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Namensänderung für ein Gewinnspiel : Ein Name wie Schall und Klaus

Die Klaus-Heidi-Kampagne hätten deutsche Standesbeamte womöglich witzig gefunden. Die 42 Anträge aber hätten sie im Geiste des hierzulande geltenden Namensrechts, das viele von ihnen als Loseblattsammlung mit 770 Seiten auf dem Schreibtisch stehen haben, abgelehnt. Denn erstens geht der Ausschluss von einem Gewinnspiel nicht als „Unzuträglichkeit“ durch. Und zweitens müssen Vornamen in Deutschland eindeutig das Geschlecht festlegen, von einer Handvoll sogenannter Unisex-Namen wie Kim und Eike abgesehen.

Eine inzwischen veraltete Dienstanweisung ließ genau zwei Fälle von gegengeschlechtlichen Vornamenpaaren zu, jeweils mit religiösem Hintergrund. Männer dürfen demnach - wie der Dichter Rainer Maria Rilke - mit zweiten Vornamen „Maria“ heißen. Und für Frauen ist als zweiter Rufname „Fürchtegott“ erlaubt; dafür gibt es aber kaum Beispiele aus der Praxis.

Namensgenerator im Internet

In Schweden spart sich der Gesetzgeber solche Verbote und Beschränkungen. Das hat historische Gründe. Nachnamen wie Müller, Schneider oder Koch, die sich aus Berufsbezeichnungen ableiten und in Deutschland weit verbreitet sind, gibt es dort kaum. Stattdessen dominieren traditionell sogenannte Patronyme: Der Vorname des Vaters, ergänzt um die Endung -son, wird zum Nachnamen des Sohnes.

Als im Lauf der Jahrhunderte der anfangs noch von Generation zu Generation vorgenommene Wechsel ausfiel, blieb nur ein kleines Repertoire von häufigen Familiennamen übrig. „Um 1900 hieß jeder fünfte Schwede Johansson, Andersson, Karlsson, Nilsson oder Eriksson“, sagt die Mainzer Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling. Zum Vergleich: Die vier am weitesten verbreiteten deutschen Nachnamen sind zusammen nur ein Viertel so häufig. „In Schweden haben diese Namen ihre Träger nicht mehr ausreichend voneinander unterschieden.“

Wirklich amtlich: Förnamn Klaus-Heidi
Wirklich amtlich: Förnamn Klaus-Heidi : Bild: Andreas Pein

Die daraus folgenden Verwechslungen waren nicht nur lästig, sondern auch ein Problem für die Verwaltung. Während für die Behörden in Deutschland die Vorstellung ein Graus ist, dass Einwohner ihre Namen ändern, sehnten sich die Beamten in Schweden genau das herbei. Schon 1921 hat die schwedische Regierung eine von Linguisten ausgearbeitete Vorschlagsliste mit 22 000 Einträgen für die Wahl neuer Nachnamen veröffentlichen lassen, die jeweils nur einmal vergeben werden durften. Neuauflagen folgten 1939, 1964 und 1992. Reichlich vertreten sind darin zweigliedrige Namen mit Naturbezug, zum Beispiel „Lindgren“.

Inzwischen gibt es einen Namengenerator im Internet. Die bürokratische Aufgabe, jeden Einwohner von der Wiege bis zur Bahre eindeutig zu identifizieren, erfüllt ein anderes Element: Jedem Schweden wird seit 1947 mit der Geburt eine zehnstellige Personalnummer zugeteilt. Sie ist, ob im Gesundheits- und Sozialsystem, in Steuer- und Versicherungsangelegenheiten, für Bankgeschäfte und Verkehrsdelikte, so allgegenwärtig, dass fast jeder sie auswendig aufsagen kann.

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