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Leben im Kloster : Früher Physikerin, heute Nonne

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Gläubige Physikerin – Kein Widerspruch

Nonne und gleichzeitig Diplomphysikerin zu sein bedeutete für sie noch nie einen Widerspruch. Im Gegenteil: „Es gibt unter Physikern kaum Menschen, die keine Meinung zu Gott haben. Sie sind entweder sehr gläubig oder gar nicht.“ Der Physiker wolle immer herausfinden, wie die Dinge funktionieren und warum. Diese Suche nach Erklärungen habe er mit dem Theologen gemein, sagt sie. Am Ende seien es einfach zwei verschiedene Ebenen: „Mediziner können jede einzelne Zelle untersuchen, aber finden die Seele nicht – das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt.“

Für das Physikstudium entschied sich Schwester Pauline, weil sie Zahlen liebte und das Fach für die größte Herausforderung hielt. „Ich bin ein Ganz-oder-gar-nicht-Mensch“, sagt sie etwas zurückhaltend. Radikale Entscheidungen und das Extrem lägen ihr nahe, sagen auch Freunde. Das gilt für ihre Studienwahl ebenso wie für die Entscheidung zum Klostereintritt als Konsequenz aus ihrem Glauben. Auch wenn sie sich damit Zeit ließ.

Irgendetwas fehlte

Schwester Pauline, die damals noch Anne hieß, wuchs als eines von fünf Kindern im rheinland-pfälzischen Simmern im Hunsrück auf. Der Vater Lehrer, die Mutter Hausfrau, die Erziehung katholisch. An das Messdienern, den Lektorendienst und die katholische Schule gewöhnt, durchlebte sie ihre Jugend dennoch, ohne an Gott zu glauben. Erst als sie zwanzig wurde, veränderte sich etwas.

Einen Schnitt gemacht: Fotos aus ihremLeben im Kloster Helfta veröffentlicht Schwester Pauline in ihrem Blog.

Dabei schien alles in bester Ordnung: Das Physikstudium in Bayreuth lief gut, die Beziehung zu ihrem damaligen Freund auch. Aber irgendetwas fehlte Anne. „Ich habe immer gedacht: Das kann doch nicht alles gewesen sein“, sagt sie. Das Gefühl wurde stärker, bis sie sich schließlich von ihrem Freund trennte und auf die Suche nach Erklärungen ging. Eine Kommilitonin nahm Anne damals mit zu Veranstaltungen der Baptistengemeinde. „Erst dachte ich: Die spinnen doch!“, erinnert sie sich. „Ich hatte dieses Bild von Christen vor Augen, die in der Fußgängerzone ,Kumbaya‘ singen. Da wollte man nicht dazugehören. Das war uncool.“

Begegnung mit Gott

Neugierig machten sie aber die Gespräche mit einigen Teilnehmern. Sie beschreibt eine Art Funkeln in deren Augen. Wenn Gott tatsächlich eine so positive Auswirkung auf diese Menschen habe, dann könne er doch nicht bloße Einbildung sein, dachte sie.

Gott sei ihr dann schließlich in einem gemeinsamen Gebet begegnet. Sie war skeptisch, als es an jenem Tag hieß: „Wir danken dir, dass du hier bist und uns zuhörst.“ Warum sollte Gott ausgerechnet dort sein und gerade ihnen zuhören? „Da hat auf einmal jemand bei mir im Kopf angeklopft und gesagt: ,Hallo? Ich bin doch da!‘“, erinnert sich Anne. Sie beschreibt es als eine Art übernatürliche Erfahrung: „Ich bin innerlich total erschrocken.“

„Ein Puzzleteil, das an die richtige Stelle kommt“

Anne begann zu glauben, die Bibel zu lesen und regelmäßig den Gottesdienst zu besuchen. Das Kloster übte dabei in seiner Radikalität schon früh eine Faszination auf sie aus. Ganz oder gar nicht eben. Nach einem einwöchigen Probeaufenthalt 2007 wollte sie es ein Jahr später genauer wissen: Während ihre Mitstudenten Praktika in Laboren machten, entschloss sich Anne, drei Monate im Kloster zu verbringen. Weil sie schon damals mit dem Gedanken spielte, auf Lehramt zu studieren, suchte sie nach einem Kloster mit angeschlossener Schule und fand ein Zisterzienserinnenkloster in Süddeutschland.

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