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Interview mit Henning Baum : „Es hat keinen Sinn, in Lummerland zu bleiben“

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Dann ist da so eine bestimmte Konzentration da, keine Ablenkung. Ich sage jetzt etwas sehr Unpopuläres. Ich glaube, beim Militär und auch bei der Polizei gibt es Einheiten, wo man sich gut überlegen muss, ob man sie geschlechtlich vermischen sollte. Denn da geht es wirklich darum, Konzentrationsfähigkeit unter einer sehr hohen Gefahr zu erhalten. Ich weiß, da kommen jetzt 1000 Gegenargumente. Aber ich glaube daran, dass es besser ist. Man sollte die Männer beim SEK unter sich lassen. Ansonsten ist es bereichernd, wenn Frauen dazu kommen.

Es macht dann einfach mehr Spaß?

Und es kann geistreicher und lustiger sein. Ich halte auch überhaupt nichts davon, sich über das andere Geschlecht so lustig zu machen, wie das Mode geworden ist bei Mario Barth und anderen Comedians. Das kann ganz unterhaltsam sein. Aber mittlerweile ist ein ganzes Genre entstanden, in dem das Verhältnis zwischen Männern und Frauen so beschrieben wird. Frauen werden als kaufsüchtige Schuh-Fanatikerinnen hingestellt, die ihren Mund nicht halten können. Dieser Typ Frau existiert bestimmt. Aber das gilt eben nicht für das ganze Geschlecht. Man sollte solche Bilder nicht dominieren lassen.

Männlichkeit und Weiblichkeit werden sonst zum Klischee?

Genau, wir sollten uns nicht als Klischees begegnen. Und es ist gut, wenn wir die Faszination füreinander zulassen, wenn sich die Erotik zwischen den Geschlechtern auch im Gespräch niederschlagen darf. Die Griechen haben ja schon die körperliche und die geistige Erotik unterschieden. Es besteht doch die Gefahr, dass diese geistige Erotik verloren geht, wenn man zu stark auf die körperliche Erotik fixiert ist. Es hat erfrischenden Esprit, wenn man diese Erotik des Geistes nicht durch Bilder und Klischees austreibt. Ich glaube auch nicht, dass die Gender-Debatte, die wir gerade erleben, da wirklich nützlich ist.

Warum nicht?

Das würde jetzt zu weit führen. Nur so viel: Gerechtigkeit muss es vor allem bei der Bezahlung geben. Wenn eine Frau die gleiche Leistung bringt wie ein Mann, dann sollte sie gleich bezahlt werden, alles andere ist absurd. Ansonsten ist es aber ganz wichtig, dass die Unterschiede anerkannt werden. Wir sollten uns an den Unterschieden erfreuen. Die Polarität macht das Leben reizvoll.

Wann ging es bei Ihnen mit den Mädchen los?

Da war ich wahrscheinlich so 13 Jahre alt. Aber interessiert haben mich die Frauen schon vorher. Ich habe schon meine Kindergärtnerinnen angesehen und überlegt: Die ist schön, und die ist nicht so schön, dafür aber lieb.

Wann waren Sie das erste Mal richtig verliebt?

Wahrscheinlich mit Ende zwanzig. Vorher war ich eher ein bisschen verliebt. Aber das begreift man erst später. So eine Verliebtheit ist ja wie ein Rausch. Das kann man auch im jugendlichen Alter erleben, aber das verfliegt dann eben schnell wieder. Auch da kann man aus der Geschichte von „Tom Sawyer“ etwas lernen.

Stichwort Becky Thatcher.

Genau, er begeistert sich für Becky Thatcher und küsst sie. Dann platzt es aus ihm heraus, dass er vorher schon mal eine andere geküsst hat. Becky ist entsetzt. Er versucht das noch einzurenken, aber da ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. So läuft das, wenn man jung ist.

Wann haben Sie das letzte Mal im Kino geweint?

Ich habe neulich bei einer Serie geweint, weil es einfach so rührend war. Und das ist gar keine Serie, bei der man das erwarten würde: „Californication“, schon etwas älter, aber pointiert, geistreich und erwachsen geschrieben. In der zweiten oder dritten Staffel eskaliert eine familiäre Situation. Das war so gut gespielt und geschrieben, es hat mich wirklich ergriffen und tief berührt.

Wann fühlen Sie sich schwach?

Die körperliche Schwäche kommt bei mir durch ständigen Schlafmangel. Das greift mich dann schon an.

Und emotional?

Das gibt es auch. Ich kann am besten damit umgehen, wenn ich das hinnehme. Anzunehmen ist ganz wichtig. Da will ich dann zwar rebellieren, aber wenn mir das Schicksal etwas serviert, muss ich das annehmen. Dagegen kann ich ankämpfen, wie ein Prometheus die Götter beschimpfen, aber das bringt mich nicht weiter.

Henning Baum

Er war „Held der Gladiatoren“ und „Der letzte Bulle“. Für seine Rolle als schwuler Kommissar Leo Kraft in der Krimiserie „Mit Herz und Handschellen“ wurde er mit dem Deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler ausgezeichnet. Jetzt spielt Henning Baum Lukas, den Lokomotivführer - in der Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Michael Ende, die am 29. März in die deutschen Kinos kommt. Zum Interview sind wir in einem Hotel in der Hamburger Langen Reihe nahe der Alster verabredet. Doch dazu muss man den Fünfundvierzigjährigen erst einmal aus seiner Parallelwelt in die Gegenwart lotsen. Denn er ist in einen opulenten Bildband über Muhammad Ali vertieft.

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