https://www.faz.net/-gum-9x03m

Schaltjahr : Caesar hat’s erfunden

  • -Aktualisiert am

Brachte Ordnung in den Kalender: Julius Caesar. Bild: Picture-Alliance

Die Erfindung des Schaltjahrs geht auf Julius Caesar zurück. Vor seiner Reform wurden fehlende Tage willkürlich ausgeglichen, gelegentlich gab es sogar ganze Schaltmonate. Ein Blick auf die Entstehung des 29. Februars.

          2 Min.

          Ein gutes Image hat der 29. Februar nicht: Kälter soll es in Schaltjahren sein, vom Heiraten sollte man absehen, und man erinnert sich noch an das Mitleid, das man als Kind mit Menschen hatte, die nur alle vier Jahre „wirklich“ Geburtstag haben. In Wahrheit ist die Geschichte des 29. Februars als fester Schalttag jedoch eine Erfolgsgeschichte. Sie führt zurück ins Jahr 45 vor Christus, als Julius Caesar den Kalender reformierte.

          Um die Sonne zu umrunden, braucht die Erde 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. In der Zeit vor Caesars Kalenderreform hatte das Jahr jedoch nur 355 Tage, so dass ganze Schaltmonate eingefügt werden mussten, um eine Verschiebung von Kalender und Jahreszeiten zu verhindern. Die Verfügungsgewalt über die Schaltmonate hatten die Mitglieder eines römischen Priesterkollegiums, die Pontifices, die eher unzuverlässig, ja sogar recht willkürlich die fehlenden Tage ausglichen. So konnte es zum Beispiel passieren, dass eine Sonnenfinsternis, die im astronomischen März stattfand, im kalendarischen Juli lag.

          Einer Rechenschaftspflicht unterlagen die Pontifices nicht. Niemand wusste, ob und wann es den Herren beliebte zu schalten. Äcker wurden schließlich trotzdem im Frühjahr bestellt, unabhängig davon, ob es nun kalendarisch April war oder nicht. Die Pontifices konnten sich durch das Einschieben oder Auslassen von Schaltmonaten steuerlich bereichern oder auch Zahlungsfristen nach ihrem Belieben verlängern. Durch eine feste Regelung der Schalttage wurden diese willkürlichen Praktiken unterbunden. Somit ist die Geschichte der Kalenderreform auch die Geschichte der Entmachtung der Pontifices.

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Das letzte Jahr der großen Verwirrung

          Für Caesar sei es eine Möglichkeit gewesen, sich beim Volk beliebt zu machen, sagt Altphilologe Thomas Paulsen von der Goethe-Universität in Frankfurt. Im Jahr 48/47 vor Christus reiste Caesar für sieben Monate nach Ägypten, wo man sich schon am Sonnenjahr orientierte und ein zwölfmonatiges Kalendersystem etabliert hatte. Auf seiner Reise lernte er nicht nur Kleopatra kennen, sondern beriet sich wohl auch mit Gelehrten und arbeitete an seiner Idee, den alten römischen Kalender zu reformieren. Zurück in Rom, ernannte er eine „Kalenderkommission“, die hauptsächlich aus griechischen und ägyptischen Spezialisten bestand und das Chaos des 355-Tage-Kalenders nach dem Vorbild ägyptischer und griechischer Kalenderwissenschaften beseitigen sollte. Die Pontifices ließ Caesar bei dieser Arbeit außen vor.

          Noch heute, lange nach der Reform, erinnern uns zwei Monatsnamen an Größen des römischen Reichs: Julius und Augustus. 46 vor Christus war schließlich das letzte chaotische Jahr, bevor der julianische Kalender in Kraft trat. Um seine neue Jahreszählung mit dem 1. Januar 45 vor Christus beginnen zu können, habe Caesar das Jahr 46 vor Christus um insgesamt 90 Tage verlängern müssen, sagt Historiker Florian Rudolf Forster von der Goethe-Universität. Deshalb sei das Jahr 46 vor Christus mit seinen 445 Tagen wohl schon damals als „annus confusionis ultimus“ bezeichnet worden: das letzte Jahr der großen Verwirrung.

          Verwirrt müssen wir heute dank Caesars Reform nicht mehr sein. Zwar waren seine Berechnungen immer noch nicht so präzise, dass sich der julianische Kalender bis heute hätte halten können. Im Jahr 1582 wurde der Kalender abermals von Papst Gregor XIII. reformiert.

          Eine Ungenauigkeit von elf Minuten, die der julianische Kalender barg, wuchs über die Jahre zu einer stattlichen Zeitverschiebung. Papst Gregor kürzte deshalb einfach zehn Tage des Jahres 1582: Auf den 4. Oktober folgte der 15. Oktober. Außerdem führte der Papst die Regel ein, dass der zusätzliche Tag des Schaltjahres dann entfällt, wenn die Jahreszahl durch 100, aber nicht durch 400 teilbar ist. Das ist im Jahr 2100 das nächste Mal der Fall.

          Der feste Schalttag alle vier Jahre ist allerdings auf die julianische Kalenderreform zurückzuführen. So können wir also immer noch sagen: Danke, Caesar!

          Weitere Themen

          Mit dem QR-Code an den Strand

          Baden in Spanien : Mit dem QR-Code an den Strand

          Auch in Spanien lockert jede Region anders. Das Baden im Meer ist mancherorts wieder erlaubt. Aber gilt das auch für Touristen?

          Topmeldungen

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.
          Happy End ohne Ende: Dieses Traumbild (hier aus den siebziger Jahren) scheint zeitlos.

          Tipps einer Wissenschaftlerin : Anleitung zum Glücklichsein

          Die amerikanische Psychologieprofessorin Laurie Santos begeistert mit ihrem Online-Kurs über die Wissenschaft des Wohlbehagens Millionen Menschen. Was rät sie in Krisenzeiten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.