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Anouschka Renzi : „Jungsein allein ist nicht interessant“

Bezeichnet sich selbst als „wildes Tier“ auf der Bühne: Anouschka Renzi Bild: Jens Gyarmaty

Schönheitsoperationen und Seifenopern: Anouschka Renzi war lange die Projektionsfläche für den Boulevard. Heute kämpft sie um Anerkennung in einer Branche, die es Frauen nicht immer leichtmacht.

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          Bei einer Theaterpremiere steht sie plötzlich vor mir und fragt: „Entschuldigen Sie, wissen Sie, wer hier der Intendant ist?“ Ich erkenne sie sofort. Alle erkennen sie in diesem Raum. Dunkle Augen, volle Lippen, eine tiefe Stimme. Anouschka Renzi, Schauspielerin, Tochter berühmter Eltern, Dauer-Protagonistin im Boulevard. An diesem Abend trägt sie einen grauen Hosenanzug und eine Schiebermütze. Von weitem sehe ich sie später neben dem Intendanten stehen. Dann steht sie wieder vor mir. Wir kommen ins Gespräch, trinken einen Wein, und sie hinterlässt mir ihre Telefonnummer.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zwei Monate später sind wir im Café Einstein in Berlin verabredet. Anouschka Renzi versteht den Auftritt. Sie kommt zur Tür herein und schreitet durch den Raum. Dann verkriecht sie sich in den Tiefen der Ledersitze, als wolle sie nicht gesehen werden. Es sind ihre zwei Seiten: groß und extrovertiert, zart und verletzlich zugleich. Sie wolle keine Opfer-Geschichte von sich lesen, hatte sie am Telefon gesagt. Zu oft war sie von den Medien enttäuscht worden. Manches Mal hatte sie sich selbst um Kopf und Kragen geredet. Oder sie hatte gar nicht geredet. Aber in der Zeitung stand trotzdem was.

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