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Sarkozys Urlaub mit Carla Bruni : Am Nil mit der Männerfresserin

  • -Aktualisiert am

Da bleibt einem vor Staunen der Mund offen Bild: AP

Nicolas Sarkozy verbringt die Tage zwischen den Jahren zur Freude der Boulevard-Presse mit Carla Bruni turtelnd in Ägypten. Die Franzosen zweifeln, ob das der Beginn einer neuen Zeit ist - oder einfach nur peinlich.

          Der Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich ist: Während ein deutscher Ministerpräsident mit komischer Föhnfrisur damit rechnen muss, dass er von seiner Frau für einen Porsche-Verkäufer mit der gleichen Frisur verlassen wird, lässt sich ein französischer Präsident mit ebensolcher Frisur von seiner Frau scheiden und kreuzt zwei Monate später in Disneyland mit einem Modell auf, das mal was mit Mick Jagger hatte. Und das aussieht wie seine geschiedene Frau, nur zwanzig Jahre jünger.

          Auf den ersten Blick scheint Président de la République also ein attraktiverer Job zu sein als etwa Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Man kann Carla Bruni anbaggern und zwischen den Jahren im Privatjet eines Kumpels kostenlos zum Kurzurlaub nach Ägypten fliegen. Die Zeitschrift „Paris Match“ - von ihrem Besitzer, dem Sarkozy-Freund Arnaud Lagardère, in eine offizielle Präsidenten-Bejubelungspostille umfunktioniert - freut sich derzeit in einem sechsseitigen Fotoroman mit dem frisch verknallten Paar: „Die Verliebten vom Nil - Küsse, fröhliches Gelächter, zärtliche Gesten“. Und auch die französische „Gala“ ist entzückt: „Wie zwei Jugendliche zeigen sie ihre Liebe in aller Einfachheit.“

          Tausend Dollar die Nacht

          Der Einfachheit halber war das Paar samt Entourage in Luxor im Hotel „Old Winter Palace“ abgestiegen, wo ein ordentliches Zimmer etwa tausend Dollar die Nacht kostet. Das Besuchsprogramm - Tempel von Luxor, Tal der Könige, Tal der Königinnen - hatte der ägyptische Kulturminister Farouk Hosni zusammengestellt, dessen Kandidatur für den Vorsitz der Unesco Sarkozy zufällig unterstützt. Vielleicht hat Hosni die ägyptischen Berichterstatter auch angeregt, Frau Bruni als „Verlobte“ des Präsidenten zu bezeichnen, nachdem der ägyptische Abgeordnete Gamal Zahran kritisch nachgefragt hatte, ob der Präsident und seine Freundin eigentlich ein Zimmer teilten; ein muslimisches Land dürfe solch schlawinerhaftes Verhalten nicht dulden.

          Da bleibt einem vor Staunen der Mund offen Bilderstrecke

          Nach zwei Tagen Power-Sightseeing entspannte das Paar in der Residenz des Scheichs von Abu Dhabi in Scharm al-Scheich. Dort hatte die ägyptische Polizei offenbar Weisung, die Fotografen nicht mehr gewähren zu lassen, sondern gleich zu vermöbeln. Kurz vor der Rückreise traf der Präsident noch zu einem kurzen Gespräch mit dem ägyptischen Staatschef Hosni Mubarak zusammen („Dumme Sache, das mit der Bhutto, à bientôt“), um dem romantischen Ausflug einen politischen Anstrich zu verleihen.

          Zurück im Alltag

          Doch als Sarkozy am 30. Dezember wieder in Paris eintraf, hatte ihn der Alltag gleich wieder. Zu Hause nölten Vertreter der Opposition seit Tagen über den „Circus Barnum im Land der Pharaonen“. Der sozialistische Abgeordnete Arnaud Montebourg schimpfte, diese Präsidentschaft erinnere ihn an die Römer während der Dekadenz, und er frage sich, wie lange es dauere, bis die Eroberungen des Präsidenten der Regierung angehörten. Das Privatleben werde instrumentalisiert, um von politischen Misserfolgen abzulenken, in jedem Fall sei Frankreich durch das Verhalten des Präsidenten in der europäischen Presse der Lächerlichkeit preisgegeben.

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