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Interview mit Henning Baum : „Es hat keinen Sinn, in Lummerland zu bleiben“

  • -Aktualisiert am

Das ist eine Prüfung, die nie aufhört. Ich muss in diesem Beruf immer wieder etwas riskieren, immer wieder die Sicherheit verlassen. So eine Fernsehserie ist ja eigentlich ein sicherer Hafen. Aber ich habe mir immer wieder gesagt, es muss etwas Neues passieren. Und das heißt nicht, dass dann gleich etwas Besseres kommt. In der Regel wird es erst einmal rauer. Das hat mit Einbußen zu tun. Trotzdem muss das sein. Ich höre in mich hinein, und dann muss ich etwas wagen.

Gehört dazu auch das Wagnis, eine alte Beziehung zu verlassen und eine neue zu beginnen, obwohl einem im Fokus der Boulevardpresse ganz Deutschland dabei zusieht?

Das mit dem Privatleben von Schauspielern ist ja so ein Missverständnis. Man meint, das Privatleben von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sei nicht mehr privat. Aber es ist immer noch mein Leben und privat. Und das ist nicht nur ein Missverständnis, sondern auch von den Menschen, die sich da einmischen, eine Unanständigkeit. Wenn so etwas passiert, muss ich natürlich versuchen, das wieder einzufangen. Denn ein öffentliches Leben zu führen, das führt wirklich zu nichts Gutem. Und auch das ist tatsächlich eine große Prüfung. Das will ich nicht verheimlichen.

Sie gelten als Deutschlands letzter „echter Kerl“. An wem oder welchen Rollenmustern haben Sie sich orientiert? In Ihrer Jugend waren männliche Popstars ja eher androgyn.

Wir haben damals aber ganz andere Filme gesehen als die heute. Es gab nur zwei Fernsehprogramme, da liefen diese ganzen alten Schwarz-Weiß-Filme mit Spencer Tracy, Katharine Hepburn, Humphrey Bogart, Robert Mitchum. Was haben wir da für Typen gesehen? Das waren richtige Kerle, Lee Marvin und James Coburn. Charles Bronson war nun definitiv kein Weichei. Das waren all diese Über-Männer, coole Typen, das habe ich bestimmt in mich aufgesogen, dass man sich so als Mann benimmt. Es gab auch im Freundeskreis meiner Eltern einen Mann, den ich sehr mochte. Das war genauso ein Typ, sehr cool. Der war auch schon durch Krisen gegangen, war Soldat bei den Briten gewesen. Trotzdem hatte er sich eine große Menschlichkeit bewahrt und war zu jedem freundlich. Diese Verbindung von entschlossener Männlichkeit und Herzensgüte, die habe ich mir wahrscheinlich zum Vorbild genommen.

Männer wie David Bowie waren keine Inspiration?

Als Mann nicht. Aber den fand ich trotzdem faszinierend.

Und was ist Ihre feminine Seite?

Ich habe schon als Jugendlicher gerne Frauen als Freundinnen gehabt, weil ich mich mit ihnen über Literatur austauschen oder ins Kino gehen konnte – und eben nicht in die Schwarzenegger-, sondern in Arthouse-Filme. Sie wussten auch Sachen, die ich nicht wusste, und haben gesagt: Hör dir mal diese Musik an, Leonard Cohen zum Beispiel, oder lies mal Milan Kundera. Oder wir haben eben Filme aus den Siebzigern gesehen. Die haben mir dann immer eine ganz andere Welt gezeigt. Das habe ich sehr geschätzt. Und wir haben Gespräche geführt, die mit Männern so nicht möglich waren. Meine Freundinnen waren meist etwas älter, deswegen konnten die mich mitziehen. Ich weiß nicht, ob das nun meine feminine Seite ist, aber ich schätze den Austausch mit klugen Frauen. Wenn ich mit meinen Männer-Freunden zusammen bin, ist das doch immer etwas anderes.

Da geht es dann doch eher um Fußball und Autos?

Nicht speziell. Naja, einige sind schon sehr Männer. Wenn eine Frau dazu kommt, lockert sich das auf. Ich sage mal so: Es wird dann kultivierter und vielfältiger. Manchmal ist es aber auch wichtig, dass Männer unter sich sind.

Warum?

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