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Namensänderung für ein Gewinnspiel : Ein Name wie Schall und Klaus

Sein Plan für Berlin: viel lassen, wenig tun Bild: Andreas Pein

Für ein Gewinnspiel hat sich ein junger Schwede umbenannt. Jetzt darf Klaus-Heidi Andersson ein Jahr auf Kosten der Lufthansa in Berlin leben. Wenn er dort eine echte Heidi findet, bleibt er vielleicht auch länger.

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          Unser Name, sagen Psychologen, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Identität. Sein Name, sagt Klaus-Heidi Andersson, ist kein Problem gewesen. Der Schwede ist 24 Jahre alt, trägt den auffälligen Bindestrich-Vornamen aber erst seit einem halben Jahr. Die meisten Freunde nennen ihn deshalb immer noch Michael, am Telefon meldet er sich auch so wie früher.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er hat sich für den Wechsel ja auch nicht wegen einer Persönlichkeitskrise entschieden. Sondern für ein Gewinnspiel, das die Lufthansa in Schweden ausgeschrieben hat. Der Hauptpreis: ein Hin- und Rückflug nach Berlin und ein Jahr kostenloses Wohnen in der deutschen Hauptstadt. Der Einsatz: Alle Teilnehmer mussten sich in Klaus-Heidi umbenennen. Im schwedischen Klischee heißen deutsche Männer nämlich immer Klaus, deutsche Frauen immer Heidi.

          Die Werbeagentur DDB, die sich die abseitige Kampagne für die Fluggesellschaft ausgedacht hatte, rechnete vermutlich mit großer Aufmerksamkeit, aber nicht mit vielen Klaus-Heidis. Wer tauscht schon für die vage Aussicht auf ein Jahr in Berlin ein Stück seiner Identität gegen einen Werbegag aus? Am Ende reichten 42 Männer und Frauen Kopien ihrer Personalausweise ein. Einer von ihnen war Michael Andersson. In einer Bar in Stockholm wurde er zum Gewinner gekürt. Im Januar hat er seine Altbauwohnung in Neukölln bezogen, nur ein paar Straßen vom Hermannplatz entfernt.

          „Es war kinderleicht, Klaus-Heidi zu werden“

          Unten ein türkischer Imbiss und ein leerstehendes Elektrogeschäft mit Graffiti an der Mauer; oben zwei Zimmer, Küche, Bad und Balkon; knarzende Holzdielen und Architekturzeitschriften, im Flur unverputzte Wände, auf dem Boden ein mannshoher Spiegel. Berlin wie aus dem Hipster-Bilderbuch. Andersson trägt den dazu passenden Sieben-Tage-Bart, eine Funktionsjacke und Sportschuhe.

          Vor seinem Umzug sei er nur einmal als Jugendlicher in der deutschen Hauptstadt gewesen, erzählt er. „Aber alle meine Freunde haben nach ihren Besuchen geschwärmt, hier sei es so cool wie im New York der achtziger Jahre.“ Deshalb habe er nicht lange gezögert, als ihn der Bruder seines Schwagers auf das Gewinnspiel aufmerksam machte.

          Als Single ohne drängende Karrierepläne hielt ihn nach dem Studium der Theaterwissenschaften wenig zu Hause, auf dem Freizeitbauernhof seiner Familie in der schwedischen Provinz. „Und es war kinderleicht, Klaus-Heidi zu werden.“ Ein Formular an die Steuerbehörde genügte, schon war zusätzlich zu seinem Tauf- auch sein Klamaukname offiziell registriert. Nicht einmal eine Verwaltungsgebühr war dafür fällig.

          In Deutschland ist eine Namensänderung nicht so leicht

          Denn nirgendwo auf der Welt ist es so einfach wie in Schweden, den Namen zu wechseln. In Deutschland braucht man dafür einen längeren Atem. Die „Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen“ kennt zwar eine Vielzahl von möglichen Gründen dafür, grenzt deren Anwendbarkeit aber sehr eng ein. Nur um „Unzuträglichkeiten im Einzelfall“ zu beseitigen, ist eine Änderung statthaft - etwa um die Verwechslung mit einem gleichnamigen Straftäter oder den „Anlass zu frivolen Wortspielen“ zu vermeiden. Der Aufwand ist zudem erheblich: Neben einer schriftlichen Begründung müssen unter anderem ein Führungszeugnis und eine beglaubigte Abschrift des Geburtseintrags vorgelegt werden. Und am Ende entscheidet das Standesamt.

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