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Ulrich Brandhoff in Cannes : Was sollen denn all die Klappleitern?

Auffällige Nebenrolle: Ulrich Brandhoff (links) mit Numan Acar, Fatih Akin, Diane Kruger und Samia Chancrin am Freitag in Cannes Bild: dpa

Für den Schauspieler Ulrich Brandhoff, Nebendarsteller im Film „Aus dem Nichts“, war Cannes das erste Filmfestival. Unterwegs mit einem, der selbst noch staunt.

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          Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Films sitzt Ulrich Brandhoff in der ersten Reihe. Die morgendliche Präsentation für die Presse ist gut gelaufen, die ersten Twitter-Kommentare über „Aus dem Nichts“ sind wohlwollend. Regisseur Fatih Akin und Hauptdarstellerin Diane Kruger stellen sich auf dem Podium den Fragen. Kruger spielt nervös mit den Fingern und gibt gescheite Antworten, perfekt auch in Französisch. Akin füllt mit seiner Energie den Raum, bringt die Journalisten zum Lachen und gibt auch auf seltsame Fragen („Warum spielen Ihre Filme immer am Meer?“) kluge Antworten. Ulrich Brandhoff hört unten zu.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Cannes ist das erste Filmfestival für den Einunddreißigjährigen aus Thüringen. Er spielt in „Aus dem Nichts“ eine Nebenrolle, aber eine der größeren, die ihm genug Platz und Zeit bietet, um aufzufallen. Und die es ihm ermöglicht, gemeinsam mit Regisseur Akin und Hauptdarstellerin Kruger über den roten Teppich zu gehen.

          Dass das tatsächlich klappt, hat Brandhoff kurzfristig erfahren. Er musste improvisieren. Den Smoking für den Premierenabend hat er sich geliehen. „Bei Abendbekleidung und Brautmoden Paschke in Berlin-Wilmersdorf, die waren ganz goldig.“ Muss er bei den Premieren auch den Kummerbund anlegen? Oder reichen Fliege und schwarze Schuhe? Die reichen. Cannes ist zwar streng, wenn es um den Dresscode auf dem roten Teppich an Premierenabenden geht, aber bei den Herren ist man mit Anzug, Fliege und schwarzen Schuhen zufrieden. Weil die Hotels teuer und seit Monaten ausgebucht sind, hat Brandhoff ein Apartment unweit der Croisette gebucht.

          Aufgeregt: Schauspieler Ulrich Brandhoff
          Aufgeregt: Schauspieler Ulrich Brandhoff : Bild: Tim Dobrovolny

          So musste er zu Fuß zum Hotel, um dort in eine der Limousinen zu steigen, die das Filmteam mit Polizeieskorte und Blaulicht über die palmengesäumte Hauptstraße hinunter zum Festivalpalast fuhr. Am Eingang warteten schon die Fotografen. Großes Geschrei und viele Blitzlichter. „Ich hatte mich gestern Abend noch gefragt, warum hier überall diese Klappleitern rumstehen, die man sonst in der Abstellkammer hat. Jetzt weiß ich’s“, sagt Brandhoff und lacht. Auf die Leitern klettern die Fotografen, um auch aus der zweiten Reihe fotografieren zu können.

          Eine Herausforderung, den Bösen zu spielen

          In „Aus dem Nichts“ spielt Brandhoff einen jungen Mann aus der rechtsextremen Szene, der einen Bombenanschlag auf ein türkisches Geschäft verübt. Die Parallele zu den NSU-Morden ist gewollt. Brandhoffs Spiel ist so gut, dass es im Gedächtnis bleibt. Das war schon so in „Django“, dem Film über den Sinti-Gitarristen Django Reinhardt, der die Berlinale eröffnete. Da spielte Brandhoff einen Nationalsozialisten. Ist das der Fluch, wenn man als deutscher Schauspieler 1,90 Meter groß, blond und blauäugig ist? „Im Moment empfinde ich es noch nicht als Fluch“, sagt Brandhoff. „Es macht Spaß, diese Rollen zu spielen, weil es Geschichte für mich erfahrbar macht.“

          Auf seine Rolle in Akins Film spricht ihn nach der Pressekonferenz doch noch ein französischer Journalist an. Wie das so sei, den Bösen zu spielen? Brandhoff spricht von Herausforderung. Der Journalist will ihn außerdem bei einem anderen Festival dabei haben und drückt Brandhoff zum Abschied seine Visitenkarte in die Hand. Der Schauspieler bedankt sich und wird von einer Hostess weitergezogen. Noch ein kleiner Auftritt mit Crew vor den Fotografen. Dann erst einmal Freizeit.

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