https://www.faz.net/-gum-8djnj

Im Gespräch: Penélope Cruz : „Hört niemals auf zu träumen“

Von Penélope Cruzein unvorteilhaftes Foto aufzutreiben, ist praktisch unmöglich. Auch wir haben keins gefunden. Bild: AP

Penélope Cruz ist makellose Kino-Schönheit und Almodóvar-Muse. An diesem Donnerstag kommt ihr neuer Film „Zoolander 2“ von und mit Ben Stiller in die Kinos. Im Interview spricht sie über ihren Ausflug ins Komische, die Sache mit dem Karma und ihre Lebensschule - den Frisörsalon ihrer Mutter.

          6 Min.

          Ein Versuch: Tippen Sie den Namen „Penélope Cruz“ in Ihre Suchmaschine, und gehen Sie auf „Bilder“. Und? Atemberaubende Fotos, ausnahmslos. Kein einziges, auf dem die Haare strähnig wären oder die Stirn zerknautscht. Kein Wunder, dass diese perfekte Schönheit zur „Sexiest Woman Alive“ gekürt worden ist. Mit 41 Jahren. Und wissen Sie was? Die Oscar-Gewinnerin, erfolgreichste Spanierin Hollywoods, aber auch Lieblingsschauspielerin des Kunstfilmers Pedro Almodóvar, sieht in echt so super aus wie auf diesen Fotos. Schmaler, vielleicht, zerbrechlicher. Aber wenn sie sich auf einem Ledersofa im Berliner „Soho-House“ niederlässt, um für den neuen Ben-Stiller-Film „Zoolander 2“ zu werben, fummelt sie sich als Erstes selbstbewusst den metallenen Gürtelreif von der Taille: „Der ist wirklich sehr unbequem“, sagt sie. Und dass sie sich im Alltag nie die Haare mache: „Ich könnte Ihnen tausend solcher Fotos zeigen.“ Sie lacht. Im Gespräch wirkt sie ernsthaft und aufgeschlossen. Selbst wenn neben ihr das Display ihres zersplitterten Handys aufleuchtet, weil Textnachrichten eintreffen, bleibt sie konzentriert.

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit Freunden im Restaurant, es ist spät geworden. Gehören Sie zu den Leuten, die andere zum Lachen bringen?

          Ich liebe es tatsächlich, mit der Familie und mit Freunden zusammenzusitzen und gute Gespräche zu führen.  Das ist  das Schönste für mich, wenn ich freie Zeit habe. Ich trinke keinen Alkohol, aber ich liebe Essen. Und mein Bruder zum Beispiel ist einer der lustigsten Menschen der Welt. Ich sitze nur neben ihm, er fängt an, irgendwelche Betrachtungen von sich zu geben - und schon lache ich, bis mir die Tränen kommen.

          Sind Sie ein lustiger Mensch?

          Privat, mit meinen Leuten, bin ich ein Clown. Ich könnte mich den ganzen Tag über mich kaputtlachen. Eine Blockbuster-Komödie wie „Zoolander 2“ ist nicht unbedingt das Genre, für das man Sie kennt. Meistens mache ich Dramen.

          Musste Ben Stiller sich sehr anstrengen, um Sie zu gewinnen?

          Nein. Er rief mich an, als ich gerade in Südafrika war und mit meinem Baby Windeln kaufte. Ich habe geschrien vor Aufregung, weil ich zu den Leuten gehöre, die den ersten „Zoolander“ fünf-, sechsmal gesehen haben. Ich hatte nicht mit diesem Anruf gerechnet: von ihm. Um eine Komödie zu machen. Und dann gleich so eine!

          Was hat Sie an Ihrer Figur Valentina gereizt?

          Ich finde sie lustig, weil sie voller Überraschungen steckt. Zunächst wirkt sie stark, entschieden, klug, genau. Aber dann stellt man fest, auch sie ist irgendwie neben der Spur. Sie hat ein echtes Problem damit, nur Bademoden-Model gewesen zu sein und es nie auf den Laufsteg geschafft zu haben (lacht).

          Sie bereiten sich akribisch auf Ihre Rollen vor. Auch, wenn Sie so ein Ex-Bademoden-Model spielen, das jetzt für Interpols „Globale Mode-Abteilung“ arbeitet?

          Der Zugang ist derselbe. Nur weil es sich um eine Komödie handelt, arbeite ich nicht weniger.

          Wie war denn Ben Stiller als Regisseur?

          Großartig. Er ist eine Arbeitsmaschine und kann so gut mit Druck umgehen wie wenige Menschen auf der Welt. Am Ende des Tages sind alle erschöpft - aber er sieht aus wie morgens früh um acht. Und er weiß, wie er seine Schauspieler behandeln muss.

          Penélope Cruz mit ihrem Ehemann dem spanischen Schauspieler Javier Bardem bei den Goya Awards.
          Penélope Cruz mit ihrem Ehemann dem spanischen Schauspieler Javier Bardem bei den Goya Awards. : Bild: dpa

          Wie muss man Sie behandeln?

          Ich brauche das Gefühl, dass jemand da ist, der mich auffangen würde, wenn ich falle: Dann kann ich etwas ausprobieren und Fehler riskieren. Gleichzeitig brauche ich Freiraum. Ben macht das alles.

          Hat er Sie zum Lachen gebracht?

          Sogar unabsichtlich. Schon allein, weil er als Regisseur Derek Zoolanders Kostüme trug. Und dann führte er ein ernsthaftes Gespräch mit mir. Wie sollte ich ihn ernst nehmen?

          Wenn Sie sich Ihr Leben anschauen: glücklich verheiratet mit Kollege Javier Bardem, zwei Kinder, ein Oscar, etablierter Star im internationalen Film. Wie fühlt sich das an?

          Ich bin den Menschen dankbar, die mir geholfen haben, Dinge zu erreichen, die nur Träume waren. Denn meine Eltern mussten extrem hart arbeiten, um uns bis zum Ende des Monats zu bringen. Extras waren nie drin. Trotzdem waren wir sehr glücklich und hatten gute, stabile Werte. Und ich hatte diese Träume: Erst wollte ich Tänzerin werden, später Schauspielerin. Und sie haben mich nicht ausgelacht, sie haben mich respektiert. Obwohl wir niemanden kannten, der von einem Job gelebt hätte, der etwas mit Kino, Musik, Mode oder Kunst zu tun gehabt hätte. Nichts. Trotzdem haben sie es mich versuchen lassen.

          Haben Sie eine Ahnung, woher Ihre Träume kamen?

          Alle in meiner Familie haben eine künstlerische Ader insofern, dass unterschiedlichste Kunstformen, Ballett, Oper, Musik starke Empfindungen bei uns auslösen. Als ich klein war, hatten wir wenig Geld. Aber immer lief Musik. Mit vier Jahren kannte ich Prokofjew, Tschaikowsky, Beethoven. Stundenlang saß ich zu Hause und hörte klassische Musik. Und dann hatte ich das Gefühl, dass die Musik mich wegtransportiert. Ich konnte fliegen, ich konnte träumen. Damit ging es los. Als mein Vater einen Videorekorder kaufte, fing ich an, Filme auszuleihen und Pedro Almodóvar, Billy Wilder, die Großen zu entdecken.

          Welche Rolle spielte der Friseursalon Ihrer Mutter?

          Meine Mutter ist eine sehr kluge Frau. Sie war da, machte den Frauen die Haare, aber vor allem hörte sie zu. Und hin und wieder sagte sie etwas. Einige Frauen kamen, um sich die Haare machen zu lassen. Andere kamen, um zu reden und meiner Mutter ihre Geheimnisse und Probleme anzuvertrauen. Als ginge man halb zum Friseur, halb zum Psychologen. Ich habe das klar erkannt und fand es faszinierend, all diese Persönlichkeiten zu sehen. Ich saß über meinen Büchern und tat, als würde ich lernen. In Wirklichkeit habe ich das Verhalten der Frauen studiert. Das war eine großartige Schauspielschule.

          Was war am wichtigsten für Ihren Erfolg? Talent? Glück? Aussehen? Disziplin? Pedro Almodóvar?

          Das weiß ich nicht.

          Sie können keine Reihenfolge für mich aufstellen? Erstens, zweitens?

          Nein. Wenn es gut läuft, liegt das an einer Kombination von Dingen. Außerdem muss der Moment passen, das war bei mir oft der Fall. Da kommt dieses Karma-Ding ins Spiel.

          Zeit für die Fans ist immer da: Autogramme und Selfis bei der Deutschlandpremiere von „Zoolander No.2“
          Zeit für die Fans ist immer da: Autogramme und Selfis bei der Deutschlandpremiere von „Zoolander No.2“ : Bild: dpa

          Karma-Ding? Was ist das?

          Warum bekomme ich zu einem bestimmten Zeitpunkt den Anruf, um für eine bestimmte Rolle vorzusprechen? Der Bedarf ist just in diesem Moment da, und es gibt diese Frau, die überzeugt ist, dass ich die Richtige sei. Und so kommt es dann.

          Glauben Sie an irgendetwas, das solche Karma-Momente herstellt?

          An Energie und daran, dass alles miteinander zusammenhängt. Ich weiß nicht, ob ein Teil irgendwo geschrieben steht, aber den anderen Teil schaffen wir andauernd selbst, mit unseren Gedanken. Von dem Moment an, da Sie als kleines Kind zwei oder drei Stunden am Tag damit beschäftigt sind, ihre Zukunft herbeizuphantasieren...

          Wie Sie es als Kind getan haben.

          Wenn Sie davon träumen, Arzt zu sein, haben Sie größere Chancen, tatsächlich Arzt zu werden, als jemand, der sich etwas anderes oder gar nichts vorstellt. Das glaube ich wirklich. Mit unseren Gedanken tragen wir dazu bei, unsere Zukunft zu gestalten. Natürlich nicht komplett. Das Leben lehrt uns manchmal auch durch schockierende Überraschungen. Aber ich bin überzeugt, dass wir einen Teil mitgestalten. Der Schlüssel ist, nicht mit dem Träumen aufzuhören. So, wie wir das als Kinder oder Teenager getan haben. Wenn man sich dabei ertappt, nicht mehr so zu träumen wie mit zehn oder 15 Jahren, ist das ein Alarmzeichen: Vorsicht! Weil wir auch erträumen müssen, was wir sein wollen, wenn wir 60, 80 oder 100 Jahre alt sind. Selbst wenn wir nicht die totale Kontrolle haben, nicht einmal zur Hälfte. Aber wenn wir jetzt nicht anfangen . . .

          Wovon träumt jemand, der so viel erreicht hat wie Sie?

          Da gibt es so viel. Weisheit zum Beispiel, Dinge, die wir kennenlernen wollen, sich selbst, das Leben, andere. Das ist eine ewige Suche, auch für mich. Ziele im Job? Erfolg im Beruf? Das ist nur eine Seite des Lebens. Es ist wichtig, sich auch andere Seiten seines Lebens vorzustellen. Ich frage mich manchmal: Wie möchte ich mit 80 sein?

          Und?

          Alles dreht sich um die Hoffnung, eine gute Gesundheit zu haben. Deshalb lese ich viel über Medizin und Ernährung.

          Sie meinen, Sie tun heute schon etwas für Ihre Gesundheit mit 80?

          Das ist mein Beitrag dazu. Natürlich liegt es nicht nur an mir. Aber wenn ich nicht daran glaube, habe ich schlechtere Chancen.

          Welches Rezept, welchen Trick können Sie mir empfehlen?

          Ernährung finde ich wichtig. Ich mache keine Diäten, aber ich versuche, gesunde, biologisch erzeugte Lebensmittel zu mir zu nehmen. Ich esse alles, Paella, Reis, Fleisch, alle Gemüse, Obst, Fisch. Aber man kann sich beibringen, sich jeden Tag ein bisschen besser zu ernähren. Außerdem kein Alkohol und der Versuch, wieder Sport zu machen, also ein gesunder Lebensstil . . .

          Schlafen Sie genug?

          Nein. Das geht nicht mit zwei kleinen Kindern. Aber das ist okay.

          Arbeiten Sie immer noch so wahnsinnig viel? Früher haben Sie sich fast als Workaholic beschrieben.

          Nein. Ich arbeite viel, weil man arbeiten muss und weil man Dinge zu tun hat, selbst wenn man wie ich nur noch zwei Filme pro Jahr dreht. Ich habe andere Verpflichtungen und Verträge, über die ich sehr froh bin, Designaufträge für verschiedene Firmen, die inzwischen wie ein zweiter Beruf für mich sind, wo ich lerne und wachse. Ich verantworte zum Beispiel mit meiner Schwester die Linie „L’Agent“ für „Agent Provocateur“.

          Cruz über ihren Arbeitskollegen Ben Stiller: „Am Ende des Tages sind alle erschöpft - aber er sieht aus wie morgens früh um acht“
          Cruz über ihren Arbeitskollegen Ben Stiller: „Am Ende des Tages sind alle erschöpft - aber er sieht aus wie morgens früh um acht“ : Bild: AP

          Was Ihre Rolle als Ex-Bademoden-Model noch lustiger macht.

          Wir haben neuerdings tatsächlich Bademoden in unserer Kollektion.

          Wie geht das alles mit zwei kleinen Kindern?

          Meine Familie hat Priorität. Ich erziehe meine Kinder, also braucht das die meiste Zeit. Aber es gibt Zeiten, in denen ich arbeite. Der „Zoolander“-Dreh hat drei Monate gedauert.

          So lange sind Sie dann weg?

          Nein. Wir bleiben alle zusammen. Mein Mann und ich wechseln uns ab. Wir waren für die Dreharbeiten gemeinsam in Rom, vorher waren wir alle zusammen in Australien für seinen Film. So läuft das. Aber all die anderen Dinge, viele Besprechungen kann ich auch zu Hause erledigen. Ich bin sehr organisiert. Und früher habe ich vier Filme im Jahr gedreht.

          Was bedeutet Familie für Sie?

          Alles. Ich bin so erzogen worden, meine Eltern und Geschwister waren immer eine enge Gemeinschaft. Für mich ist Familie die Grundlage.

          Penélope Cruz

          Die Frau: 1974 bei Madrid als ältestes von drei Kindern einer kleinbürgerlichen Familie geboren. Die Männer: Nach Beziehungen zu Tom Cruise und Matthew McConaughey seit 2010 mit Kollege Javier Bardem verheiratet, die Kinder kommen 2011 und 2013 zur Welt. Entdecker, Förderer, Freund: der Regisseur Pedro Almódovar. Das Werk: Durchbruch mit 18 in „Jamón, Jamón“, internationale Erfolge mit Almodóvar, zum Beispiel in „Volver“, Oscar für Woody Allens „Vicky Cristina Barcelona“. Aktuell: „Zoolander 2“ von und mit Ben Stiller kommt am Donnerstag ins Kino.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Menschen in der Wiesbadener Fußgängerzone

          Sinkende Impfbereitschaft : Sorgen vor dem Corona-Herbst

          Während die Infektionszahlen weiter steigen, lassen sich immer weniger Menschen gegen das Virus impfen. In Berlin wachsen die Befürchtungen, dass neue Einschränkungen nötig werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.