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Polizei in Russland : Ausbildung zu Patrioten

  • -Aktualisiert am

Angetreten: Absolventinnen einer Polizeiakademie in Moskau Bild: Picture-Alliance

In Putins Russland wollen immer mehr junge Leute Ordnungshüter werden. Was sie als Polizisten und Justizvollzugsbeamte erwartet, ist nichts für zarte Gemüter.

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          Je stärker die wirtschaftlichen Aussichten in Russland sich eintrüben, desto attraktiver wird für junge Leute eine Karriere in Uniform. Während wohlhabendere Familien für ihre Kinder oft Managerposten in Staatsunternehmen anstreben, erwägen ärmere immer häufiger einen Arbeitsplatz bei den Sicherheitsbehörden. Von den sinkenden Einkommen im Land sind Armeeangehörige und Ordnungshüter ebenso wenig betroffen wie von der Erhöhung des Renteneintrittsalters. Nach zwanzig Dienstjahren geht es in Pension, die aus Fonds der Ministerien gezahlt wird, und die behördeneigenen Hochschulen vermitteln eine solide Ausbildung in Jura und IT. Zu ihnen gehört das traditionsreiche Juristische Institut im 200 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Wladimir, das der Föderalen Strafvollzugsbehörde angegliedert ist und Justizvollzugsbeamte und Polizisten ausbildet.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Unter den Absolventen sind Kinder von Militärs, aber auch aus prekären Familien wie die Anwältin Nelly Schischowa, die als Waise bei der Großmutter aufwuchs. Schischowa warnt ihre Landsleute heute vor dem Polizistenberuf, den sie selbst ausgeübt hat, weil man durch ihn Teil eines Unrechtssystems werde. Ihr Studienkollege Andrej Slyntschenko, der vom Justizvollzugsdienst in die Geschäftswelt wechselte, klagt über den demoralisierten Lehrkörper am Institut und die Zustände im Gefängnis von Wladimir.

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