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Diplomaten auf Heimreise : Mit Muskelkraft von Nordkorea nach Russland

Muskelantrieb: Das letzte Stück ihrer Ausreise aus Nordkorea müssen russische Diplomaten zu Fuß und mit der Draisine bewältigen Bild: AFP

Zu Fuß und mit dem Gepäck auf einer handbetriebenen Draisine überquerten sie die Grenze: Auf ungewöhnliche Weise haben russische Diplomaten und ihre Familien Nordkorea verlassen.

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          Auf ungewöhnliche Weise sollen eine Gruppe russischer Diplomaten und ihre Familien Nordkorea verlassen haben: Nach Angaben des russischen Außenministeriums am Donnerstagabend legten die insgesamt acht Personen nach 32 Stunden im Zug und zwei Stunden im Bus gut einen Kilometer bis zum russischen Grenzkontrollpunkt auf Bahngleisen zu Fuß zurück. Dabei transportierte die Gruppe ausweislich der Bilder, die das Außenministerium veröffentlichte, ihr Gepäck auf einer Draisine, einem in diesem Fall offenbar vierrädrigen Bahndienstfahrzeug mit Muskelantrieb.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der dritte Sekretär der Botschaft in Pjöngjang, Wladislaw Sorokin, sei der einzige Mann der Gruppe und der Hauptantreiber der Draisine gewesen und Sorokins drei Jahre alte Tochter die jüngste Reisende. Das Ministerium veröffentlichte auch ein kurzes Video zur Passage über die eingleisige Eisenbahnbrücke über den Grenzfluss Tumen; man hört Jubel. Auf russischer Seite sei die Gruppe mit einem Bus abgeholt und zum Flughafen nach Wladiwostok gefahren worden. Von dort kamen die Diplomaten am Freitag laut Außenministerium in der Hauptstadt Moskau an.

          „Der diplomatische Dienst ist sehr dornig, sehr schwierig“

          Zur Erklärung der Ausreise hieß es, Nordkorea habe seit mehr als einem Jahr seine Grenzen geschlossen und den Passagierverkehr eingestellt. Das soll die Ausbreitung des Coronavirus verhindern; Nordkorea hat keine bestätigten Fälle, was aber stark bezweifelt wird. Wegen strikter Beschränkungen haben die allermeisten Diplomaten Nordkorea inzwischen verlassen. Die deutsche Botschaft in Pjöngjang wurde bereits vor einem Jahr geschlossen. Damals stimmte die nordkoreanische Regierung noch zu, dass Dutzende Diplomaten, unter ihnen der deutsche Botschafter, sowie UN-Mitarbeiter in einer Sondermaschine nach Wladiwostok flogen. Die letzten EU-Diplomaten fuhren im August 2020 in einem Fahrzeugkonvoi über die Grenze nach China.

          Die Posts in den sozialen Medien, die nun verbreitet wurden, versahen die Mitarbeiter des russischen Außenministeriums mit einem Hashtag, der die unter anderem in der Aggression gegen die Ukraine verwendete Formel „Wir lassen unsere Leute nicht im Stich“ verwendet. Allerdings fragten Internetnutzer, ob die Diplomaten nicht auf irgendeine Art aus Nordkorea hätten herausgeholt werden können.

          Marija Sacharowa, die Sprecherin des Außenministeriums, sagte dazu, diese Frage müsse man der nordkoreanischen Seite stellen. Sie erläuterte, die Diplomaten, deren Entsendungszeit abgelaufen sei, hätten über China ausreisen können, dort aber eine dreiwöchige Quarantäne absolvieren müssen. Sie hätten in einer Extremsituation Mut gezeigt. „Der diplomatische Dienst ist sehr dornig, sehr schwierig“, kommentierte Dmitrij Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Er scheint so schön und elegant, aber tatsächlich ist es ein sehr schwerer, harter und angespannter Dienst.“

          Zur Draisine hieß es in russischen Medien, sie sei eigens für die Überquerung der Grenze über den Tumen hergestellt worden – und zwar vom Unternehmen Rassonkontrans, das zu 70 Prozent Russland und zu 30 Prozent Nordkorea gehöre. In der Vergangenheit soll schon ein russischer Mitarbeiter des Unternehmens, der sich in Nordkorea mit dem Coronavirus angesteckt habe, mit der Draisine nach Russland gebracht worden sein.

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