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Saudi-Arabien : Frau nach Twitter-Foto ohne Kopftuch verhaftet

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Wegen dieses Bildes wurde die junge Frau verhaftet. Bild: Twitter/Screenshot

Weil eine Frau in Saudi-Arabien ein Bild von sich ohne Kopftuch und in moderner Kleidung auf Twitter gepostet hat, ist sie offenbar verhaftet worden. Vorher hatte sie Morddrohungen bekommen.

          „Wir wollen Blut." „Töte sie und wirf ihre Leiche zu den Hunden." „Die geringste Strafe für sie ist eine Enthauptung." Mit solchen Äußerungen wurde eine Frau aus Saudi-Arabien konfrontiert, nachdem sie vergangenen Monat auf Twitter ein Bild von sich ohne Kopftuch und in moderner Kleidung gepostet hatte. Weil die Drohungen nicht aufhörten, musste sie ihren Twitter-Account schließlich löschen. Damit war der Fall für sie aber nicht erledigt. Laut einem Bericht der „Washington Post“ wurde sie am Montag in der Hauptstadt Riyadh wegen der „Verletzungen der allgemeinen Moral" verhaftet. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei der Nachrichtenagentur AFP.

          Alles hatte damit angefangen, dass die junge Frau ein Statement setzen wollte: In einem bunten Kleid, einer schwarzen Jacke und modernen Stiefeletten ging sie frühstücken – ohne Hijab (Kopftuch) auf dem Kopf und Abaya (ein langes Gewand) über dem Körper, wie es für Frauen in Saudi-Arabien eigentlich Pflicht ist. Vorher kündigte sie ihr Vorhaben auf Twitter an. Ihre Follower forderten sie auf, ein Foto davon zu machen. Als sie das gemacht hatte, kam die Hass-Lawine ins Rollen, es gab sogar ein spezielles Hashtag, mit dem vor allem Männer ihre Verhaftung forderten.

          Nachdem die Polizei dann am Montag der Forderung nachgekommen war, erklärte ein Sprecher, die Frau habe gegen Gesetze verstoßen, weil sie nicht angemessen gekleidet war. Er forderte die Öffentlichkeit auf, „sich an die Lehren des Islam zu halten." Nach der saudischen Auslegung der Religion dürfen Frauen auch nicht Autofahren.

          Auf Twitter wird die Frau jetzt nicht mehr nur angefeindet, sondern von anderen Nutzern für  ihre Tapferkeit und ihren Mut gefeiert. Einige haben sich auch schon einen Spitznamen überlegt, in Anlehnung an die amerikanische Bürgerrechtlerin, die verhaftet wurde, weil sie sich weigerte, ihren Bussitz einem weißen Passagier zu überlassen: Sie nennen die Verhaftete die „saudische Rosa-Parks".

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