https://www.faz.net/-gum-9s6c4

Javier Bardem : „Die Reise in die Antarktis hat mir das Herz gebrochen“

  • -Aktualisiert am

Schauspieler Javier Bardem nimmt am 27. September 2019 an einer Demonstration in San Sebastián teil. Die Demonstranten folgen dem Aufruf der Bewegung Fridays for Future und wollen für mehr Klimaschutz kämpfen. Bild: dpa

Der Schauspieler Javier Bardem spricht über seinen neuen Film „Sanctuary“, Hollywoods Engagement in der Klimakrise – und wieso ihm Greta Thunberg leid tut.

          6 Min.

          Herr Bardem, Sie haben auf dem Zürich Filmfestival die von Ihnen koproduzierte Dokumentation „Sanctuary“ vorgestellt. Darin fahren Sie mit Greenpeace-Aktivisten in die Antarktis, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Brauchen wir wirklich einen weiteren Prominenten, der die Umwelt retten will?

          Ich rette überhaupt nichts. Das sind die Menschen von Organisationen wie Greenpeace, die vier Jahrzehnte in diesen Kampf investiert haben. Sie senden uns die revolutionären Botschaften, die uns immer wieder aufrütteln. Aber sind wir bereit, uns und unser ganzes System zu ändern? Wir kennen die Fakten. Aber der Klimawandel findet wesentlich schneller statt, als wir uns vor fünf Jahren vorstellen konnten. Es geht nicht mehr nur darum zu recyclen. Wir müssen unseren Lebensstil radikal ändern. Als Konsumenten haben wir natürlich eine Verantwortung. Aber letztlich ist es Aufgabe der Politik, diesen Zug aufzuhalten.

          Und was ist Ihre Rolle dabei?

          Ich habe keine wirkliche Rolle. Ich hatte nur die Chance, mit einer Kamera auf diesem Schiff mitzufahren, damit Menschen, die sich besser mit diesem Thema auskennen, eine Plattform bekommen. Zuschauer, die wenig über dieses Thema wissen, gehen mit mir auf eine Reise und haben anschließend ein genaues Bild der Lage. Ich versuche zu vermitteln, wie es sich anfühlt, wenn man diese gigantischen Eisberge mit eigenen Augen schmelzen sieht. Es ist heute sehr schwer, die Aufmerksamkeit überhaupt noch auf irgendetwas zu lenken. Niemand kann sich noch länger als zwei Minuten auf etwas konzentrieren. Da ist es wohl etwas zu viel verlangt, sich gleich eine ganze Dokumentation anzusehen.

          Was haben Sie nach den Dreharbeiten in Ihrem Leben verändert?

          Einiges. Aber ich will mich hier nicht als Vorbild auf einen Sockel stellen. Ich kann so wie wir alle nicht alles richtig machen, aber ich arbeite daran. Es gehört zu meinem Beruf zu reisen. Flugzeuge gehören zu den größten Umweltverschmutzern. Ich versuche weniger zu fliegen.

          Und das funktioniert?

          Wenn ich sehe, dass ein Flug weniger als zwei Stunden dauert, dann fahre ich jetzt mit dem Zug, wenn es möglich ist. Und trotzdem ist es eigentlich nicht meine Aufgabe, das Reisen umweltfreundlicher zu machen. Das ist die Aufgabe von Regierungen, Politikern, Experten und Ingenieuren. Fliegen muss nachhaltiger werden. Und dazu muss man das ganze Konzept ändern, damit wir wieder alle fliegen können, ohne die Umwelt zu zerstören. Ich kann meinen Teil beitragen. Aber nur bis zu einem gewissen Grad.

          Sie haben erst kürzlich Ihren Führerschein gemacht. Was für einen Wagen fahren Sie?

          Ein Elektroauto.

          Wie vermitteln Sie Ihren Kindern diese Themen?

          Die muss ich ihnen nicht vermitteln, sie entwickeln selbst ein Bewusstsein dafür. Auch das ist eine große Veränderung, die durch „Fridays for Future“ und andere Bewegungen hervorgerufen wurde. Die beiden sind jetzt gerade einmal sechs und acht Jahre alt und beschäftigen sich damit. Das ist auch ein Thema bei ihnen in der Schule. Und sie weisen uns sogar darauf hin, wenn wir etwas tun, was sie für ökologisch falsch halten.

          Zum Beispiel?

          Sie haben sehr genaue Vorstellungen, wenn es um Mülltrennung geht. Ich finde das faszinierend. Ich hatte mit acht Jahren nicht annähernd so ein Bewusstsein. Und deswegen müssen wir diese Bewegung unterstützen und unsere Kinder ermutigen. Sie brauchen auch nicht uns Erwachsene an der Spitze. Das kriegen die sehr gut selbst hin.

          Was für ein Verhältnis zur Natur haben Sie?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Robert Habeck wirbt in der kontroversen Debatte für den Leitantrag.

          Wirtschaftsprogramm : Die Grünen fordern mehr Verbote

          Neue Klimazölle, strenge Quoten für die Automobilindustrie und eine Anhebung des Mindestlohns. Die Grünen-Spitze um Baerbock und Habeck spricht sich für einen „Green New Deal“ aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.