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Lindenberg-Darsteller Bülow : „Zum Casting hatte mich keiner eingeladen“

  • -Aktualisiert am

„Zu meinem Beruf gehört ein dauerhafter leichter Angstzustand“: Bülow als Udo in jungen Jahren Bild: Sandra Hoever

Jan Bülow ist noch nicht lange raus aus der Schauspielschule und spielt jetzt im Film Rock-Ikone Udo Lindenberg. Im Interview erzählt er, warum ein leichter Angstzustand für ihn zum Beruf gehört.

          7 Min.

          Die Location für das Interview könnte nicht besser passen. Jan Bülow sitzt in einer Suite des Hamburger Hotels „Atlantic“, wo sich auch Udo Lindenberg seit Jahrzehnten als Dauergast eingemietet hat. Bülows Abendgarderobe für die Premiere hängt frisch gesäubert in einer Reinigung, dummerweise in Wien, wo er sie vor seiner Abreise am 6. Januar abholen wollte. Was der Berliner und Neu-Wiener Bülow nicht bedacht hatte: Das ist in Österreich ein Feiertag. Jetzt trägt er einen rosa-weißen Designer-Trainingsanzug, dazu Smokingschuhe. Was bei anderen schräg wirken würde, passt bei ihm irgendwie zusammen – wie viele andere Kontraste in seiner Blitzkarriere.

          Udo Lindenberg sagt, Sie seien beide schüchtern, ein bisschen verklemmt, mit Tendenz zum Durchdrehen und Mistbauen. Ist das tatsächlich die Schnittmenge aus Bülow und Lindenberg?

          Das sollte witzig sein. Aber ich glaube, ich weiß, was er mit schüchtern meint. Eigentlich sind wir beide keine schüchternen Menschen. Aber ich habe durch meine Arbeit im Theater mittlerweile einige Größen kennengelernt. Und es ist faszinierend, wie bescheiden dann doch viele dieser Stars sind. Es gibt bei Menschen, die mich beeindrucken – und zu denen gehört auch Udo –, so eine gewisse Zurückhaltung. Udo weiß natürlich, wie er zappeln muss, wenn er mit dir über den roten Teppich geht. Aber mein erster Eindruck von ihm war vor allen Dingen der eines superhöflichen Gastgebers. Er hat sich extrem Mühe gegeben und nicht den Udo oder den Star raushängen lassen. Es geht vielen von uns so: Wir haben die größte Lust darauf, in die Öffentlichkeit zu treten, und trotzdem ist da dieses schlimme Lampenfieber. Bevor ich vor der Premiere auf den Teppich musste, haben mir vor Aufregung die Beine gezittert. Auf dem Teppich ging es dann plötzlich wieder. Aber sobald der erste Rummel vorbei ist, fangen die Beine wieder an zu zittern. Lampenfieber ist auch eine Form von Schüchternheit.

          Wie wir im Film sehen, hat Udo Lindenberg sein Lampenfieber mit reichlich Alkohol medikamentiert.

          Menschen, die erfolgreich sind, sind trotz allem stark von Selbstzweifeln geprägt. Die sind sich ihrer Sache nie wirklich sicher. Ich selbst war mir meiner Sache während der Dreharbeiten, während meines ersten Jahrs am Theater und auch jetzt nie sicher. Ich glaube sogar, dass mich eher die Angst davor, was ich alles falsch machen könnte, dazu getrieben hat, mich so diszipliniert auf diesen Film vorzubereiten. Zu meinem Beruf gehört ein dauerhafter leichter Angstzustand. Und an Premieretagen ist mir eigentlich den ganzen Tag übel. Aber komischerweise ist das Fluch und Segen. Denn man macht ja alles dafür, um nach der Vorstellung dieses Gefühl von Erleichterung zu empfinden, wenn die Leute dir sagen: Es war gut. Auch während der Dreharbeiten war ich dauerhaft aufgeregt.

          Haben Sie Udo Lindenberg vor den Dreharbeiten getroffen oder das bewusst vermieden?

          Ich habe gesagt, ich will ihn unbedingt kennenlernen. Für mich war das auch ein sehr entscheidender Punkt in meiner Vorbereitung. Ich wollte ihn erleben, auch in einem etwas privateren Kontext. Das ist doch viel besser, als sich diverse Videos und Dokumentationen anzusehen. Ich wollte verstehen, was ihn antreibt, warum er so eigentümlich und damit gleichzeitig so erfolgreich ist, woher das kommt.

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