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Sänger Cro im Gespräch : „Mädchen können nicht rappen“

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Vor zwei Jahren stürmte er mit seinem Lied „Easy“ erstmals die Charts. Cro ist vermutlich Anfang 20, stammt aus der Nähe von Aalen und heißt mit richtigem Namen Carlo Waibel Bild: Fricke, Helmut

Seinen Geburtsort und sein genaues Alter verschweigt der Rapper Cro lieber. Im F.A.Z.-Interview spricht er dafür über sein neues Album „Melodie“, seine Heimat Schwaben, Hotel Mama und (Alb-)Traumfrauen.

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          Cro, Ihr neues Lied dreht sich um die Traumfrau. Heißt die deshalb so, weil es sie nicht gibt?

          Ich habe sie noch nicht gefunden. Ich treffe nur Mädchen, bei denen ich mir denke: Nä! Das ist echt krass, weil ich viele Mädchen treffe. Aber weiche Knie? Das ist vier Jahre her.

          Ihr Rat an schöne Frauen?

          Ihr seid nicht cool, wenn ihr nur schön seid.

          Zurück zum Träumen: Wohin führt das bei Ihnen?

          In der Einschlafphase fallen mir Melodien und Texte ein. Die notiere ich dann oft noch schnell. Nachts geht es weiter: Manchmal wache ich auf und erinnere mich an neue Lieder, die ich im Traum gehört habe. Die nehme ich dann sofort auf.

          Haben Sie Albträume?

          Wenn der Körper müde ist, aber der Kopf noch rattert, schläft man manchmal ein und erlebt die Schlafstarre bewusst: Man liegt dann da und kann seine Muskeln nicht bewegen. Das ist echt irre und schlimm.

          Wie fühlt es sich an, mit Anfang 20 den Traum zu leben?

          Überhaupt nicht anders als vor dem Erfolg. Ich habe nicht das Gefühl, irgendwo angekommen zu sein, obwohl ich genau das geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe.

          Porsche, die Fantastischen Vier und jetzt Sie: Sind Schwaben trotz aller Vorurteile doch stilvoll und cool?

          Ich finde Schwaben gar nicht so schlimm. Die Vorurteile stimmen nicht. Und zum Thema ,spießig’ und so: Ich habe hier in Stuttgart noch nie ein Kehrwoche-Schild gesehen.

          Sie scheinen ein sehr entspannter Typ zu sein. Wie kommt’s?

          Ich habe nur keine Lust auf ’nen Herzinfarkt. Deswegen darf man sich gar nicht aufregen. Am Ende hat man sowieso nichts davon, wenn man sich über alles aufregt; deswegen immer wegignorieren.

          Wer Ihre Platten hört, weiß danach genau, was Sie gut finden. Ihre Heimatstadt Aalen gehört vermutlich nicht dazu.

          Ich komme nicht direkt aus Aalen, aber egal: Die Gegend ist nicht geil für jemand, der dort nicht wohnt. Aber wenn man da wohnt, findet man’s schon gut. Meine Musik hätte aber überall entstehen können und hat nichts mit der Gegend zu tun.

          Zu Beginn Ihrer Karriere haben Sie im Hotel Mama gelebt. Hat sich das geändert?

          Ich bin mit meinem Bruder in eine Bude in Stuttgart gezogen, aber da kann ich nicht laut sein. Deshalb muss ich zum Muckemachen zu meiner Mutter. Aber ich würde das nicht Hotel Mama nennen, denn ich finanziere Hotel Mama: Ich zahle das Auto, die Waschmaschine und die Heizungsrechnung – bin also der Chef von Hotel Mama. Mama darf im Hotel Cro wohnen.

          Wird das Hotel von Fans belagert?

          Manchmal stehen welche da, aber die wollen ein Autogramm und dann war’s das. Meistens bekommen sie auch eins.

          Sie sind der Star Ihrer Generation; ein gesichtsloser Star.

          Nee, die andern Menschen sind gesichtslos: Alle sehen gleich aus. Ich bin ein Panda.

          Wäre der Erfolg ohne Maske, also ohne Markenzeichen, weniger durchschlagend gewesen?

          Wenn ich ins Taxi steige und dem Fahrer irgendwann sage: Ich bin Cro, kommt oft: Kenn’ ich nicht. Wenn ich aber sage: Ich bin der mit der Pandamaske, dann kommt: Ah, der – meine Tochter hat das ganze Zimmer voll mit Postern.

          Paparazzi, Kamerahandys: Erstaunlich, dass kein aktuelles Bild kursiert, auf dem Ihr Gesicht zu sehen ist.

          Wir passen eben gut auf.

          „Cro, das Genie“: Seinen Musikstil nennt er „Raop“ – eine Mischung aus Rap und Pop

          Unten schleicht eine Minderjährige ums Gebäude. Wenn die weiß, dass Sie hier sind...

          ...könnte sich auch ein Profi im Haus gegenüber verstecken und mich fotografieren. Ist aber noch nicht passiert.

          Sie reimen über Ihre Freundin: „Sie ist ziemlich schlau, doch irgendwie versaut, dein Slip ist himmelblau, süß, ihrer liegt zuhaus’.“ Wenn sie so lässig ist, könnte sie ja mal mitrappen.

          Sie kann nicht rappen. Mädchen können nicht rappen. Rap ist immer noch eine Männerdomäne, irgendwie werden Rapperinnen nicht angenommen.

          Finden sich Frauen in Ihren Texten wieder? Sex, shoppen, das Femme-fatale-Motiv. Es gibt junge Männer, denen mehr zu Frauen einfällt.

          Aber was ich darüber erzähle, ist eben das, was junge Menschen interessiert. Die kommen aus der Schule nach Hause und wollen nicht irgendeine Meinung oder Information aufgedrückt bekommen.

          Wieso sind mehr Mädchen als Jungs auf Ihren Konzerten?

          Die stellen sich vielleicht vor, dass ich wie Leonardo DiCaprio aussehe. Nee, ich kann das nicht erklären. Außerdem: Wenn viele Frauen kommen, kommen eben auch viele Jungs, weil die Girls da sind. Das ist voll okay: So viele Fans wie möglich, bitte.

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