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Leben im Kloster : Früher Physikerin, heute Nonne

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„Es war wie ein Puzzleteil, das an die richtige Stelle kommt“, erzählt sie über ihre Zeit bei den Schwestern. Vor allem genoss sie die festen Strukturen des Klosteralltags, mit seinen Gebets- und Essenszeiten. Von Natur aus sei sie eher chaotisch und ein Langschläfer. „In den Tag hineinleben ist auf seine eigene Weise anstrengend. Immer wieder neu zu überlegen, was man heute macht.“

Neben der Bibel liegen auch Fantasy-Romane und Thriller in ihrem Regal.

Zufrieden sein

Während sie ihre Diplomarbeit schrieb, legte Anne eine Liste an. Sie notierte all die Dinge, die sie nach dem Klostereintritt nicht mehr würde tun können. Einfach ins Kino gehen oder ins Schwimmbad zum Beispiel. Auch Kinder standen auf der Liste. Anne hatte sich immer vier oder fünf gewünscht. Am Ende entschied sie aber, dass auch Nachwuchs keine Gewährleistung für ein glückliches Leben sei. Denn das war ihr wichtig: eines Tages zurückblicken und sagen zu können, sie habe sich richtig entschieden und sei zufrieden.

Die Frage, ob Gott denn eine Glücksgarantie sei, beantwortet sie – ganz Wissenschaftlerin – mit einer Wahrscheinlichkeitsrechnung: „Wenn die Chance, zufrieden zurückzublicken, für mich vorher bei 65 Prozent lag, dann liegt sie jetzt eher bei 99 Prozent.“ Wo genau sie die Zahl hernimmt, sagt sie nicht. Nur dass Gott sie genau so liebe, wie sie sei. Ohne Bedingungen und mit all ihren Fehlern.

Aus Anne wurde Schwester Pauline

Nach Abgabe der Diplomarbeit im März 2010 entschied sich Anne für den Eintritt. Mit 24 Jahren war sie eine sehr junge Kandidatin: Von den zwei Frauen, die mit ihr eintraten, war eine doppelt so alt wie sie, die andere hätte sogar ihre Großmutter sein können. Viele der Schwestern im Kloster waren schon jenseits der achtzig. Am ersten Abend kamen Anne deshalb die Tränen: „Ich hatte das Gefühl, um meine Jugend weinen zu müssen“, erinnert sie sich.

Für sechs Monate trug sie Zivil. Manchmal wickelte sie sich heimlich ein Handtuch um den Kopf, um sich vorzustellen, wie sie mit dem Schleier aussehen würde. Im Oktober 2010 war es dann so weit: Anne bekam das weiße Ordensgewand und einen neuen Namen. Aus Anne wurde Schwester Pauline. Aus der Kandidatin eine Novizin.

Analoges Bloggen

In dieser Zeit begann sie ihren ersten Blog: „Mit Jesus hinter Klostermauern“. Drei weitere sollte folgen – einer für jeden neuen Lebensabschnitt. Der erste entstand aus einem Tagebuch, denn die Kommunikation der Novizinnen mit der Außenwelt wurde streng reguliert. E-Mails, Briefe und Telefonate waren in dieser Zeit selten erlaubt; meist nur an besonderen Tagen, wie zu Weihnachten oder zum Geburtstag.

Also schrieb Schwester Pauline ihre Erlebnisse von Hand in ein kleines Buch, bis ihr Noviziat beendet war. Dann übertrug sie Eintrag für Eintrag aus dem Tagebuch in ihren Blog. Über ein Jahr hinweg, jeden Tag einen neuen. Nach ihrem Noviziat legte Schwester Pauline eine zweijährige Profess ab – das Versprechen, für zwei weitere Jahre im Kloster zu bleiben. Als Professin begann sie ihren zweiten Blog.

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