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Ulrike Krumbiegel im Interview : „Sport ist mein Ausgleich“

„Konditionell sehr anspruchsvoll“: Krumbiegel über die Dreharbeiten. Bild: Flare Film

Ulrike Krumbiegel über das Eislaufen als Kind in Berlin-Mitte und in ihrem neuen Film, Segeln im Indischen Ozean – und die harte Ausbildung zur Schauspielerin in der DDR.

          Waren Sie in diesem Winter schon eislaufen?

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Skilaufen war ich schon, eislaufen noch nicht.

          In Ihrem neuen Film „Die Anfängerin“ spielen Sie eine Frau, die mit 58 Jahren vor den Scherben ihres Lebens steht und mit dem Eislaufen anfängt. Sie haben alle Szenen ohne Double gedreht. Steht in Ihrer Bewerbungsmappe: „Kann eislaufen“?

          Nee, das müsste man aber mal reinschreiben, genauso wie Segeln, Skifahren und Schwimmen. Das kann ich alles. Ich müsste als Nächstes einen Segelfilm machen. Dann einen Skifilm, und beim Schwimmen bin ich auch noch ganz gut. Kanufahren würde auch passen, wurde bisher aber noch nie verlangt.

          Mussten Sie beim Casting für den Film auf dem Eis vorlaufen?

          Erst mal war es ein ganz normales Casting, bei dem zwei Szenen probiert wurden. Als sie sich wohl schon für mich entschieden hatten, fragten sie: „Kannste eigentlich eislaufen?“ Als ich bejahte, sagten sie: „Wir würden es gerne mal in der Halle sehen.“ Da bin ich dann gelaufen. Die Regisseurin hat geheult, so erleichtert war sie. Und von da an habe ich noch mit einer professionellen Trainerin trainiert.

          Wann haben Sie denn das Eislaufen gelernt?

          Ich bin als Kind in den sechziger Jahren in Berlin-Mitte aufgewachsen, da gab es noch viele leere Flächen mit Ruinen vom Krieg. Bei uns schräg gegenüber war ein oller Schottersportplatz, der im Winter bespritzt und bei Frost zur Eisbahn wurde. Es gibt ein Foto von mir mit etwa acht, wo ich einen Flieger mache, hinten mit einem gebeugten Bein, da trage ich Wollmütze, Anorak und die alten Gurken an den Füßen. Ich hatte ganz elende Schlittschuhe, das waren Kufen, die man mit einem Schlüssel an die Stiefel schrauben musste. Und wenn man umknickte, riss manchmal auch die Sohle ab. Ich habe als Kind immer davon geträumt, mal richtige Schlittschuhe zu bekommen.

          Und die gab es nie?

          Meine Eltern sagten immer: „Das ist zu viel Geld, und du wächst noch.“ Trotzdem habe ich darauf gehofft. Ich habe kurz vor Weihnachten Geburtstag, so dass ich immer zweimal kurz hintereinander die Enttäuschung hatte. Zum Geburtstag keine Schlittschuhe. Weihnachten keine Schlittschuhe. Und dann musste ich ein ganzes Jahr auf die nächste Chance warten. Meine Großmutter hat sich schließlich erbarmt und ein paar Gebrauchte aufgetrieben.

          Wollten Sie damals Eisläuferin werden?

          Es war so ähnlich wie in dem Film, dass ich ein bisschen davon träumte, aber ich würde es jetzt nicht übertreiben; es war nicht mein einziger Kindheitswunsch.

          In der DDR spielte Eiskunstlauf eine wichtige Rolle, es gab viele bekannte Läuferinnen wie Kati Witt, Gaby Seyfert, Anett Pötzsch oder Christine Errath, die 1974 Weltmeisterin wurde und in dem Film „Die Anfängerin“ sich selbst spielt. Waren das Idole für Sie?

          Schon. Was haben wir denn als Kinder gehabt, wenn wir Fernsehen guckten? Die Vierschanzentournee und das Eislaufen. Und samstagnachmittags noch der Märchenfilm. Eiskunstlaufen gehörte zu jeder Kindheit in der DDR. Es war deshalb natürlich schön, Christine Errath zu erleben. Sie war in meiner Kindheit für mich die Eisprinzessin.

          Hatten Sie bei den Dreharbeiten keine Angst, sich zu verletzen?

          Ich bin einmal gestürzt. Die Kufe ist sehr schmal, wenn man sie ein bisschen verkantet, fliegt man eben hin. Und es ist auch konditionell sehr anspruchsvoll. Das denkt man gar nicht. Während des Trainings musste ich anfangs kleine Pausen einlegen, aber das müssen selbst Profiläufer machen.

          Auch für die Stürze, die im Drehbuch vorgesehen sind, haben Sie sich nicht doubeln lassen. Wie fällt man denn richtig, um sich nicht weh zu tun?

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