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Michelle Pfeiffer im Interview : „Wir Schauspieler sind immer noch in Quarantäne“

  • -Aktualisiert am

Michelle Pfeiffer bei der Premiere des Film „Mord im Orient-Express“ 2017 in London Bild: dpa

Vor mehr als 40 Jahren gab Michelle Pfeiffer ihr Filmdebüt. Im Interview spricht die Schauspielerin über ihre schwierigste Rolle, das Drehen unter Corona-Bedingungen – und warum sie noch nie mit ihrem Mann zusammengearbeitet hat.

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          Frau Pfeiffer, in „French Exit“ spielen Sie eine ziemlich exzentrische, skurrile Frau. Entspricht der schräge Humor des Films Ihrem eigenen?

          Ich wünschte, ich wäre so witzig und geistreich wie meine Figur Frances! Anders als sie bin ich leider – wie wohl die meisten – viel zu sehr damit beschäftigt, höflich zu sein und auf die Gefühle anderer Menschen Rücksicht zu nehmen. Wahrscheinlich hat mich die Rolle deswegen so gereizt: Da konnte ich mal all das ausleben, was ich nicht bin, also eine emotionale und psychologische Abrissbirne, die ihren Humor als Bewältigungsmechanismus nutzt.

          Macht es die Sache leichter oder schwerer, wenn Sie jemanden spielen müssen, der ganz anders ist als Sie selbst?

          Das kann in beide Richtungen gehen. Manchmal fällt es mir besonders schwer, jemanden zu verkörpern, der mir sehr ähnlich ist. Aber es kann auch das Gegenteil eintreten. Wenn eine Figur weit weg ist von mir selbst, kann es schwierig werden, emotional einen Anker auszuwerfen. Ich habe mal im Film „Weißer Oleander“ eine Mörderin gespielt. Das war die vielleicht schwierigste Rolle meiner Karriere, einfach weil ich beim besten Willen nichts an dieser Frau fand, was ich mochte oder irgendwie in Bezug zu mir selbst setzen konnte. Da war jeder Tag vor der Kamera verdammt harte Arbeit, die keinen Spaß gemacht hat.

          Sie haben einmal gesagt, dass Sie lange brauchen, bis Sie sich auf eine Rolle einlassen, dann aber geradezu süchtig nach Ihrer Figur sind. Haben Sie am Ende eines Films Entzugserscheinungen?

          Habe ich wirklich von Sucht gesprochen? Hingabe ist vielleicht das bessere Wort. Wenn ich mich für ein Projekt entschieden habe, bin ich mit vollem Herzen und Einsatz dabei. Und zwar vom Moment der Zusage bis zum Ende der Produktion. Schon lange bevor ich vor der Kamera stehe, bin gedanklich dann bei der Rolle. Wahrscheinlich drehe ich auch deswegen vergleichsweise wenig Filme: Das ist einfach oft viel zu anstrengend. Genau deswegen kann am Ende aber von Entzugserscheinungen keine Rede sein. Da bin ich so erschöpft, dass ich froh bin, wenn ich die Rolle hinter mir lassen kann.

          Sie galten lange als sehr wählerisch, was Ihre Arbeit angeht, aber zuletzt drehten Sie wieder häufiger. Haben Sie die Freude am Job wiedergefunden, oder gibt es inzwischen einfach bessere Rollen?

          Vermutlich beides. Tatsächlich las ich über lange Zeit kaum Drehbücher, die ich überzeugend fand. Das war aber auch die Zeit, in der meine Kinder noch klein waren, deshalb war ich vermutlich gedanklich gar nicht so offen für neue Projekte. Ich musste ja jedes Mal genau abwägen, wo und wie lange gedreht wird und ob es mir das wert ist. Je älter die beiden wurden und je absehbarer das Ende ihrer Schulzeit war, desto mehr rückte die Arbeit wieder in den Fokus. Und prompt gab es auch mehr Angebote, die mich interessierten. Tatsächlich macht mir das Drehen so viel Spaß wie lange nicht mehr. Wenn nur Corona nicht wäre.

          Stresst Sie das Arbeiten unter Pandemie-Bedingungen?

          Ich drehe gerade den neuen „Ant-Man“-Film in London, das ist mein zweiter Job seit dem Beginn der Pandemie. Das Maskentragen und die Tests sind mühsam, aber halb so schlimm, und ich fühle mich hier in England auch nicht unsicher, schließlich sind viele Menschen geimpft.

          Sie selbst sicher auch, oder?

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