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Christine Baranski : „Bis heute nenne ich Meryl rock chick!“

  • -Aktualisiert am

Broadway-Diva und Rocker-Braut: Christine Baranski (links) mit Amanda Seyfried (Mitte) und Julie Walters in „Mamma Mia: Here we go again“ Bild: dpa

Zehn Jahre nach „Mamma Mia!“ ist Christine Baranski nun auch in der Fortsetzung dabei. Ein Interview über ihre innere Rock-Braut, ihre erste Begegnung mit Cher und Bedingungen, die Meryl Streep gestellt hat.

          Frau Baranski, vor zehn Jahren wurde „Mamma Mia!“ zum Sensationserfolg. Warum hat es so lange gedauert, bis eine Fortsetzung gedreht wurde?

          Natürlich gab es direkt nach dem ersten Teil schon Überlegungen für eine Fortsetzung, so wie in Hollywood üblich. Und ich glaube, dass wir Schauspieler dafür auch alle offen waren, denn wir hatten an den Dreharbeiten viel Freude. Für Meryl Streep war aber die Bedingung, dass Benny Andersson von Abba wieder mit von der Partie ist, so wie beim ersten Film. Bis dann wirklich alles unter Dach und Fach und unsere Produzentin Judy Craymer zufrieden war mit einem Drehbuch, das nicht bloß ein fader Aufguss ist, vergingen Jahre. Ich hätte es auch nicht schlimm gefunden, wenn am Ende gar nichts draus geworden wäre. Denn schon der erste „Mamma Mia!“ war ein kleines Wunder, weil sich das Musical unglaublich schwer von der Bühne auf die Leinwand übertragen ließ.

          Haben Sie damals eigentlich zunächst die Nase gerümpft: Sie als Sondheimerprobte Broadway-Diva sollten plötzlich Popsongs von Abba singen?

          Im Gegenteil: Ich war begeistert von der Idee. Ich würde tatsächlich behaupten, dass alles andere ein Kinderspiel ist, wenn man einmal „Sweeney Todd“ oder eines der anderen Sondheim-Musicals gemeistert hat. Aber das heißt ja nicht, dass ich nicht auch andere Musik großartig finde. Gerade die Songs von Abba, die doch bei jedem Erinnerungen an die Siebziger und Achtziger wecken, habe ich als emotional befreiend erlebt.

          In welchem Sinne das denn?

          Plötzlich konnte ich meine innere Rock- und Pop-Braut herauslassen! Meine Solonummer war „Does Your Mother Know“, eine ziemlich sexy Rock’n’Roll-Nummer. Dass ich als Frau im besten Alter das für einen knackigen jungen Kerl singen durfte, war ungewöhnlich – und ein großer Spaß. Überhaupt die Tatsache, dass Meryl, Julie Walters und ich in unserem Alter in diesen verrückten Disco-Spandex-Outfits und hohen Stiefeln über die Bühne toben durften – fabelhaft! Bis heute schreibe ich in jeder Mail an Meryl als Anrede: „My dear rock chick!“

          In „Mamma Mia: Here We Go Again“ ist nun sogar ein echtes rock chick dabei.

          Ja, niemand Geringeres als Cher! Ich war vollkommen aus dem Häuschen, als ich ihr das erste Mal begegnete. Natürlich musste ich unbedingt loswerden, dass sie für mich als dürres Mädchen mit schlechter Haut damals in Buffalo, New York, die coolste Frau auf dem Planeten war. Niemand bekam mich vom Fernseher weg, wenn „The Sonny & Cher Show“ lief. Und dann erzählte sie von damals, zum Beispiel, dass es kein Budget für Kostüme gab und eigentlich alle Klamotten aus ihrem privaten Kleiderschrank stammten. Ich musste mich wirklich kneifen, weil ich kaum glauben konnte, neben wem ich da gerade plaudernd sitze, während wir auf unsere gemeinsame Szene warten.

          Cher gilt als Ikone schwuler Männer. Sie selbst haben auch eine große schwule Fangemeinde, nicht wahr?

          Nicht annähernd in dem Ausmaß wie Cher allerdings. Robin Williams machte mich in den neunziger Jahren zum ersten Mal darauf aufmerksam. Wir drehten den Film „The Birdcage“, und er fragte mich, ob ich eigentlich wisse, wie beliebt ich in San Francisco sei. „Alle schwulen Männer schalten jede Woche den Fernseher ein, um dich zu sehen“, sagte er.

          Damals spielten Sie eine Nebenrolle in der Sitcom „Cybill“.

          Genau, und Maryann, meine Figur, wurde irgendwie zu einem kleinen Phänomen. Eine Frau von über 40 Jahren, die teuerste Designer-Fummel trägt, schon mittags Martinis kippt und beim Lunch mit ihrer besten Freundin über Männer lästert – das war damals eine echte Sensation. Zumindest im amerikanischen Fernsehen, denn das war ja noch vor der Zeit von „Sex and the City“ oder „Will & Grace“. Die Briten hatten schon Joanna Lumley in „Absolutely Fabulous“, aber ausgerechnet diese Show hatte der „Cybill“-Erfinder Chuck Lorre nie gesehen.

          Christina Baranski: Bei der Premiere des Kinofilms „Mamma Mia! Here We Go Again“ am Montagabend in London.

          Apropos Joanna Lumley: Kennen Sie die lustige „Mamma-Mia!“-Parodie, die vor vielen Jahren für eine Benefiz-Sendung der BBC gedreht wurde?

          Selbstverständlich! Die ist wirklich köstlich, nicht wahr? Jennifer Saunders als Meryl Streep mit ihren Halstüchern – sensationell! Und wie Joanna mich und meine Tanz-Bewegungen veräppelt, das ist einfach großartig. Überhaupt ist sie eine wunderbare Frau. Wir haben uns mal persönlich kennengelernt, allerdings noch vor diesem witzigen Sketch. Damals stand ich mit ihrem Freund Mark Rylance am Broadway auf der Bühne, und er brachte sie mit zu einer Dinner-Party in meinem Haus in Connecticut. Wir haben uns prächtig verstanden.

          Wir können unser Gespräch natürlich nicht beenden, ohne noch kurz auf Diane Lockhart zu sprechen zu kommen. Sie spielten die Anwältin sieben Staffeln lang in „The Good Wife“ und nun auch schon zwei weitere Staffeln im Ableger „The Good Fight“. Verliert man über so lange Zeit nicht die Lust an einer Figur?

          Nicht wenn sie so facettenreich und komplex ist wie diese. Abgesehen davon stand Diane die sieben Jahre bei „The Good Wife“ ja nicht im Mittelpunkt. Ich hatte also genug Zeit, um mich warmzulaufen und nun noch einmal sehr viel tiefer in diese Figur einzudringen. Außerdem hat die politische Entwicklung in Amerika dem Geschehen in „The Good Fight“ ja noch einmal eine ganz neue Dimension hinzugefügt. Durch Trumps Wahlsieg geht es jetzt darum, ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie wirklich etwas aus den Fugen gerät. Gesamtgesellschaftlich, aber auch ganz individuell im Leben von Diane Lockhart. Für mich als Schauspielerin ist das ein Geschenk.

          Ist das nach all den Jahren die Rolle, auf die Sie in der Öffentlichkeit am häufigsten angesprochen werden?

          Lustigerweise nicht. Am häufigsten erkannt werde ich, weil ich in „The Big Bang Theory“ die Mutter von Leonard spiele. Das sind ja wirklich nur gelegentliche Gastauftritte, die ich da habe. Aber es ist erstaunlich, welche Wirkung es hat, in einer der erfolgreichsten Comedy-Serien der Welt die Mutter des Protagonisten zu spielen. Wenn mich mal jemand um Selfies bittet oder irgendwo an einer Eintrittsschlange einfach durchwinkt, dann meistens wegen dieser Rolle.

          Zur Person

          Christine Baranski ist fleißig wie wenig andere Schauspieler. Für ihre Auftritte in Theaterstücken und Musicals gewann sie zweimal den Tony Award. Die Sitcom „Cybill“ brachte ihr in den Neunzigern einen Emmy ein, später war sie unter anderem in „Frasier“, „Ugly Betty“ und „The Big Bang Theory“ zu sehen. Seit 2009 verkörpert sie die Anwältin Diane Lockhart, zunächst in „The Good Wife“ und seit 2017 im Ableger „The Good Fight“, dessen zweite Staffel in Deutschland bei Sky läuft. Sie war auch in den Kinofilmen „The Birdcage“, „Eiskalte Engel“ und „Chicago“ zu sehen. Zehn Jahre nach „Mamma Mia!“ ist die Sechsundsechzigjährige, die mit ihrem verstorbenen Mann Matthew Cowles zwei erwachsene Töchter hat, nun auch in der Fortsetzung „Mamma Mia: Here We Go Again“ dabei (von Donnerstag an im Kino). Unser Bild zeigt sie bei der Premiere des Films am Montagabend in London.

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