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Fans feiern vor dem Gericht in Los Angeles die Beendigung der Vormundschaft über Britney Spears. Bild: AFP

Britney Spears ist frei : „Das ist der schönste Tag aller Zeiten“

  • -Aktualisiert am

Der wohl aufsehenerregendste Betreuungsfall in Hollywood ist beendet. Richterin Brenda Penny hat die Vormundschaft für Britney Spears aufgehoben.

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          Nach fast 14 Jahren ging es plötzlich ganz schnell. Britney Spears‘ Anwalt Mathew Rosengart erinnerte bei dem Termin vor dem Los Angeles Superior Court an eine Anhörung, bei der seine Mandantin Ende Juni bat, ihr Leben zurückzubekommen. Dann fragte Richterin Brenda Penny die Anwälte aller Beteiligten, ob sie Einwände gegen das Aufheben der Vormundschaft hätten. Als alle verneinten, war Spears frei.

          Knapp 30 Minuten nach Verhandlungsbeginn erklärte Richterin Penny den wohl aufsehenerregendsten Betreuungsfall in Hollywood am Freitag für beendet. Da niemand an der Vormundschaft festhalten wolle, sei sie als „freiwillige Betreuung“ hinfällig. Vor dem Gerichtsgebäude in der Innenstadt von Los Angeles begannen einige Hundert Anhänger der Bewegung #FreeBritney zu tanzen. In Thousand Oaks, etwa 60 Kilometer entfernt, feierte Spears derweil mit ihrem Verlobten Sam Asghari. „Ich habe meine Fans so lieb. Ich glaube, ich werde den Rest des Tages weinen. Das ist der schönste Tag aller Zeiten“, schrieb sie bei Instagram – jetzt mit Hashtag #FreedBritney, die befreite Britney.

          Der Vater soll sich an ihrem Vermögen bedient haben

          Freiwillige Betreuung? Für Spears und ihre Fans sah es fast 14 Jahre anders aus. Bei ihrer ersten öffentlichen Anhörung vor vier Monaten schilderte sie, wie ihr Vater und Vormund Jamie Spears sie kontrolliert, mit Psychopharmaka vollgepumpt und zu Auftritten gezwungen hatte. Der frühere Bauarbeiter wählte Spears‘ Freunde aus, bestimmte die Besuchszeiten mit ihren beiden Söhnen und ließ ihr ein Intrauterinpessar einsetzen, um weitere Schwangerschaften zu verhindern. Seit Jamie Spears nach einem Zusammenbruch seiner Tochter 2008 die Betreuung übernahm, soll er sich auch immer wieder an ihrem auf 60 Millionen Dollar geschätzten Vermögen bedient haben.

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          „Jamie Spears hat diese Vormundschaft korrumpiert“, warf Anwalt Rosengart ihm nach Richterin Pennys Entscheidung auf den Stufen des Stanley-Mosk-Gerichtsgebäudes vor. Das Gericht hatte Jamie Spears schon vor sechs Wochen als Betreuer abgesetzt. Das „Sicherheitsnetz“, das Anwalt Rosengart am Freitag für Britney Spears‘ ersten Monate in Freiheit skizzierte, sieht nun eine stufenweise Übertragung des Vermögens in einen von der Neununddreißigjährigen kontrollierten Fonds vor. Finanzverwalter John Zabel, seit Ende September mit Spears‘ Vermögen betraut, soll ihren Schritt in die finanzielle Selbstständigkeit begleiten.

          Der frühere Bundesstaatsanwalt Rosengart kündigte derweil Untersuchungen zu möglichen Unregelmäßigkeiten durch Jamie Spears und die von ihm beauftragte Künstleragentur Tri Star Sports & Entertainment Group an. Wie die New York Times recherchierte, sollen der Neunundsechzigjährige und zwei Manager des Unternehmens Britney Spears jahrelang in ihrem Schlafzimmer abgehört und Textnachrichten der Grammy-Preisträgerin überwacht haben.

          Treuhänderin Montgomery bleibt an ihrer Seite

          Auch Jodi Montgomery, vor zwei Jahren als Betreuerin für Spears‘ persönliche Angelegenheiten ernannt, bleibt vorerst an der Seite der Sängerin. Spears hatte in den vergangenen Monaten wiederholt versichert, sich bei der Treuhänderin wohlzufühlen. „Es gibt keinen Grund, die Vormundschaft nicht zu beenden oder dafür, dass Frau Spears kein sicheres, glückliches und ausgefülltes Leben führen kann“, versicherte Montgomerys Anwältin Lauriann Wright dem Gericht am Freitag. Einige Tage zuvor hatte die Treuhänderin Richterin Penny bereits einen Plan zu psychologischer Betreuung und Medikamenten für Spears‘ erste Monate in Freiheit zukommen lassen.

          Wiederholte Aufenthalte in der Psychiatrie hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Zweifel an der psychischen Gesundheit der Sängerin geschürt. Wie der Hinweis des Gerichts auf die „freiwillige Betreuung“ jetzt aber zeigte, war Spears nie für rechtsunfähig erklärt worden. Fast 14 Jahre lang wurde kein psychiatrisches Attest erstellt, das die Notwendigkeit einer Betreuung belegte. Da Spears ohne Gutachten betreut wurde, konnte Richterin Penny die Betreuung jetzt auch ohne Gutachten wieder beenden.

          Die Sängerin bereitet sich derweil auf ein neues Leben vor. Nach der Verlobung mit Asghari vor zwei Monaten zieht es sie vor den Traualtar. In sozialen Medien ließ Spears die Fans wissen, mit dem Fitnesstrainer und Model die Familie vergrößern zu wollen. Auch ein weiteres Album sei möglich. Der nächste Schritt in die Freiheit ist aber ein Umzug. Die Villa in Thousand Oaks, in der Spears während der Vormundschaft lebte, erinnere sie zu sehr an ein Gefängnis. „Was jetzt für Britney folgt, hängt zum ersten Mal nach mehr als einem Jahrzehnt nur von einer Person ab“, triumphierte Anwalt Rosengart. „Diese Person heißt Britney.“

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