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Schwangere Herzogin : Elisabeth und Charles liegen noch vorn

Längst zu Ikonen geworden: Kate und William als Souvenir in einem Laden in Neapel Bild: REUTERS

Schon werden nationale Geburtstagsfeiern geplant, und auf den Kindesnamen laufen Wetten – ganz Großbritannien ist nach der Mitteilung über Catherines Schwangerschaft guter Hoffnung.

          Schon wenige Minuten nach der Freudennachricht aus St. James’s Palace bezogen britische und ausländische Reporter Stellung vor dem „King Edward VII Hospital“. Über den Gesundheitszustand der schwangeren Herzogin von Cambridge wissen sie wenig zu sagen, denn die spärlichen Bulletins werden vom Palast verwaltet. Dafür können die Beobachter live berichten, wer wann ins Krankenhaus hinein- und wieder hinausgeht. Ergiebig sind aber auch diese Recherchen nicht. Als Prinz William, der Herzog von Cambridge, am Montagabend das Gebäude am Regents Park verließ, schenkte er den Wartenden nur ein kurzes angespanntes Lächeln, bevor er in seinen Geländewagen stieg und verschwand.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Nach Angaben des Palastes leidet Kate Middleton unter anhaltender Übelkeit, genauer: einem Phänomen, das Mediziner „Hyperemesis gravidarum“ nennen. In den kommenden Tagen wollen die Ärzte vor allem darüber wachen, dass die Schwangere nicht dehydriert. Laut Zeitungsberichten begannen die Beschwerden am Wochenende, und als sie nicht nachließen, fuhr William seine Frau im Auto in das „King Edward VII Hospital“. Dort ist die Schwangere in bewährten Händen. Das Haus blickt auf 113 Jahre Praxis zurück, auch wenn es nicht auf Geburten spezialisiert ist. Gegründet wurde es, um Soldaten zu behandeln, die verwundet aus dem Burenkrieg zurückkehrten. Später wurde es zu einer der bevorzugten Kliniken der Königsfamilie. Königin Elisabeth II. ließ sich dort am Knie operieren. Ihrer Mutter wurde erfolgreich eine Fischgräte aus dem Hals entfernt.

          Was uns erwartet: Bis Kate, der Welt bekannteste werdende Mutter, wieder öffentlich in Erscheinung tritt, lesen wir immer wieder gern die offizielle Mitteilung.

          Trotz der besonderen Beziehungen des Königshauses zu den 200 Fachleuten der Privatklinik verließ sich Prinz William nicht auf deren Diskretion. Unter seinen Beratern überwog offenbar die Auffassung, dass sich ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt der Herzogin nicht geheim halten lässt. So ging man in die Offensive und kündigte früher als beabsichtigt - Kate Middleton ist noch keine zwölf Wochen schwanger -, dass den Windsors Nachwuchs ins Haus steht. Selbst Williams Vater, Prinz Charles, und seine Großmutter, die Königin, wurden laut BBC erst wenige Stunden vor der offiziellen Mitteilung in Kenntnis gesetzt.

          Der Spross ist „born to rule“

          Britannien steht erwartungsgemäß kopf. In mehr als 1000 Tweets pro Sekunde wird das Eltern-Glück seit Montagabend gefeiert. Prominente sind ebenso unter den Gratulanten wie führende britische Politiker. Der Vorsitzende der Labour Party, Oppositionschef Ed Miliband, kündigte für die Geburt Feiern der ganzen Nation an. Premierminister David Cameron wurde die Nachricht als Notiz in eine Sitzung hineingereicht. „Ich konnte das kaum noch für mich behalten“, sagte er später - das allerdings im Fernsehen. In Washington übermittelte ein Regierungssprecher die Glückwünsche Barack Obamas: „Im Namen aller hier im Weißen Haus, angefangen beim Präsidenten und der First Lady, gratulieren wir dem Herzog und der Herzogin von Cambridge zu der erfreulichen Nachricht aus London, dass sie ihr erstes Kind erwarten.“ Dagegen klang es beinahe nüchtern, als die australische Premierministerin Julia Gillard nur von „freudigen Nachrichten“ sprach.

          Bejubelt wird nicht nur das königliche Baby, sondern das zukünftige Staatsoberhaupt Großbritanniens (und 15 weiterer Commonwealth-Staaten), der Oberbefehlshaber der Armee und das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche. Kates und Williams Spross ist - ob Junge oder Mädchen - „born to rule“. In Abkehr von einer mehr als 300 Jahre alten Verfassungstradition wird das Kind zum ersten Mal unabhängig vom Geschlecht den Thron besteigen. Bislang galt die Regel, niedergelegt im „Act of Settlement“ von 1701, dass erstgeborene Mädchen in der Thronfolge nach unten rücken, sobald sie einen Bruder bekommen. Im vergangenen Jahr wurde diese Tradition auf einer Commonwealth-Konferenz in Australien modernisiert. Noch ist die Reform nicht in allen Staaten ratifiziert, aber nach Londoner Auslegung ist sie schon rechtswirksam. Damit wird das Neugeborene Prinz Harry - Williams jüngeren Bruder - von Platz drei der Thronfolge verdrängen und, wenn alles planmäßig verläuft, nach Charles und William König oder Königin werden.

          Getränkeanalyse in der Klatschpresse

          In den Wettbüros des Landes setzen die Briten schon auf mögliche Namen. Für den Fall, dass es ein Mädchen wird, liegt der Name Elisabeth gut im Rennen, vor Victoria, Mary und Anne sowie Diana - der Name von Williams früh verstorbener Mutter. Bei den Männernamen führen zur Zeit Charles, John, Frances und George die Wettlisten an, in manchen Büros stehen auch Philip, Richard, Arthur und Spencer im Kurs. Besonders viel Geld kann offenbar gewinnen, wer auf Außenseiternamen wie Camilla oder Fergie setzt. Wetten nehmen die Buchmacher aber auch zur Haarfarbe, zum Gewicht und zum Geburtstag entgegen.

          In der Klatschpresse wurde am Dienstag unter anderem zurückgerechnet, wann und wo das Kind gezeugt worden sein muss. Der „Daily Star“ zeigte ein Foto, auf dem das Paar Mitte September auf einer Südseereise blumengeschmückt aus Kokosnüssen schlürft. Der Saft der „erotischsten Frucht der Welt“ habe geholfen, mutmaßte das Blatt - eine These, die schon deshalb Zweifel zulässt, weil Kate Tage vorher mit einem verräterischen Glas Wasser bei einem Empfang in Singapur gesehen wurde. Die Deutungsfähigkeiten der Boulevardreporter sind ohnehin in der Krise, spätestens seit vergangenem Freitag: Da hatte Kate Middleton in ihrer alten Schule mit hohen Absätzen Hockey gespielt, was alle Schwangerschaftsspekulationen schlagartig ersterben ließ.

          Nicht alle köpfen gleich den Champagner

          Die Nachricht von der Schwangerschaft der britischen Herzogin Kate hat online wie offline eine Flut von Reaktionen hervorgerufen. Die Londoner „Daily Mail“ hält den Rekord in der gedruckten Berichterstattung: ganze vierzehn Seiten zuckersüßer „Wills&Kate“-Anekdoten widmet die Zeitung der Meldung. Auch im Internet brach ein Sturm los: Der britische Premierminister David Cameron ließ auf Twitter verlauten, er habe die Nachricht, die er am Montagmittag während einer Kabinettssitzung erhalten hatte, kaum für sich behalten können. Doch nicht alle Kommentatoren zeigten sich derart begeistert: Facebook und Twitter quollen Montagnacht über mit sarkastischen, genervten oder gegen die Monarchie gerichteten Kommentaren. „Weckt mich in sieben Monaten wieder auf“, sind sich viele britische Facebook-Nutzer einig. „Das britische Imperium hat erfolgreich Kate Middletons Uterus kolonisiert“, twitterte die amerikanische Online-Kolumnistin Erin Gloria Ryan, während der britische, mittlerweile in Amerika ansässige Boulevardjournalist Piers Morgan trocken bemerkte: „Kein Wunder, dass ihr schlecht ist – laut „National Enquirer“ ist sie schon seit 2003 schwanger.“ Manche Kommentatoren kreierten in Windeseile gefälschte Twitter-Konten für den adeligen Fötus, um sich so über den Medienhype lustig zu machen: „Ich bin das perfekte Vehikel für bedeutungslosen Ruhm, ernährt von zwei gesellschaftlichen Obsessionen: Niedlichkeit und nackter Gewalt“, heißt es etwa bei „UnbornRoyal“. „Royal_Fetus“ wünscht sich dagegen rote Haare: „Besser als kahlköpfig“ steht dort in Anspielung auf Williams spärliche Haarpracht. Andere betrachten die Sache ganz nüchtern: „Willie’s working“ – „Der Schniedel funktioniert“, schrieb eine Nutzerin bei Facebook. (lspr.)

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