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Jeff Goldblum im Interview : „Ich fühle mehr Liebe als je zuvor“

„Es ist ein Vergnügen, am Leben zu sein“: Jeff Goldblum am Mittwoch im Admiralspalast in Berlin. Bild: Andreas Pein

Schauspiel-Ikone Jeff Goldblum kann fast alles. Jetzt spielt er sogar Jazz in Berlin! Und redet im Interview über seinen Hund, seine Babys und seine Therapeutin.

          Es ist erst wenige Tage her, dass er die verheerenden Waldbrände in Kalifornien von seinem Haus in den Hollywood Hills riechen konnte. Jetzt empfängt Jeff Goldblum in einem Berliner Hotel, bevor er am Abend sein einziges Konzert in Deutschland geben wird. Ja, richtig: Der Schauspieler, der in mehr als 60 Filmen zu sehen war und als Wissenschaftler in „Jurassic Park“ und „Independence Day“ (plus Sequels) Kultstatus erlangte, tritt in seiner Wahlheimat Los Angeles schon seit dreißig Jahren als Jazzpianist auf. Gerade hat er mit seinem „Mildred Snitzer Orchestra“ und Gästen wie Till Brönner und Sarah Silverman sein erstes Album aufgenommen. Abends auf der Bühne wird er den jovialen Entertainer geben, bereitwillig für Selfies posieren und von seiner 35 Jahre alten Frau und den Söhnen Charlie Ocean (3) und River Joe (1) erzählen.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber schon im Interview entpuppt sich der Mann, der von einem britischen Magazin kürzlich zum „coolsten Typen Hollywoods“ ernannt wurde, als Nettigkeit in Person: charmant, zugewandt und überraschend auskunftsfreudig. Er trägt ein grellbuntes Prada-Hemd zu einem schmalen Stretchanzug und führt beim Sprechen vor, was er mit seinem ausdrucksstarken Gesicht alles anzustellen vermag. Und er genehmigt sich die erste Frage:

          Wie heißen Sie mit Nachnamen?

          Schaaf. Auf Deutsch bedeutet das Schaf.

          Schaf. Wenn ich ein Tier wäre – was wäre ich wohl? Ein Schaf oder etwas anderes?

          Was wären Sie denn gerne?

          Gute Frage. Sie wären kein Schaf, oder?

          Lieber eine Giraffe. Und Sie?

          Haben Sie eine Idee?

          Das müssen Sie schon selber sagen, Sie haben die Frage schließlich aufgeworfen. Aber wir müssen uns ein bisschen sputen. Wir haben nur 25 Minuten Zeit.

          Okay. Halb Delfin, halb Adler.

          Warum?

          Weil ich Wasser mag und diese graue weiche Haut. Und weil ich gerne fliegen könnte.

          Wer könnte das nicht gern ...

          Stimmt. Am Ende wäre ich wahrscheinlich sowieso irgendeine Art von Mistkäfer.

          Sagen Sie: Wenn Sie heute Abend auf die Bühne gehen, was tun Sie in den letzten fünf oder zehn Minuten zuvor?

          Nichts.

          Und wenn Sie eine Filmszene drehen?

          Auch nichts, jedenfalls seit ein paar Jahren nicht mehr. Früher habe ich Kaffee getrunken und versucht, mich irgendwie einzustimmen. Heute sorge ich allenfalls dafür, dass ich so ausgeruht wie möglich bin, dass ich etwas im Magen habe und nichts zwischen den Zähnen. Aber vorher habe ich viel gearbeitet. Das ist wie mit dem Klavierspielen: Ich übe seit 30 Jahren, mein ganzes Leben, jeden Tag.

          Morgens um 5.30 Uhr, stimmt’s?

          Manchmal. Wenn ich es dann nicht schaffe, auch später. Aber ich bin gewissenhaft. Der Schauspielerei habe ich mein Leben verschrieben; sobald ich eine Rolle übernehme, beginne ich mit der Vorbereitung. Nur am Tag selbst, da tue ich nichts. Das habe ich aufgegeben. Ich befinde mich in einer neuen Ära des Zutrauens in mich selbst.

          Und warum spielen Sie Jazz?

          Schon als Kind, als ich mit Klavierstunden anfing, hat diese Musik körperlich etwas mit mir gemacht. Das tut sie bis heute: die Rhythmen, die Akkorde, die Melodien. Und ich liebe Improvisation. Ich weiß vorher nicht, was ich tun werde. Ich vertraue darauf, dass ich es kann, und wenn es so weit ist, tue ich es einfach. Ich lasse mich selbst in Ruhe. Das haben sie uns schon auf der Schauspielschule beigebracht. Heute bedeutet es mir noch viel mehr.

          Seit 30 Jahren treten Sie nach Möglichkeit wöchentlich in diesem kleinen Club in L. A. auf. Was hat Woody Allen damit zu tun?

          Ich habe 1983 nach den Dreharbeiten zu „Buckaroo Banzai – Die 8. Dimension“ angefangen, mit meinem Schauspielkollegen Peter Weller Musik zu machen. Als er dann mit Woody Allen drehte, und ich hatte bei ihm diese kleine Szene in „Der Stadtneurotiker“ gehabt ...

          Dieser einzige Satz: „Ich habe mein Mantra vergessen.“

          Ja. Jedenfalls erzählte Weller ihm von uns, und Woody Allen riet: Macht das, was ich auch tue; organisiert euch einen wöchentlichen Auftritt, spielt mit guten Musikern, dann werdet ihr besser, und Spaß macht es auch. So ging es los.

          Haben Sie deshalb Ihren Hund nach ihm benannt?

          Nun. Ich mag seine Filme, ich habe nur gute Erfahrungen mit ihm gemacht. Und als meine Frau und ich vor vier, fünf Jahren diesen Hund bekamen und nach einem Namen suchten, sagte ich: Er hat rote Haare, er wirkt lustig – wie wäre es mit „Woody Allen“? Aber eigentlich rufen wir ihn nur Woody.

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