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Schauspielerin Olivia Colman : „Ich bin eher eine Einsiedlerin“

  • -Aktualisiert am

Spätestens seit ihrer Rolle in „Broadchurch“ ist Olivia Colman international bekannt. Jetzt ist für „The Favourite“ für den Oscar nominiert. Bild: dpa

Für ihre Rolle als Königin Anne hat die Schauspielerin Olivia Colman den Golden Globe bekommen – und ist nun für den Oscar nominiert. Ein Gespräch über Feminismus, Instagram und ungefragte Fotos.

          Frau Colman, Sie spielen in „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ die britische Königin Anne, die im 18. Jahrhundert regierte. Nicht gerade die bekannteste unter den Monarchinnen Ihrer Heimat, nicht wahr?

          Da haben Sie wohl recht. Ich erinnere mich nicht einmal daran, früher im Geschichtsunterricht etwas über Queen Anne gelernt zu haben. Und ich bin mir recht sicher, dass ich mir das gemerkt hätte, denn ihre Geschichte ist ja alles andere als uninteressant, von den 17 tot geborenen oder früh gestorbenen Kindern bis hin zu der Tatsache, dass sie nach der Vereinigung von England und Schottland damals die erste Regentin des Königreichs Großbritannien war. Dass man sie derart vergessen hat, ist eigentlich ziemlich traurig.

          Schenkt man Ihrem – selbstverständlich sehr fiktiven – Film Glauben, war sie womöglich nicht die fähigste unter den britischen Königinnen, oder?

          Lassen Sie es mich so sagen: Sie ist vor allem in ihrer Entwicklung auf dem Stand eines verwöhnten Teenagers stehengeblieben. Zumindest in unserer Version, so wie ich sie gespielt habe. Was vermutlich auch kein Wunder ist, schließlich wurde sie zeitlebens wie ein Kind behandelt, jede Verantwortung wurde ihr immer und überall abgenommen. Vermutlich musste sie sich noch nicht einmal je selbst den Hintern abwischen!

          Sieht man sich das machtgeile Geschacher und die Intrigen in „The Favourite“ so an, fragt man sich, ob der Film womöglich auch als Kommentar auf unsere politische Gegenwart verstanden werden kann...

          Puh, ich weiß nicht, ob ich die Richtige bin, da politische Parallelen zu ziehen. Aber es ist ja nicht ohne Grund so unerwartet stimmig, dass wir im Film nicht die Sprache der damaligen Zeit verwenden, sondern moderne Dialoge wie aus dem Hier und Jetzt sprechen. Und wenn ich mir so ansehe, was in „The Favourite“ so vor sich geht am Hof und in der Regierung, in Sachen Lust und Sex und Manipulation und Macht, dann würde ich zumindest denken, dass wir ganz offensichtlich seit damals nicht viel dazugelernt haben, oder?

          In dem Film stehen drei Frauen im Zentrum, die Männer sind Nebensache. Hatten Sie mal das Gefühl, Gender- und Gleichberechtigungsdebatten überschatteten womöglich Ihre Arbeit?

          Kein bisschen. Es ist doch richtig und wichtig, über solche Themen immer wieder zu sprechen. Das wird auch erst aufhören, wenn wir wirkliche Gleichberechtigung erreicht haben. Vollkommen zu Recht, denn ich finde, wir brauchen eine 50/50-Gleichheit in allen Bereichen, nicht nur vor der Kamera. Dass die Verteilung im Berufsleben dieselbe ist wie in den Geburtsstatistiken.

          Finden Sie, dass in der Filmbranche genug in dieser Hinsicht getan wird?

          Mehr, aber nicht genug. Jeder, der oder die in unserer Branche Entscheidungsgewalt hat, sollte sich bei jeder Figur in einem Drehbuch fragen: Muss die männlich sein? Und muss die weiß sein? Wenn die Antwort nein lautet, gilt es dringend, ganz bewusst mal für Abwechslung zu sorgen.

          Hatten Sie je Berührungsängste mit dem Wort „Feministin“?

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