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Schauspieler Jörg Hartmann : Du machst das schon, Junge

„Ich war nicht der jugendliche Liebhaber“

Falk Kupfer war für ihn der Durchbruch. Auf einen Schlag wurde aus einem Theaterschauspieler, den keiner kannte, der nicht regelmäßig an die Berliner Schaubühne ging, ein Fernsehgesicht der ersten Liga. Und das mit Anfang vierzig. Kollegen, die jung zum Star werden, kämpfen später, wenn sie anstelle von Märchenprinzen Fernsehväter spielen sollen und in Interviews ständig über das Erwachsenwerden reden müssen. Hartmann sagt: „Mir war immer klar, ich bin jetzt nicht der Typ, der mit 25 hätte abgehen können. Ich war nicht der jugendliche Liebhaber. Mein Alter hilft mir.“

Erst bekam er den Deutschen Fernsehpreis für „Weissensee“. Dann wurde ihm eine Rolle als „Tatort“-Kommissar angeboten, was trotz der Übersättigung mit Fernsehpolizisten etwas Besonderes ist, weil der Dortmunder Chefermittler als Mischung aus Hofnarr und Psychopath angelegt ist. Hauptkommissar Faber alias Hartmann darf Kollegen vor den Kopf stoßen und Verdächtige anherrschen, er randaliert in seinem Dienstzimmer und prügelt Autos zu Schrott, bis der Baseballschläger in seiner Hand Wunden hinterlässt. Tatsächlich braucht sich Newcomer Hartmann in einer Zeit, da Budgets und Produktionen schrumpfen, nicht um sein Auskommen zu sorgen. „Bei mir läuft es grad richtig gut“, sagt er. Nur in Herdecke fragen sie: „Warum spielst du eigentlich immer sonne Leute? Du bist doch ganz anders, Fackel.“

Die Neigung zur Rampensau blieb

Jetzt fängt Hartmann an zu erzählen. Dass der Spitzname aus Jugendzeiten nichts mit seinen Haaren zu tun habe, sondern mit seiner Vergangenheit als Handballer. „Fackel“, im Jargon ein Spieler mit knallhartem Wurf, sei in seinem Fall eher eine Verballhornung. Der eigentliche Handballer in der Familie sei sein Vater gewesen, ein gelernter Dreher, der später als Hausmeister in einer Sporthalle gearbeitet habe. Und er selbst, ein ursprünglich schüchterner Junge, der still über seinen Zeichnungen brütete, habe mit etwa sieben, acht Jahren auf einer Feier im Kreis der väterlichen Handballmannschaft plötzlich angefangen, wild zu tanzen, einfach so. „Da haben mich meine Eltern nicht wiedererkannt.“

Hartmann weiß nicht mehr, ob er damals Applaus bekommen hat, ob es also eine Bestätigung gab, die ihm seine neu entdeckte extrovertierte Seite zusätzlich schmackhaft machte. „Ich kann mich nur an den Moment erinnern“, sagt er. Aber die Neigung zur Rampensau blieb. Der Jugendliche, der im elterlichen Garten einen Froschteich anlegte und nach der Realschule aufs Gymnasium wechselte, weil er Biologie studieren und Naturschützer werden wollte, machte sich fortan als Kasper einen Namen. Hartmann war ein guter Schüler. Aber bisweilen flog er aus dem Unterricht, weil er mit seinen Albernheiten die gesamte Klasse unterhielt.

Batman statt Rudolf Steiner

Noch den Zivildienst nutzte er in erster Linie für Blödsinn. Er hatte eine Stelle im Krankenhaus Herdecke, einer anthroposophischen Klinik. Aber nicht etwa in der Pflege, was ihm, wie er heute sagt, wahrscheinlich als Erfahrung mal ganz gut getan hätte, sondern in der Buchhaltung, in der Telefonzentrale und an der Pforte. An dieser Pforte kamen jeden Morgen alle Angestellten an einer Art Altar mit blumengeschmücktem Porträt von Rudolf Steiner vorbei, und eines Morgens hing dort statt Steiner ein Bild von Batman.Tausendprozentige - „von denen hatten wir es ja schon“, sagt Hartmann - waren in Aufruhr. Der Zivi feixte stumm. Ein anderes Mal rief er beim technischen Leiter der Klinik an, schmierte ihm auf Sächsisch Honig um den Bart und bot ihm einen Job in Jena an.

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