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Schauspielerin Carey Mulligan : „Ich sah aus wie ein Junge – furchtbar“

  • -Aktualisiert am

Bekannt durch „An Education“, „Wall Street: Geld schläft nicht“, „Drive“, „Shame“ und „Der große Gatsby“: Carey Mulligan im April in New York Bild: interTOPICS/Shooting Star

Mit sozialen Netzwerken hat sie ein Problem, an die Kindheit in Düsseldorf erinnert sie sich besser als an die Zeit in Hannover, und die Kurzhaarfrisur war die falsche Entscheidung: Ein Treffen mit der Schauspielerin Carey Mulligan, die mit „Drive“, „Shame“ und „The Great Gatsby“ berühmt wurde.

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          Das Soho Hotel in London, die Sonne bricht durch die Wolkendecke. Jetzt sitzt sie hier, im Vionnet-Anzug und mit trockener Kehle, die Haare streng zurückgebunden: Carey Mulligan, gerade dreißig geworden, ist höflich, aber distanziert. Sie umgibt immer eine gewisse Ernsthaftigkeit. Die Schauspielerin wuchs in Hannover und Düsseldorf auf, ihr Vater ist Manager einer Kette von Luxushotels. Zum ersten Mal stand sie in Deutschland auf der Bühne, als Kind spielte sie an der Schule in „Der König und ich“. Seitdem ist viel passiert. Carey Mulligan gibt nur selten Interviews, und sie bleibt ihrem Leitspruch treu: „Je weniger die Leute über mich wissen, umso besser ist es.“

          Frau Mulligan, wollen wir der Einfachheit halber Deutsch reden?

          (lacht) Nope. Ich spreche wirklich schlecht Deutsch.

          Ganz schlecht kann es nicht sein, meine Frage haben Sie ja verstanden.

          Das letzte Mal habe ich auf der Berlinale vor sechs Jahren Deutsch gesprochen. Alle sprachen Deutsch. Also habe ich es zumindest versucht. Ob mich jemand verstanden hat, weiß ich aber nicht, wir waren alle schon sehr betrunken.

          Googlen Sie sich manchmal selbst?

          Ich hab das mal gemacht. Ich versuche es zu vermeiden, vielleicht einmal im Jahr. Ich bin da sehr panisch, ich lese auch keine Rezensionen und nichts in Foren. Als ich las, dass ich für „Gatsby“ eine Fehlbesetzung sei, habe ich erst mal geweint und meine Mutter angerufen.

          Wenn man Ihren Namen eingibt, wird als Ergänzung „speaks German“ vorgeschlagen. Wissen Sie das?

          Dass ich Deutsch rede?

          Nein, dass das vorgeschlagen wird.

          Ernsthaft? Ist das so? Das müssen wir unbedingt geradebiegen. Das stimmt einfach nicht.

          Deutsch war immerhin die Sprache, mit der Sie aufgezogen worden sind. Was sollte denn Ihrer Meinung nach vorgeschlagen werden?

          Carey Mulligan (überlegt) ... is nice. (lacht)

          Stört es Sie nicht, wenn man Ihnen die Attribute „nice“ und „cute“ zuschreibt?

          Nein, das ist doch besser, als wenn alle sagen würden: „Oh, das ist diese fürchterliche Schreckschraube.“ Das ist schon in Ordnung. Obwohl „cute“ natürlich schon herablassend klingt. Ich will auch nicht immer „die Nette“ spielen. Und die Rollen, die ich gespielt habe, waren eigentlich nie nett. Daisy in „Gatsby“ ist nicht nett, Jean in „Inside Llewyn Davis“ ist nicht nett, Sissy in „Shame“ ist nicht nett, und die Rolle der Bathsheba in „Am grünen Rand der Welt“ ist jetzt so ein Mittelding.

          In diesem Ihrem neuen Film spielen Sie eine starke, eigenwillige Frau, die von drei Verehrern – einem Schäfer, einem Gutsbesitzer und einem Offizier – umgarnt wird, die sie aber alle vor den Kopf stößt.

          Bathsheba ist einzigartig, unabhängig, sie ist ihrer Zeit voraus. Sie vertraut auf ihren Instinkt, und sie ist ehrlich. Mit ihren Gefühlen und Problemen können sich viele Frauen auch heute identifizieren.

          Mulligan setzte sich gegen ihre Eltern durch, die von ihren Schauspielplänen zunächst nichts hielten.

          Regisseur Thomas Vinterberg sagte, es falle ihm schwer, zwischen der Figur und Ihnen zu unterscheiden. Sie glichen sich sehr.

          Ich weiß! Es ist so ulkig, dass er das gesagt hat. Ich glaube, das liegt daran, dass er mich den ganzen Tag im Kostüm hat rumrennen sehen. Vielleicht hat er auch Wahrnehmungsstörungen. Ich glaube, er meint, ich sei sehr eigensinnig. Und das stimmt. Wir hatten viele Gespräche vor und während der Dreharbeiten. Er will immer deine Meinung wissen, und meine Meinung habe ich ihm sehr deutlich gemacht.

          Was haben Sie mit Bathsheba gemein?

          Wir sind beide unabhängig. Bathsheba weiß, was sie will. Zumindest am Anfang. Ich war immer fest entschlossen, Schauspielerin zu werden. In der Hinsicht ähneln wir uns sehr. Ich kann manchmal störrisch sein, und das ist sie auch.

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