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Schwule Pfadfinder in Amerika : „Wir müssen uns mit der Welt abfinden“

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Pascal Tessier, Mitte, wurde im April vom New Yorker Pfadfinderverband als der erste offen schwule Leiter eines Sommercamps vorgestellt. Für den Nationalverband kam so etwas lange nicht in Frage. Bild: AP

Die amerikanischen Pfadfinder wollen künftig auch homosexuelle Gruppenleiter aufnehmen. Bisher war das verpönt: Die Boy Scouts werden finanziell überwiegend von Kirchen unterstützt. Die Debatte entzündete sich an einem Rauswurf.

          Nach jahrelangem Streit über die Mitgliedschaft Homosexueller bei den Boy Scouts of America (BSA) hat der Leiter der amerikanischen Pfadfinderorganisation, Robert Gates, vorgeschlagen, künftig auch schwule Erwachsene als Gruppenleiter aufzunehmen. Bei der Jahresversammlung des Vereins in Atlanta im Bundesstaat Georgia warnte der frühere Verteidigungsminister am Donnerstag vor zu strikten Regelungen, die angesichts des gesellschaftlichen Wandels in den Vereinigten Staaten rechtliche Auseinandersetzungen provozierten.

          „Wir müssen uns mit der Welt abfinden, wie sie ist und nicht, wie wir sie gern hätten“, mahnte Gates. Mit Blick auf die erwartete Entscheidung des Obersten Gerichtshofs über die Zulassung der gleichgeschlechtlichen Ehe und drohende Prozesse über die Benachteiligung Schwuler bei der Jobsuche könne der Ausschluss homosexueller Gruppenleiter nicht länger aufrechterhalten werden. „Die alten Vorschriften haben sich überholt“, sagte der 71 Jahre alte Gates. Er schlug vor, es künftig den einzelnen BSA-Bezirksverbänden zu überlassen, homosexuelle Erwachsene als Gruppenführer zu erlauben. Ein kategorisches Verbot könne das Ende der Pfadfinder als nationale Bewegung bedeuten.

          Girl Scouts sind bereits liberaler

          Die Boy Scouts, 1910 zur Förderung der körperlichen und moralischen Entwicklung amerikanischer Jungen gegründet, werden weiterhin überwiegend durch religiöse Gruppen wie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Methodisten und die katholische Kirche unterstützt. Vor zwei Jahren entschieden die Pfadfinder gegen den Widerstand der konservativen Gemeinschaften, Bewerbern nicht länger den Beitritt „einzig aufgrund der sexuellen Orientierung“ zu versagen. Seither waren Rufe liberaler Bezirksgruppen lauter geworden, die etwa 2,6 Millionen Kinder und Jugendlichen auch durch Homosexuelle betreuen zu lassen. Die Debatte wurde durch den Rauswurf der Amerikanerin Jennifer Tyrrell angeheizt, die in Ohio nicht länger die Gruppe ihres Sohnes betreuen durfte, als bekannt wurde, dass sie mit einer Frau zusammenlebte.

          Verschiedene Bezirksgruppen der Girl Scouts, die im Jahr 1912 nach Vorbild der Boy Scouts gegründet wurden, haben sich dagegen in den vergangenen Jahren geöffnet. In Bundesstaaten wie Utah und Colorado wurden nicht nur Töchter gleichgeschlechtlicher Paare aufgenommen, sondern auch Transgender-Kinder. „Die Aufnahme der Transgender-Kinder entspricht dem Geist der Toleranz, den die Girl-Scouts-Gründerin Juliette Gordon Low vorgelebt hat“, sagte Andrea Bastiani Archibald, Sprecherin der Girl Scouts USA, dem Sender CNN.

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