https://www.faz.net/-gum-8l7dw

Halbmond statt Kreuz : Gipfel der Freiheit

So sieht der Gipfel-Halbmond in den Appenzeller Alpen aus – bald muss er abgebaut werden Bild: Christian Meier

Ein Künstler hat auf dem Gipfel des Berges Freiheit in den Appenzeller Alpen einen drei Meter großen Halbmond aus weißem Acrylglas aufgestellt. Es ist sein Protest gegen Gipfelkreuze.

          Auf den Berggipfeln in den Alpen geht es derzeit hoch her. In den Bayerischen Alpen haben Unbekannte in den vergangenen Monaten Gipfelkreuze mit der Axt umgehauen. Und alle rätseln, warum. Stecken religiöse Motive dahinter? Diese Frage stellt sich nun auch in der Schweiz.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Dort, im Alpsteinmassiv in den Appenzeller Alpen, gibt es einen Berg namens Freiheit. Er reckt sich 2140 Meter in die Höhe. Und auf dem Gipfel der Freiheit steht jetzt ein drei Meter großer Halbmond aus weißem Acrylglas. Der Appenzeller Künstler Christian Meier hat ihn dort oben mit der handwerklichen Hilfe von ein paar Freunden installiert und mit Solarpanelen verbunden. So leuchtet das Objekt in der Nacht.

          Nachts leuchtet der Halbmond. Das könnte Bergretter irritieren, sagt die Polizei.

          Das jedoch leuchtet vielen Eidgenossen wiederum nicht ein. Der Halbmond erhitzt nun die Gemüter der Wanderer und der Bergbewohner. Auch in den Behörden und bei der Polizei herrscht Aufregung. Von der medialen Welle ganz zu schweigen.

          All das ist ganz im Sinne des 38 Jahre alten Künstlers, der aus Appenzell stammt, an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat und die meiste Zeit in Schanghai verbringt. Er will mit seiner Aktion, für die er eigens einen Hubschrauber mietete, provozieren und eine Debatte über Religionen lostreten. Obwohl der Halbmond, respektive die Sichel des Neumonds, ein Symbol für den Islam ist, geht es ihm nach eigener Aussage nicht speziell um den Islam. „Ich bin Atheist. Ich habe mich an den unzähligen Gipfelkreuzen im Alpstein gestört und wollte mit dem Halbmond ein Gegengewicht schaffen“, sagte Meier dem „St. Galler Tagblatt“. Religion sei Privatsache. Daher gehöre ein christliches Symbol nicht auf einen Berggipfel.

          Nach Ansicht der Innerrhoder Kantonspolizei gehört auch Meiers Halbmond nicht auf den Gipfel der Freiheit – denn das nächtliche Leuchten könne Bergretter irritieren. Da nur erfahrene Kletterer die fragliche Stelle erreichen könnten, könne der falsche Eindruck entstehen, es handle sich um einen Notfall, sagte ein Polizeisprecher. Auch könnten Schaulustige möglicherweise dazu animiert werden, sich auf eine für sie viel zu gefährliche Gipfeltour zu machen.

          Kurzum: Meier ist von den Behörden angewiesen worden, sein umstrittenes Kunstwerk bis nächsten Dienstag wieder abzubauen. Und das will er auch tun.

          Mit Transporter und Hubschrauber wurde der Halbmond auf den Gipfel gebracht – und so wird er bald auch wieder abtransportiert werden müssen.

          Weitere Themen

          „Man kann nicht jung bleiben“

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Topmeldungen

          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.