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Schriftsteller Nicholas Sparks : Bei ihm sind Sie immer im sicheren Hafen

  • -Aktualisiert am

Autor Nikolas Sparks (links) mit den Schauspielern Julianne Houch und Josh Duhamel bei der Premiere des Kinofilms „Safe Haven“ Bild: dpa

Er schreibt ein Buch nach dem anderen - und stets schwarze Zahlen: Bei einem Treffen gibt Nicholas Sparks Einblick in sein Geschäftsmodell.

          5 Min.

          Nicholas Sparks hat ein Imperium aufgebaut, das unter Schriftstellern seinesgleichen sucht. Acht seiner inzwischen siebzehn Romane sind verfilmt worden, mehr als achtzig Millionen Exemplare seiner Bücher sind in 45 Sprachen im Druck, die Hollywood-Adaptionen haben international mehr als 660 Millionen Dollar eingespielt. Derzeit entwickelt Sparks fürs amerikanische Fernsehen vier Projekte, darunter eine moderne Variante von „Romeo und Julia“ und eine Adaption seines Romans „Weg der Träume“.

          “Schreiben“, sagt Sparks, „ist Schreiben. Natürlich sollte man die Vorzüge verschiedener Medien verstehen, aber am Ende geht es um faszinierende Figuren und darum, ob sich das Publikum für eine Geschichte interessiert.“ Wir sitzen uns in einem Hotelzimmer des Four Seasons in Beverly Hills gegenüber, Anlass ist die Verfilmung seines Bestsellers „Safe Haven - Wie ein Licht in der Nacht“, die am 7. März in die Kinos kommt. Der Siebenundvierzigjährige sitzt im legeren schwarzen Hemd im Drehstuhl, den Ellenbogen neben seinem iPhone, seiner Brille und einer Wasserflasche auf die Schreibtischplatte gestützt.

          An eine entspanntere Lage auf dem Sofa-Arrangement daneben ist für den Mann, der als Workaholic gilt, offenbar nicht zu denken. Sparks’ Romane, die sich knapp diesseits von reinem Schmalz bewegen, variieren das Motiv der Erlösung durch Liebe, nicht kunstvoll, aber doch mit einiger handwerklichen Geschicklichkeit. Krankheit, Krieg und andere Katastrophen lauern drohend im Hintergrund, während seine Protagonistinnen meist schnurstracks dem in die Arme laufen, was allen Schrecken zu überwinden mag: der großen Liebe.

          150 Liebesbriefe für seine Ehefrau

          Seine Ehefrau Cathy inspiriere diese Heldinnen, sagt Sparks lächelnd. Seit 23 Jahren ist er mit ihr verheiratet; als er um sie warb, schrieb er ihr 150 Liebesbriefe. Die Zeitschrift „People“ zitierte einen Ausschnitt: „Wenn ich an Dich denke, spüre ich Lieder in meinem Herzen und Träume vor dem Schlafengehen.“ Cathy sei ein „Mensch von Qualität“, hat er mal gesagt, und auf die Frage, was das bedeute, sagt er, immer noch lächelnd: „Sie ist loyal, liebenswürdig, ehrlich, nachsichtig, warm, schön - sie ist jede meiner weiblichen Figuren, und jede von ihnen ist der einen oder anderen Hinsicht meine Frau.“

          Die Damen in Sparks’ Romanen sind kaum weniger als Heilige - auch wenn sie tragisch von Klassengrenzen bedrängt werden wie Allie aus seinem Erstling „Wie ein einziger Tag“, tapfer einer unheilbaren Krebserkrankung ins Gesicht blicken wie Jamie aus „Zeit im Wind“ oder den Neuanfang nach der Flucht aus der Hölle wagen wie Katie aus „Safe Haven“. „Diese Figuren sind nicht definiert von Männern oder einer Beziehung oder deren Mangel“, sagt Sparks, „sondern davon, wer sie sind.“

          Diese Figuren jedenfalls haben ihn zum vielleicht beliebtesten Vorlagenlieferanten für Hollywood-Romanzen gemacht. „Wie ein einziger Tag“, 2004 verfilmt mit Ryan Gosling und Rachel McAdams in den Hauptrollen, sei inzwischen der Standard, an dem sämtliche Liebesfilme gemessen würden, behauptet der Filmproduzent Marty Bowen. Er hat nicht nur „Safe Haven“ und einen weiteren Sparks-Roman, „Das Leuchten der Stille“, auch zwei Filme aus der „Twilight“-Reihe produziert, kennt sich also mit Erfolgsformeln offenbar aus.

          Filme spielen Budget vierfach wieder ein

          Für Hollywoods Studiobosse verspricht ein Sparks-Stoff ein lukratives Geschäft: Man besetzt eine Story mit „eingebautem“ Publikum mit attraktiven jungen Stars und filmt mit moderaten Budgets von zwanzig bis dreißig Millionen Dollar in schwelgenden Bildern (der erste Kuss im Regen ist längst Standard-Repertoire). Üblicherweise spielen Sparks-Verfilmungen ihr Budget vierfach wieder ein, Ausnahmen sind nur die starbesetzten „Das Lächeln der Sterne“ mit Richard Gere und „Message in a Bottle“ mit Kevin Costner, die ihre Kosten eher mühsam amortisierten.

          Sparks ist in erster Linie Geschäftsmann. Er schreibe Liebesgeschichten, sagt er, weil seine erste so erfolgreich gewesen sei. Der Sohn eines Wirtschaftsprofessors, der als talentierter Mittelstreckenläufer ein Sportstipendium an der katholischen Universität Notre Dame erhielt, hatte schon während seines Finanzwirtschaftsstudiums zwei schriftstellerische Versuche unternommen: ein Horror-Roman und eine Mystery-Geschichte, die beide unveröffentlicht blieben.

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