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Scheidung von „TomKat“ : Was darfst du niemandem erzählen?

  • -Aktualisiert am

Bild: dapd / F.A.S.

Der Scheidungskrieg zwischen Tom Cruise und Katie Holmes beginnt. Im Zentrum: Scientology. Für die Sekte ist die zarte Holmes die denkbar gefährlichste Anklägerin.

          Es glich einem Thrillerdrehbuch, was sich die amerikanischen Medien in der vergangenen Woche über die Trennung von Katie Holmes und Tom Cruise ausmalten: Eine in höchste Bedrängnis geratene Mutter rettet sich mit der Tochter im Arm aus den Fängen einer alles verzehrenden Sekte, zu deren ranghöchsten Funktionären ihr Mann zählt und die Berichten von Aussteigern zufolge extreme Kontrolle über ihre Mitglieder ausübt. Holmes, so mutmaßen die Klatschblätter und Blogs fast übereinstimmend, wolle die sechsjährige Tochter des Paares, Suri, dem dominanten Einfluss der Sekte entziehen, bevor es dafür zu spät ist.

          Die Indizien ließen sich leicht zu dieser Version zusammenfügen: Cruise, der eben noch in einem Interview zu seinem 50. Geburtstag über sein Eheglück geschwärmt hatte, wurde auf einem Filmset in Island von der Nachricht überrascht, dass Holmes in New York die Scheidung wegen „unüberwindbarer Differenzen“ eingereicht hatte. Holmes beantragte, offenbar unter der Beratung ihres Vaters, der selbst Anwalt ist, das alleinige Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Suri. Sie mietete sich mit Suri in einem New Yorker Appartement ein und kappte außerdem die Beziehungen zu ihrer langjährigen PR-Sprecherin und ihrem Sicherheitsteam. Ihr persönliches Handy, dessen Nummer nur die Eltern und Cruise kannten, habe sie gegen ein neues mit Geheimnummer eingetauscht.

          Schon zu Beginn der Beziehung zwischen Cruise und Holmes 2005 war darüber spekuliert worden, dass der Einfluss der Scientology-Sekte eine Bürde für die vormalige Katholikin Katie Holmes sein könnte. Bereits Cruises vorangegangene Ehe mit Nicole Kidman soll darunter gelitten haben; nach der Scheidung 2001 erhielt Cruise das Sorgerecht für die Kinder Connor, heute 17, und Isabella, 19.

          Formidable Heldin

          Die Scheidung eines Hollywood-Traumpaares ist Promipostillen-Gold, aber diese Story lässt selbst die dramatischsten Beziehungsbrüche der Vergangenheit - Johnny und Vanessa, Marc und J.Lo, sogar Brad und Jennifer - verblassen. Dass der Einfluss einer Sekte, die immer wieder öffentliche Anschuldigungen dementieren muss, sie drangsaliere ihre Mitglieder und beute sie finanziell und emotional aus, zentrales Motiv für Holmes’ Nacht-und-Nebel-Aktion sein könnte, gibt der Story einen epischen Rahmen; mit der rehäugigen Holmes, die man gern als lammfromm und ein wenig naiv wahrnahm und die nun einen von Hollywoods Mächtigsten eiskalt ausmanövriert, hat sie eine formidable Heldin.

          Nun wird die Frage laut, ob die Scheidung von „TomKat“ zum größten PR-Desaster für Scientology werden könnte, seit Cruise 2004 und 2005 mit bizarren Auftritten nicht eben als leuchtendes Beispiel jener spirituellen Vervollkommnung auftrat, die angeblich das Ziel von Scientology ist. Damals rügte er zum allgemeinen Befremden seine Schauspielkollegin Brooke Shields, weil diese Antidepressiva eingenommen hatte, und zelebrierte einen höchst übertriebenen Freudenausbruch bei Oprah Winfrey - über seine neue Liebe zu Katie Holmes, angeblich.

          Auch wegen dieser Vorgeschichte fliegen die Sympathien der Öffentlichkeit nun fast unisono Holmes zu. Seit selbst Medienzar Rupert Murdoch einen scharfzüngigen Twitter-Kommentar absetzte - „Etwas Gruseliges, vielleicht Bösartiges umweht diese Leute“ -, herrscht kaum ein Zweifel, dass Cruise bereits zum Buhmann abgestempelt ist.

          Unterdessen meldeten sich mehrere Aussteiger mit Details aus dem Scientology-Alltag zu Wort, die ahnen lassen, was Holmes zu ihrem Schritt veranlasst haben könnte. Ehemalige Scientologen schilderten, schon Kinder würden „Verhören“ unterzogen, die mögliche Ressentiments gegen die Sekte aufdecken sollen. Typische Frage angeblich: „Was, hat man dir gesagt, darfst du niemandem erzählen?“

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