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Eisige Nächte : Schon zehn Kältetote in Deutschland

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In eiskalten Nächten können sich Obdachlose auch mit mehreren Decken oft nicht ausreichend schützen. Bild: dpa

Eiskalte Nächte im Freien können lebensgefährlich sein. Trotz eines guten Hilfesystems sind in Deutschland diesen Winter bereits mehrere Menschen erfroren.

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          Bereits zehn obdachlose Menschen sind in Deutschland in diesem Winter nach Recherchen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe auf der Straße gestorben. Dazu komme ein weiterer Verdachtsfall, sagte Geschäftsführerin Werena Rosenke. Obdachlose seien unter anderem in Hamburg, Köln, Düsseldorf und Berlin erfroren.

          Allein in der Hauptstadt wurden in den eiskalten Nächten der vergangenen Tage zwei Menschen ohne festen Wohnsitz tot aufgefunden - einer auf einer Parkbank, ein weiterer auf dem Gelände eines ehemaligen Schwimmbads. Einer der Männer starb in der Nacht zum Freitag und ist in der Zählung der Arbeitsgemeinschaft noch nicht erfasst. Die Todesursache war bei beiden zunächst noch unklar.

          Kältebusse und Kältetelefone helfen

          Unterdessen sind bei Schnee und Glätte auf den Straßen im Westen Deutschlands zwei Menschen ums Leben gekommen. In Paderborn starb ein Autofahrer bei einem Unfall im dichten Schneetreiben. Wie die Polizei mitteilte, geriet am Freitagabend ein Fahrzeug in den Gegenverkehr und krachte in den Wagen des 49-jährigen Mannes. Seine Beifahrerin überlebte schwer verletzt. Der Verursacher schwebte in Lebensgefahr. Der Fahrer eines dritten Autos, das in die Unfallstelle fuhr, wurde ebenfalls schwer verletzt.

          In Rheinland-Pfalz wurde ein 18-jähriger Fahranfänger bei einem Unfall auf schneeglatter Straße tödlich verletzt. Wie die Polizei mitteilte, rutschte sein Wagen in der Nacht zum Samstag nahe Haßloch von der Fahrbahn und überschlug sich auf einem Feld. Der 18-Jährige starb in den Trümern. Seine 16 und 17 Jahre alten Begleiter wurden von der Feuerwehr befreit und blieben unverletzt.

          Die Arbeitsgemeinschaft zählt Kältetote in Deutschland seit dem Beginn der 1990er Jahre. 314 Fälle seien seitdem dokumentiert, berichtete Rosenke. Bei 38 weiteren Menschen bestehe der Verdacht, dass Unterkühlung mit zur Todesursache gehörte. Früher seien pro Jahr 20 bis 30 Fälle bekannt geworden. „Es hat etwas gebracht, dass es in vielen Großstädten jetzt Kältebusse oder Kältepatrouillen gibt“, sagt Rosenke. Auch Kältetelefone, über die Bürger Hilfe rufen können, wenn sie Obdachlose nachts draußen sehen, seien eine Hilfe.

          Dass Obdachlose trotz eisiger Nächte keine der bereitstehenden Notquartiere aufsuchten, habe manchmal auch etwas mit Restriktionen beim Einlass zu tun. Wer alkoholisiert, mit Hund oder großen psychischen Problemen vor der Tür stehe, dürfe nicht bei jeder Einrichtung ins Warme. „Da muss man schauen, ob sich solche Restriktionen lockern lassen“, ergänzte die Geschäftsführerin. Dennoch sei die Situation kein Vergleich mit der im Nachbarland Polen. Dort erfrören jeden Winter Dutzende Obdachlose, weil sie bei generell streng geführten Unterkünften abgewiesen würden.

          Die größte Herausforderung für deutsche Kommunen sieht die Arbeitsgemeinschaft im Umgang mit obdachlosen EU-Bürgern. Die Zahl perspektivloser Menschen, die nicht selten bei ihrer Arbeit in Deutschland um ihren Lohn geprellt wurden und dann auf der Straße landeten, wachse. „Da müssen die Städte ran. Und zwar nicht nur im Winter“, sagte Rosenke. „Auch diese Menschen haben Rechte und ihre Ansprüche an das Sozialsystem müssen individuell geprüft werden.“ Migration innerhalb der EU werde eher noch zunehmen, da sich die Armutsschere zwischen den Staaten mittelfristig nicht schließe, sondern eher größer werde.

          Kälte kann lebensgefährlich werden

          Kälte kann für Menschen lebensgefährlich werden, weil der Körper nach und nach auskühlt und wichtige innere Organe versagen. Bei weniger als 20 Grad Körpertemperatur gilt die tödliche Schwelle nach Angaben von Ärzten in der Regel als überschritten. Meist kommt es dann zu Herzversagen. Doch bereits bei weniger als 26 Grad Körpertemperatur ist ein Mensch oft nicht mehr ansprechbar. Normal sind um die 37 Grad.

          Wie viel Kälte ein einzelner Mensch aushält, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Dabei spielen nicht nur Temperatur, Wind, Feuchtigkeit und Kleidung eine Rolle, sondern auch Körperbau und Muskelarbeit. Dass Alkohol gegen Kälte hilft, ist ein Irrtum: Er beschleunigt die Unterkühlung. Stark betrunkene Menschen bemerken die Lebensgefahr zudem oft nicht. Sie fühlen sich warm, obwohl ihre inneren Organe vor dem Kollaps stehen.

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