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In einem Schweizer Dorfladen : Achtjähriger will mit Spielgeld zahlen – Hausdurchsuchung

  • Aktualisiert am

Offensichtlich nicht echt: Spielgeld (Symbolbild) Bild: dpa

Weil ein Achtjähriger in der Schweiz einen Einkauf mit Spielgeld bezahlen wollte, ordnete die Polizei eine Hausdurchsuchung an. Der Junge wurde mehrere Stunden verhört, sein Name ist nun bis 2032 in den Polizeiakten vermerkt.

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          Schweizer Polizisten haben ein Ermittlungsverfahren gegen einen Achtjährigen und dessen Familie eingeleitet, nachdem dieser in einem Dorfladen mit Spielgeld bezahlen wollte. Laut Medienberichten ist der Junge nun dank der übereifrigen Polizisten und Ladenbetreiber bis Mai 2032 in den Polizeiakten vermerkt, obwohl er nicht angeklagt wurde. Die Polizei hatte ihn zudem erkennungsdienstlich behandelt und das Haus der Familie durchsucht.

          Bei dem Spielgeld handelte es sich laut einem Bericht der „Basler Zeitung“ um unechte Scheine, die der Junge bei einem Karnevalsumzug aufgesammelt hatte. Die Scheine sahen demnach wie Fünfzig-Euro-Noten aus, jedoch ohne Wasserzeichen und Hologramme mit großen, blauen Schriftzeichen auf Chinesisch darauf – sogenanntes chinesisches Totengeld, das man in asiatischen Kulturkreisen als Grabbeilage mitgibt.

          Spielgeld statt Falschgeld

          Als der Junge zusammen mit seinem zehnjährigen Bruder dann Ende April in einem Dorfladen fragte, ob er mit dem Spielgeld etwas kaufen könne, schickte eine Angestellte des Geschäfts die Jungen weg und verständigte im Nachhinein die Polizei. Die Geschäftsführerin sagte später, sie habe lediglich die Richtlinien der Unternehmensleitung befolgt.

          Gut einen Monat dauerte es, bis die Schweizer Polizei dem Achtjährigen durch Aufnahmen des Kassenbereichs auf die Spur kam. Das Kind trug ein T-Shirt mit dem Logo der Firma seines Vaters darauf. Ende Mai informierte ein Polizist schließlich die Eltern, verhörte die Jungen mehrere Stunden lang und machte Fotos der Kinder. Der Achtjährige ist noch nicht strafmündig. Der Polizist ordnete im Gutachten stattdessen „besondere Hilfestellung“ für das Kind an, weshalb seine Eltern anschließend mit dem Jungen zum Präventionsgespräch vorgeladen wurden.

          Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Beamten seien davon ausgegangen, dass es sich um ein Kind mit einem Bündel Falschgeld handle. Auf dem Beschlagnahmungsprotokoll der Polizei stand vermerkt, dass „drei Mal 50 Euro Spielgeld, zwei Mal 20 Euro Spielgeld, fünf Mal 10 Euro Spielgeld und drei Mal 5 Euro Spielgeld“ beschlagnahmt wurden. Grund sei die Verhinderung von Straftaten – wie es auf dem Formular heißt.

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