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Russland : Warten auf den Nikolaus

Russisch-orthodoxe Gläubige stehen am Dienstag in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau an, um die Gebeine des Heiligen Nikolaus von Myra zu küssen. Bild: dpa

Die Reliquie des heiligen Nikolaus von Myra (Demre) hat ein religiöses Gastspiel in Moskau. Die Russen sind begeistert und stehen kilometerlang Schlange. Auch Putin war schon da.

          Schon Zehntausende Russen haben in den ersten Tagen eines religiösen Gastspiels der Reliquie des heiligen Nikolaus von Myra (Demre) in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau ihre Aufwartung gemacht. Pilger aus verschiedenen Teilen des Landes stehen meist mehrere Stunden an, um einen Moment bei dem Heiligen verbringen zu können, der in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts auf dem Gebiet der heutigen Türkei wirkte.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Mal ist die Warteschlange einen Kilometer, mal anderthalb Kilometer lang. Ein Großaufgebot der Polizei sorgt entlang von Gattern, durch welche die Pilgernden in Richtung Kathedrale geschleust werden, für Ordnung. Allein am Dienstag pilgerten mehr als 25.400 Menschen zu dem goldenen Schrein mit den von der katholischen Kirche ausgeliehenen überaus wertvollen Gebeinen, wie die Russische Orthodoxe Kirche am Mittwoch mitteilte. Am Montag seien es 18600 Pilger gewesen.

          Die Reliquie habe schon eine Menge Wunder vollbracht, sagte der Erzbischof von Bari, Francesco Cacucci, dem russischen Staatsfernsehen, für das der Besuch dieser Tage ein Schlüsselthema ist.

          Auch Putin besuchte die Reliquie schon

          Der Erzbischof war Teil einer Delegation, welche die Reliquie am Sonntag aus Bari auf einem Sonderflug nach Moskau begleitete. Die Nikolaus-Reliquie war auf Bitten Kirills, des Patriarchen der Russischen Orthodoxen Kirche, und von Papst Franziskus erstmals von Italien nach Russland gebracht worden. Kirill bezeichnete die Ausstellung der Reliquie in ihrem Goldschrein als „freudiges Ereignis“ und als „weiteres konkretes Ergebnis unseres Treffens mit Papst Franziskus auf Kuba“. Am Mittwochabend besuchte auch Präsident Wladimir Putin die Reliquie, zündete eine Kerze an und dankte Papst Franziskus für die Leihgabe.

          Bei der Begegnung von Franziskus und Kirill im Februar 2016 in Havanna, der ersten überhaupt der Oberhäupter der Russischen Orthodoxen und der katholischen Kirche, hatten Papst und Patriarch zur Wiederherstellung der Einheit aller Christen aufgerufen. Der heilige Nikolaus von Myra (Demre) wird sowohl von der katholischen als auch von der orthodoxen Kirche verehrt – und das, obwohl süditalienische Kaufleute im Jahr 1087 seine Gebeine raubten und in ihre Heimat brachten.

          Von der antiken Stadt Myra sind nur noch Ruinen in der Nähe der türkischen Stadt Demre erhalten, die 70 Kilometer südwestlich von Antalya liegt. Trotz des Diebstahls ist Nikolaus, der im vierten Jahrhundert Bischof von Myra war, ein „ökumenischer Heiliger“ geblieben. Die Reliquien befinden sich heute in der eigens erbauten Basilika San Nicola in Bari, zu der alljährlich Tausende Russen pilgern. Erstmals in 930 Jahren haben die Reliquien nun Bari verlassen.

          In Moskau können Pilger sie noch bis zum 12. Juli täglich von acht bis 21 Uhr aufsuchen. Feldküchen versorgen die bis zu vier Stunden wartenden Pilger mit Tee. Vom 13. Juli an bis Ende des Monats sind die Knochen des Heiligen dann auch noch in St. Petersburg zu sehen.

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