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Schimpansen : Morgenstund hat Frucht im Mund

  • -Aktualisiert am

Speisenfolge: Karline Janmaat begleitet die Affen zum Frühstück Bild: Simone Ban

Die Wissenschaftlerin Karline Janmaat hat das Frühstücks-Verhalten von Schimpansen untersucht. Für einen guten Start in den Tag nehmen die Tiere so manches in Kauf.

          Eigentlich wollten Karline Janmaat und ihre Kollegin die Erinnerungsfähigkeit von Schimpansen untersuchen. An 275 Tagen, von 2008 bis 2011, beobachtete Janmaat fünf weibliche Schimpansen und ihre Jungen im Taï-Nationalpark in der Elfenbeinküste. „Wir wollten zum Beispiel einem Weibchen 44 Tage lang folgen und sie begleiten. Um das zu tun, muss man schon frühmorgens beim Nest sein“, erzählt die Wissenschaftlerin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Dabei entdeckte die Forscherin etwas Ungewöhnliches. An manchen Tagen blieben die Schimpansinnen und ihre Jungen fast eine Stunde lang in ihren Nestern sitzen. Manchmal verging dagegen nur eine Minute, bis die Affen aufbrachen, um sich Nahrung zu beschaffen.

          Janmaat fragte sich, warum die Affen dieses Verhalten zeigten. Die Antwort ist einfach: Die Schimpansen wollten die Ersten beim Frühstück sein. Schimpansen haben ein gutes Gedächtnis, sie erinnern sich an Bäume, von denen sie früher schon gegessen haben, und wissen, wie lange ihre Früchte verfügbar sind. Dann fällen sie zwei Entscheidungen, sagt Janmaat. Am frühen Morgen entscheiden sie, wann sie aufbrechen. Das hängt davon ab, welche Art von Frucht sie essen wollen und ob die Früchte nur für kurze Zeit – wie zum Beispiel Feigen – oder den ganzen Tag verfügbar sind. Außerdem berücksichtigen die Menschenaffen, wie weit der Baum von ihrem aktuellen Aufenthaltsort entfernt ist. Je weiter weg er ist, desto früher brechen sie auf – manchmal noch vor Sonnenaufgang. Schon am Abend haben die Schimpansen diese Faktoren bei der Auswahl ihres Schlafplatzes bedacht: Ist das Frühstück nur für kurze Zeit verfügbar, dann richten sie ihre Nester so aus, dass sie auf dem Weg liegen. Auf diese Weise stellen die Schimpansen sicher, vor anderen Konkurrenten zum Essen zu kommen.

          Wählerische Schläfer

          Doch die Entscheidung zum frühen Aufbruch treffen die Schimpansen nicht leichtfertig. Eine Wanderung in der Dunkelheit ist gefährlich. Besonders Leoparden sind eine große Gefahr für die Affen. „Wir haben bemerkt, dass die Schimpansinnen in der Dunkelheit viel schreckhafter waren. Normalerweise konnten wir ihnen folgen, ohne dass sie sich nach uns umgesehen haben. Aber wenn wir am frühen Morgen ein Geräusch machten, haben sie sich sofort umgedreht.“

          Die Affen gehen das Risiko ein, weil die Früchte sie mit notwendiger Energie versorgen. Janmaat beobachtete die Tiere zudem in wenig ertragreichen Jahren.

          Einfach in den Fruchtbäumen zu übernachten kommt für die Schimpansen allerdings nicht in Frage: „Schimpansen sind sehr wählerisch, was ihren Schlafplatz betrifft“, sagt Affenforscherin Janmaat. Sie schlafen nur auf bestimmten Baumarten, auf denen sie gut Nester bauen können und von denen aus sie die Umgebung im Blick haben. Schimpansen planen übrigens nicht nur beim Frühstück, sondern unter anderem auch bei der Beschaffung von Nahrung. Sie suchen das nötige Werkzeug, bevor sie zum Beispiel eine Nuss knacken wollen. „Ihre Fähigkeit, in verschiedenen Situationen zu planen, macht sie sehr besonders“, sagt Karline Janmaat.

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