommen wird. Es heißt, sein Engagement habe seinen Ritterschlag erheblich verzögert, aber als er sich dann 2000 von der Queen tatsächlich zum Knight Bachelor schlagen ließ, handelte sich Connery einige Kritik ein. Vor allem von jenen, die finden, dass jemand, der im Steuerparadies auf den Bahamas lebt, sich in britische Angelegenheiten nicht einzumischen habe.

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          Eine unsterblich gute Figur

          Unter den Jobs, die Connery nach den Jahren zur See ausübte, gehört Sargpolierer sicher zu den kurioseren, er posierte aber auch als Aktmodell fürs Edinburgh College of Art. Sein Hobby Bodybuilding führte Anfang der Fünfziger sogar dazu, dass er bei der Wahl zum Mister Universum einen dritten Platz belegte. Er war jedenfalls ein ansehnlicher Bursche, und so ist es kein Wunder, dass Ian Flemings Freundin den Schriftsteller von der Ausstrahlung des jungen Schotten überzeugte, den er für die Rolle seines Helden James Bond für zu ungeschliffen hielt. Fleming hatte eigentlich eher jemanden wie Cary Grant im Sinn, machte aber nach dem gewaltigen Erfolg von „Dr. No“ 1962 schnell seinen Frieden mit Sean Connery.

          Sein Name war also fortan Bond, James Bond, den er sechs Mal spielte, ehe er der Sache überdrüssig wurde. Schon für „Diamonds Are Forever“ war er 1971 nach dem kurzen Gastspiel von George Lazenby als 007 nur zurückgekommen, weil er mit der damals astronomischen Gage von mehr als einer Million Pfund den „Scottish International Education Trust“ gründen konnte, der schottischen Künstlern Stipendien gewährt. Dem letzten folgte jedoch noch ein allerletztes Mal, als Connery elf Jahre später in dem „inoffiziellen“ Bond-Film „Sag niemals nie“ den Agenten spielte, an dessen Ende er sich dann gegen seine Gewohnheiten mit seiner Blondine zur Ruhe setzen will.

          Sean Connery hatte schon in den Sechzigern in anderen Filmen gespielt, vor allem in Hitchcocks „Marnie“, wo er den Sadismus ausleben konnte, der in Bond ohnehin latent angelegt ist, doch nach den Bondjahren gelang es ihm, durch kluge Rollenwahl das Agenten-Image mitsamt Toupet ziemlich schnell abzulegen. Er spielte bei Lumet in „Mord im Orient-Express“, bei John Milius in „Der Wind und der Löwe“, bei John Huston in „Der Mann, der König sein wollte“ und bei Richard Lester in „Robin und Marian“, wo er Audrey Hepburn gegenüber andere Töne anschlug, als es Frauen bis dahin von ihm gewohnt waren.

          Trotzdem war wohl kaum einer darauf gefasst, dass er ab Mitte der achtziger Jahre noch mal einen ganz neuen Karriereschub bekommen würde. In „Highlander“ machte er eine unsterblich gute Figur mit dem tollen Namen Juan Sanchez Villa-Lobos Ramirez, im „Namen der Rose“ gab er den William von Baskerville, und für „The Untouchables“ gewann er dann endlich auch einen Oscar für seine Nebenrolle als unbestechlicher Cop, der wie ein alter Samurai einen letzten Kampf mit Al Capone aufnimmt. Mit sechzig konnte er dann in „Russia House“ immer noch Michelle Pfeiffer für sich gewinnen, mit siebzig war er an Catherine Zeta-Jones Seite in „Verlockende Falle“ dann doch schon etwas zu alt. Und 2003 hatte er nach dem Unsinn von „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ genug und ließ es gut sein. Wenn er am 25. August achtzig wird, mag er es mit seinem eigenen Spruch halten: „Manche Männer altern, andere reifen.“

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